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Moderne und Gegenwartskunst : Die Helden von München

  • -Aktualisiert am

Rekord für Günther Ueckers Frühwerk „Hommage à Fontana“ für 1,05 Millionen Euro (Taxe 200.000 Euro) Bild: Katalog

Günther Uecker ist seit Jahren ein Garant für hohe Zuschläge auf dem Auktionsmarkt. Ketterer stellt jetzt zum Jubiläum sogar die internationale Konkurrenz in den Schatten.

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          Zwei Zuschläge in Millionenhöhe krönen die Jubiläums-Veranstaltungen bei Ketterer in München, und sie lesen sich wie die positive Resonanz auf sechzig Jahre Handel mit Kunst. Dabei war es nicht einmal der Favorit, der die Marke erreichte, vielmehr kassierte Pechsteins doppelseitig mit Boot und Kühen bemalte Leinwand zunächst eine glatte Abfuhr, bevor sie Schweizer Handel, noch am Auktionstag dann doch für 550.000 Euro (Taxe 600.000/800.000) nahm.

          Pechsteins doppelseitig mit Boot und Kühen bemaltes Bild, um 1910, wurde erst im Nachverkauf für 550.000 Euro vermittelt.

          Tatsächlich war Kandinsky das Kunststück vorbehalten, mit einer Arbeit auf Papier zahlreiche internationale Gebote anzustacheln: Sie hoben sein 1923 aquarelliertes „Gewebe“ auf 1,1 Millionen Euro (200.000/300.000) an - was dem siegreichen deutschen Sammler inklusive Aufgeld 1,32 Millionen Euro abverlangt. Das andere Millionending vollbrachte, ebenfalls hochbegehrt, Ueckers „Hommage à Fontana“, ein frühes Schlüsselwerk seines nagelgespickten Vorstoßes von der Bildfläche in den Raum: Mit 1,05 Millionen Euro rückte ein inländischer Sammler die 200.000-Euro-Taxe zurecht - und sorgte so auch noch für einen neuen Uecker-Rekord; der liegt zwanzig Prozent über dem von Sotheby’s in London aus dem Jahr 2010.

          Doch zurück zum ersten von zwei heißen, von Robert Ketterer kühl gemanagten Auktionstagen und zum Auftritt der Klassischen Moderne: Otto Muellers nachdenkliches „Selbstbildnis mit Rückenakt“ von 1929 nahm mit 450.000 Euro den Schritt über die Obertaxe und in die Türkei. Am Gewinn wird der Einlieferer übrigens den zur Versteigerung eigens angereisten Erben des als ehemaliger Eigentümer ausfindig gemachten Richard Ehrlich beteiligen, eines Breslauer Regierungsbaumeisters jüdischer Herkunft. Als teuerstes von mehreren Nolde-Aquarellen brachte ein prachtvoller Gluthimmel 250.000 Euro (100.000/150.000) und blieb im Lande wie auch Münters mit 260.000 Euro taxkonform zugeschlagene „Berglandschaft mit Haus“ von 1910 und Schlemmers markanter „Kopf nach links“ aus dem New Yorker MoMA, zugeschlagen bei 310.000 Euro (150.000/250.000).

          Oskar Schlemmers „Kopf nach links“ aus dem New Yorker MoMA, zugeschlagen bei 310.000 Euro (150.000/ 250.000).

          Zu melden sind 27 Hammerpreise im sechsstelligen Bereich, davon entfallen achtzehn auf die Klassische Moderne, und sie mischten auch die Benefiz-Auktion einer sympathischen, sehr persönlichen Privatsammlung auf, deren Erlös der amerikanischen Mayo-Klinik zugutekommt. Alexander Calder hieß hier einer der Helden, sein niedliches Stabile „Yellow Crinkly“ von 1963 nahm ein Amerikaner im Saal für 310.000 Euro (300.000/400.000). Es folgte das umworbene Jawlensky-Aquarell „Frauenkopf Femina“ mit Galka-Scheyer-Provenienz; einmal mehr setzten sich deutsche Sammler durch - allerdings erst, als mit 160.000 Euro die Obertaxe verdoppelt war. Schwitters’ braun-gold-graue Collage „Mz 386 Hopf (Merzzeichnung)“ von 1922 geht für 110.000 Euro (100.000/ 150.000) nach Norwegen und Picassos Porträt der schönen Geliebten Dora Maar, als Gelatineabzug eines raffinierten Cliché-verre-Photogramms, nach Frankreich, ebenfalls mit einem Ergebnis oberhalb der Schätzung, nämlich für 100.000 Euro.

          Alexander Calders „Yellow Crinkly“ von 1963 für 310.000 Euro

          Günther Ueckers Triumph - außer dem Millionen-Werk spielte ein genageltes „Feld“ von 1986 lässig 185.000 Euro (70.000/90.000) ein - trug die Fackel bei einem weiteren Preisspurt der derzeit ohnehin gut im Rennen liegenden Zero-Kunst: Dreizehn solcher Arbeiten erlösten in Ketterers Zeitgenossen-Offerte zusammen stolze 2,16 Millionen Euro (brutto). So ließ sich süddeutscher Handel Heinz Macks Aluminiumobjekt „Erzengel Michael und Gabriel“ 260.000 Euro (150.000/200.000) kosten; Otto Pienes Bestmarke lag bei 70.000 Euro für „Honey Moon“ aus dem Jahr 2000. Hingegen blieb Fontanas doppelt geschlitztes, dunkelgraues „Concetto Spaziale, Attese“ von 1959 mit 350.000 Euro hinter der optimistischen Erwartung von 500.000 bis 600.000 Euro zurück. Die Mitte ihrer Schätzmargen erfüllten Baumeisters um ein dickes Schwarz komponiertes Bild „Mo“ von 1954 mit 360.000 Euro und Nays strahlendes Augenbild „Irisch Blau“ mit 290.000 Euro, ebenso Frank Auerbachs mit fetter Farbe geschichtetes „J.Y.M. in the Studio II“, das Ketterer für 250.000 Euro einem britischen Händler zusprach. Mit einem Ergebnis von mehr als zwanzig Millionen Euro für die Frühjahrsauktionen schreibt Ketterer sich wieder einen neuen Halbjahresrekord in die Annalen.

          Maurizio Cattelans „Skelett-Vase“ von 2000 für 62.000 Euro

          Wacker trugen jüngere Jahrgänge dazu bei: So verbuchte Maurizio Cattelans „Skelett-Vase“ von 2000 - aus ihrem Schädel blühen rote Nelken - 62.000 Euro (um 80.000). Steven Parrino, der früh seiner Harley-Begeisterung tragisch zum Opfer gefallene New Yorker, erreichte mit einem silberfarbenen „Shaped Canvas“ das Oberziel von 70.000 Euro; Daniel Richters „Scharnier zwischen gestern und morgen“ - das Gemälde zeigt hinter spitzwinkliger Ornamentik einen verzitterten Duscher - brachte 82.000 Euro (80.000/120.000). Robert Ketterer zeigte sich hochzufrieden mit seinem Jubiläumsergebnis - kein Wunder.

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