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: Mister Perfect leidet am Mythos Ferrari

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Frankfurt. McLaren-Chef Ron Dennis streitet gern. Am liebsten mit Max Mosley, dem Präsidenten des Automobil-Weltverbandes (FIA). Seit dem 20. Februar liefern sich die beiden in offenen Briefen einen hitzigen Wortwechsel zum Thema, wer der Formel 1 wohl mehr Schaden zufüge.

          3 Min.

          von hermann renner

          Frankfurt. McLaren-Chef Ron Dennis streitet gern. Am liebsten mit Max Mosley, dem Präsidenten des Automobil-Weltverbandes (FIA). Seit dem 20. Februar liefern sich die beiden in offenen Briefen einen hitzigen Wortwechsel zum Thema, wer der Formel 1 wohl mehr Schaden zufüge. Dennis kritisiert Mosleys "despotischen Führungsstil" und sein neues Reglement. Der Beschuldigte kontert damit, daß dem McLaren-Direktor der Blick fürs Ganze fehle. Ein ähnliches Gefecht lieferten sich die beiden Streithähne schon im Herbst 2000. Damals erregten das Berufungsgericht und die Sportkommissare der FIA den Unmut von Dennis. Er zweifelte ihre Unabhängigkeit an. Mosley schrieb Dennis zurück, daß er jederzeit seine eigenen Rennserie starten könne, wenn er glaube, er wisse es besser.

          Ron Dennis kennt den Sport aus allen Blickwinkeln. Seit 1966 ist er im Geschäft. Ein Mechanikerjob beim Rennstall Cooper war sein Entree. Später wechselte er zu Brabham. Der heute 55jährige Engländer hat sich über alle Stationen hochgedient, mit drei Projekten Schiffbruch erlitten, bis ihm mit dem vierten der ganz große Coup gelang. 1980 installierte ihn McLaren-Hauptsponsor Marlboro als Teamchef eines Rennstalls, dessen Formkurve gerade nach unten zeigte. Vier Jahre später stand McLaren ganz oben auf dem Podest. Die Weltmeisterschaft 1984 war der erste von sieben Konstrukteurstiteln. Neunmal wurde ein McLaren-Pilot unter der Ägide von Dennis Weltmeister. Der Autodidakt baute ein Renn-Imperium auf, das Weltfirmen wie Porsche, Honda, Peugeot und Mercedes anzog. Mister Perfect wußte seine Partner schon immer einzulullen. Und sei es nur mit seinem Hang zum Perfektionismus.

          Ron Dennis erfand die Formel-1-Werkstatt mit der Anmutung eines Operationssaales. Er formte aus einer Bastelbude ein straff organisiertes Unternehmen. er blickte nicht ein, sondern fünf Jahre voraus. Und er nahm sich von allen das Beste. In den Jahren 1988 und 1989 hielt der ehemalige Mechaniker schließlich alle Trümpfe in der Hand: den zahlungskräftigsten Sponsor (Marlboro), den kompromißlosesten Motorenpartner (Honda) und die besten Fahrer (Ayrton Senna und Alain Prost). Das Projekt Nummer vier war ein Volltreffer. Seit der Ära Dennis führt jeder McLaren deshalb in der Typbezeichnung das Kürzel MP4 mit sich.

          So wie Dennis Anfang der neunziger Jahre seiner Zeit voraus war, so verschlief er jetzt die Entwicklung, wonach ein Formel-1-Rennstall im technischen Bereich wie eine Autofirma geführt werden muß. Mit klaren Strukturen, industriellen Arbeitsprozessen und wissenschaftlichen Designkonzepten. Ferrari hat es ihm vorgemacht.

          Das schmerzt. Denn die Roten sind sein erklärtes Feindbild. Es gab einmal eine Zeit, da hatte McLaren die Traditionsfirma nach Grand-Prix-Siegen eingeholt. Heute steht es 158:135 für Italien. Dennis neidet der Scuderia die Sympathien, die ihr zufliegen, egal, ob man gewinnt oder verliert. Er schreibt den Mythos der Tatsache zu, daß Ferrari auch Straßenautos baut. Unter anderem deshalb gründete Dennis 1989 die Firma McLaren Cars und warf einen Supersportwagen namens McLaren F1 auf den Markt. Der Traum, auf Augenhöhe mit Enzo Ferrari zu stehen, setzt sich fort. Der neue Mercedes SLR ist ein Gemeinschaftsprodukt zwischen Mercedes und McLaren. Das Auto wird in der neuen McLaren-Fabrik Paragon gefertigt.

          McLaren ist längst ein Gemischtwarenladen. Schon 1981 tat sich Dennis mit TAG-Chef Mansour Ojjeh zusammen. Der Saudi lieferte 1983 das Geld für die Konstruktion des Porsche-Formel-1- Motors. Im Januar 2000 kaufte sich DaimlerChrysler in die englische High-Tech-Schmiede ein. Den Stuttgartern gehören 40 Prozent. Ojjeh und Dennis teilen sich brüderlich den Rest. Mercedes schließt nicht aus, seinen Anteil mittelfristig zu erhöhen.

          Erfolg hat Nebenwirkungen. Ron Dennis zeigt gerne, daß er zur First-Class-Gesellschaft gehört. Die Teamleitung wohnt grundsätzlich im besten Hotel am Platz. Sein Privatjet steht in Größe und Preis im Vergleich zu den Fliegern seiner Kollegen auf der Pole-position. Das McLaren-Motorhome im Fahrerlager erinnert an eine Burg und degradiert die Anlagen der Konkurrenz zu Wohnwagen. Paragon, die neue Fabrik, hat nicht ein x-beliebiger Architekt entworfen. Es mußte schon Sir Norman Foster sein. Der Tempel verschlingt rund 350 Millionen Euro.

          Im Paragon liegt ein Teil der Wut begründet, die Dennis gegen Max Mosley aufbringt. Je weniger High-Tech die Formel 1 darstellt, um so weniger Berechtigung hat sein Spacelab mit künstlichem See. Ein Insider meint: "Ron muß Partner finden, die ihm die Fabrik finanzieren, sonst fressen ihn die Zinsen für die Baukosten auf." Mosley sieht es anders: "Ron ist scharf auf meinen Job." Der McLaren-Chef winkt nicht ganz überzeugend ab. Die Rolle des FIA-Präsidenten sei nicht sein Ding, sagte er einmal. Er sei zum Macher geboren, nicht zum Politiker.

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