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Merkel in der Mongolei : Kalt der Wind, warm die Worte

  • -Aktualisiert am

In der Staatsjurte: Merkel mit dem mongolischen Staatspräsidenten Elbegdorj Bild: dpa

Die Asien-Reise der Kanzlerin fand in der Mongolei ihren erzählerischen Höhepunkt. Die Demokratie wurde gelobt, Rohstoffe wurden erhofft.

          Sechs Stunden Flug haben die Delegation von tropischer Schwüle in die Kälte gebracht. Hanoi, ein warmer Abend mit Starkregen. Saigon am nächsten Tag, ein Mittag mit 30 Grad und feuchter Hitze. Ulan Bator in der Nacht mit sechs Grad und Nieselregen. Immerhin lag die Temperatur nicht mehr beim Gefrierpunkt, und es hat auch nicht geschneit, als Angela Merkel in der Hauptstadt der Mongolei eintraf, der letzten Station ihrer Asienreise, sieht man einmal von der Tank-Zwischenlandung in Nowosibirsk ab.

          „Ulan Bator soll die schlechteste Luft der Welt haben“, alles Mögliche, und sei es Plastik, würden die Leute in ihren Jurten und Wohnungen verbrennen - so lauteten die Befürchtungen, und entsprechend werden dann die Gerüche wahrgenommen. Aus dem Dunkel des Flughafens vorbei an unbeleuchteten Jurten, und beinahe nur die Leuchtreklame einer deutschen Autoniederlassung machte Licht: Willkommen, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Schön auch: Rauchen im Hotel erlaubt.

          Um kurz nach sieben Uhr beginnt am zentralen Platz der Stadt das Warten, weil die mongolischen Sicherheitsbehörden einen enormen Sicherheitsaufwand betreiben. Voran: Jeans und Sportschuhe in Regierungsgebäuden verboten. Eine junge Frau, Mongolin, die fürs deutsche Radio arbeitet, hat die Hose zu wechseln. „Das Regierungshaus ist ein großer Gebäudekomplex, der das Parlament und die Amtssitze von Staatspräsident und Ministerpräsident beherbergt und an der nördlichen Seite des Sukhbattar-Platzes liegt“: So haben es die Fachleute des Auswärtigen Amtes für die Bundeskanzlerin und die Mitreisenden aufgeschrieben.

          Sukhbattar ist der Revolutionär aus dem frühen 20. Jahrhundert. Denkmal. Hoch zu Pferde weist er den Weg. Ihm gegenüber - buddha-ähnlich gestaltet, zwischen den Säulen des Palastes - Dschingis Khan. Abbruchhäuser und moderne Architektur um den Platz. Menschenleer ist er. Abgesperrt. Ringsum die Berge sind schneebedeckt. Kalt ist der Wind. „Das 1947 errichtete Gebäude ist in seiner monumentalen Ausführung ein typisches Beispiel der Architektur und des Zeitgeistes der Stalin-Epoche.“ Zuckerbäckerstil ist das auch genannt worden, und wie es so sein kann, hält im Lauf der Jahrzehnte die Negativbewertung einer neuen Anschauung nicht stand: ganz schön eigentlich.

          Aus jener Zeit stammt das Gebäude, als sich die Mongolei zu einer der vielen asiatischen Sowjetrepubliken zu entwickeln schien. „Die dem Platz zugewandte auffällige Säulenfront des Gebäudes wurde nachträglich angebaut und beherbergt seit 2006 das monumentale Denkmal Dschingis Khans.“ Noch sind Straßen und Plätze leer, weil, erzählen die Ortskundigen, die Mongolen erst gegen neun Uhr in die Büros zu gehen pflegen.

          Merkel wird mit Blumen am Flughafen von Ulan Bator verabschiedet

          Es kommt das Wachregiment. Kämpfer der Wüste. Es kommen die Steppenponys. Es kommt die Musik. Und die Jeans-Frau ist auch wieder da. 8.57 Uhr: Musik. Im Toyota Land Cruiser fährt Frau Merkel vor. Blumen vom Blumenkind. Handschlag vom Ministerpräsidenten. Sehr getragen und sehr langsam wird die deutsche Hymne gespielt. Abschreiten der Formation, und die Bundeskanzlerin ruft ihnen auf mongolisch etwas zu, was „Hallo“ heißen soll, von der Länge her aber mehr nach „Guten Morgen, Soldaten“ klingt. Die Truppe ruft zurück. „Grüße an die Exzellenz“ lautet ein Übersetzungsangebot.

          Um Kohle geht es vor allem

          Wahrscheinlich, weil es so gut in die Landschaft passt, hat sich Frau Merkel ein Zitat ihres Gesprächpartners gemerkt. Die Mongolei gleiche einem „kleinen friedlichen Pony zwischen zwei Elefanten“, hat Tsakhia Elbegdorj, der Präsident der Mongolei, die Lage seines Landes beschrieben - eingepfercht zwischen Russland und China. Und von der Bewertung eines mongolischen Ministers ist die Rede, sein Land suche neben China und Russland einen dritten Partner. Ihr eigener Besuch soll aus Sicht von Frau Merkel dazu beitragen, den mongolischen Wunsch, weitere Handelspartner zu finden, mit deutschen Rohstoff-Interessen zu vereinbaren. 85 Prozent der mongolischen Exporte gehen nach China. Das Handelsvolumen mit Deutschland aber bewegt sich im unteren dreistelligen Millionenbereich.

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