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Moderne und Gegenwartskunst in München : Sechzig Jahre und jetzt Spitzenpreise

  • -Aktualisiert am

Pechsteins doppelseitig mit Boot und Kühen bemaltes Bild, um 1910, wurde erst im Nachverkauf für 550.000 Euro vermittelt. Bild: Ketterer

Ketterer Kunst feiert sechzigjähriges Bestehen und füllt zu diesem großen runden Jubiläum sechs Kataloge mit Werken vom deutschen Expressionismus bis in die Kunst unserer Gegenwart.

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          Ketterer Kunst feiert sechzigjähriges Bestehen und füllt zu diesem großen runden Jubiläum sechs Kataloge mit Werken von der Moderne bis in die Gegenwart. Am 6. und 7.Juni wird sie in München versteigert; Schwergewichte liegen beim deutschen Expressionismus, wie schon seit 1954, als Wolfgang Ketterer in Stuttgart seine Galerie gründete. Mit ihr zog er bald nach München und ließ dort die erste Auktion Moderner Kunst im süddeutschen Raum steigen. Seit zwei Jahrzehnten führt nun sein Sohn Robert Ketterer das Haus, dessen höchsten Jahresumsatz er 2013 melden konnte. Das teuerste Bild der Geschichte des Hauses ist Max Pechsteins doppelseitiges Gemälde „Weib und Inder“, das vor drei Jahren 2,9 Millionen Euro brachte (ohne Aufgeld).

          Oskar Schlemmers „Kopf nach links“ aus dem New Yorker MoMA, zugeschlagen bei 310.000 Euro (150.000/ 250.000).

          Jetzt tritt abermals eine von Pechstein recto und verso bemalte Leinwand an: „Boote am Dangaster Priel“ und „Kühe“, monogrammiert und 1910, also in bester Brücke-Zeit datiert, farbstark und klar komponiert, erwarten 600.000 bis 800.000 Euro. Und noch ein Pechstein: Die gelbblaue „Chinesische Jacke“, getragen von seiner hübschen Frau Charlotte, malt er um 1918 (Taxe 200.000/300.000 Euro). Otto Mueller setzte sich 1929 selbst ins Bild, neben ihm, als Rückenakt, wohl seine Frau Elfriede. Am Erlös des auf 300.000 bis 400.000 Euro taxierten Werks beteiligt der Einlieferer „trotz seines guten Glaubens und einer für ihn sprechenden Rechtslage“ die von Ketterer ausfindig gemachten Erben des einstigen Eigentümers Richard Ehrlich, Breslau.

          Alexander Calders „Yellow Crinkly“ von 1963 für 310.000 Euro

          Einzige Frau unter den mit sechsstelligen Taxen hervorstechenden Malern ist Gabriele Münter mit ihrem Ölbild einer Murnauer „Berglandschaft mit Haus“ von 1910 (200.000/300.000). Bei Superstar Kandinsky reicht die gleiche Erwartung nur für ein Aquarell: das abstrakte, im Entstehungsjahr 1923 am Bauhaus ausgestellte „Gewebe“. Ein Kleinod stammt von Oskar Schlemmer; von seinem „Kopf nach links“, im Vorfeld der Wandmalerei fürs Essener Folkwang Museum gemalt, trennt sich das New Yorker Museum of Modern Art (150.000/200.000). Er blieb allerdings im Februar bei Sotheby’s in London liegen. An Papierarbeiten seien erwähnt Noldes Aquarell eines Bauernhofs mit glühenden Gewitterwolken (100.000/150.000), Dix’ veristische, bordellähnliche „Hamburger Kneipe“ von 1922 (60.000/80.000) und Kirchners nur in drei Exemplaren bekannter Farbholzschnitt „Maler und Modell – Dichter und Weib“ (100.000/150.000).

          Thomas Demands „Campingtisch“ von 1999 für geschätzte 20.000 Euro

          Im Sonderkatalog einer zugunsten molekularbiologischer Forschung an der amerikanischen Mayo-Klinik zu versteigernden Privatsammlung glänzt Schlemmer erneut; Sein Aquarell „Zwiegespräch (Anklage)“ birst förmlich vor Angriffslust (35000/50.000). Auch von Jawlensky, Macke, Malewitsch oder Popowa liegen feine Papierarbeiten vor, und von Schwitters eine Collage aus der Reihe der „Merzzeichnungen“, sie gehörte mal MoMA-Direktor Alfred Barr (100.000/150.000). Als Anführer dieser sehr persönlichen Kollektion reckt Calders stehendes Mobile „Yellow Crinkly“ von 1963 seine bunten Scheibchen in den Raum (300.000/400.000). Wenn am zweiten Auktionstag Kunst nach 1945 bis heute defiliert, führt Baumeisters „Mo 1954“ aus der prägnanten „Montaru“-Serie ihr duftiges Spiel der Farben um ein schwarzes Zentrum auf (300.000/400.000) und konzentriert Nay die Palette seines großformatigen Augenbildes von 1964 auf „Irisch Blau“ (250.000/350.000). Günther Uecker nagelt damals die „Hommage à Fontana“ auf geweißten Holzgrund (200.000/250.000), und der Lehrmeister in Sachen Raum anstrebender Fläche selbst schlitzt dunkle Leinwand scharflinig (500.000/600.000). Derselben Herausforderung begegnet Frank Auerbach Anfang der Sechziger expressiv mit pastosem, reliefbildendem Farbeinsatz auf seinem „J.Y.M. in the StudioII.“ (200.000/300.000). Über Zero-Kunst leitet die Offerte weiter zur Kunst unserer Tage und zu Robert Longo, Gerhard Richter, Imi Knoebel, auch Klapheck und Balkenhol.

          Als „Scharnier, von gestern zu morgen“ verschmilzt Daniel Richters Rückenakt von 2005 mit bunten Prismen (80.000/ 120.000), konterkariert von Liam Gillicks scharfkantigem Objekt „Resolution Platform“ (45 000/65 000). Daneben illustrieren Werke wie dieses das breite Spektrum der Auswahl: Thomas Demand fordert das kollektive Gedächtnis mit dem Foto seines präzisen Pappnachbaus eines „Campingtischs“ heraus, an ihm sah man Jan Philipp Reemtsma in seinem Entführungsversteck. Er ist auf 20.000 bis 30.000 Euro geschätzt (Auflage 6).

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