https://www.faz.net/-gpc-9e4d8

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Emotionales Publikum : Wenn Puppen sterben

  • -Aktualisiert am

Doppelrolle: Michael Pietsch (hinten) ist Schauspieler und Puppenmacher. Bild: Andreas Etter

Schauspieler Michael Pietsch zeigt, dass Jungs eben doch mit Puppen spielen. Sie sind wichtig für seine Arbeit und mehr als eine Requisite. Auf der Bühne erwachen sie zum Leben.

          4 Min.

          Tapsig springt der Drache hin und her, von links nach rechts, dann wieder von rechts nach links. Er schwingt an seinen Fäden nach vorne, und als er für einen kurzen Augenblick in der Luft steht, speit er einen Feuerball aus dem geöffneten Maul. Anerkennendes Raunen im Zuschauerraum, vereinzelt Szenenapplaus. Hebbels Nibelungen werden an diesem Abend im Mainzer Staatstheater gezeigt, zusammen mit den Schauspielern stehen fünf Marionetten und Puppen auf der Bühne. Gemacht hat sie Michael Pietsch. Er spielt auch mit, hält wie immer, wenn seine Marionetten zum Einsatz kommen, die Fäden in der Hand.

          Einige Stunden vorher sitzt Pietsch in seiner Werkstatt im Bauch des Großen Hauses des Theaters. An den Wänden hängen fertige Marionetten und halbfertige Puppenköpfe, auf zwei Tischen verteilen sich seine Werkzeuge. An der Seite der Werkbank hängen rund ein Dutzend gnomartige Wesen aus Pappmaché – die Hunnenhorde aus den Nibelungen. Auch sie wird am Abend zum Einsatz kommen. Pietsch, 34, lange Haare, große Hornbrille, markantes Kinn, antwortet aus-schweifend. Ist er erst mal ins Erzählen geraten, kommt es schon mal vor, dass er den Faden verliert.

          Seine Puppen, das wird schnell deutlich, sind für ihn nicht bloß Requisite. Er nennt sie beim Namen, wenn er über sie spricht: „Da hinten hängt Fleance“, sagt er etwa über eine Puppe, die er für Macbeth gemacht hat. Auch Fleance wird früher oder später in der Werkstatt im Haus seiner Eltern landen, wie alle Puppen, die Pietsch macht. Er wolle nicht, dass sie im Fundus irgendeines Theaters verstauben.

          Mehr als ein Hobby

          Rund 250 Puppen und Marionetten, schätzt Pietsch, hat er in seinem Leben gebaut. Die kleinste von ihnen ist keine zwei Zentimeter groß, die größte misst über sechs Meter. Schnell kommt es vor, dass Pietsch 150 Stunden oder mehr an einer Puppe sitzt, schließlich kann es sein, dass sie aus bis zu 70 Einzelteilen besteht. Mit einem Hobby nach Feierabend habe das dann nicht mehr viel zu tun, sagt Pietsch. „Das ist dann schon ein Kampf mit der Materie, die sich eben manchmal auch wehrt.“

          Schon als kleiner Junge bastelte Pietsch Puppen, anfangs aus Pappmaché und Styropor, mit zehn Jahren fing er an zu schnitzen. Schnitt er sich in den Finger, schmirgelte er so lange an dem Holz herum, bis keine Blutflecken mehr darauf zu sehen waren. Schließlich sollten seine Eltern ihm nicht das Schnitzen mit den scharfen Messern verbieten.

          Was Pietsch an Puppen besonders fasziniert, ist das Wechselspiel zwischen der Arbeit des Spielers und der Wirkung beim Zuschauer. Wichtig ist ihm dabei, dass das Publikum ihn sieht. „Ich will nicht in einem schwarzen Kostüm und hinter einer Fechtmaske verschwinden müssen“, sagt Pietsch.

          Leblose Ansammlung von Holzstücken

          Aber wieso setzt er überhaupt Puppen ein? „Als Schauspieler muss man eine Stunde schwitzen, damit die Leute mitgehen – eine Puppe tapst einmal über die Bühne, und die Leute sind dabei“, sagt Pietsch. Auch wenn die Emotionen, die der Zuschauer einer Puppe zuschreibt, reine Projektion sind, so sind diese Emotionen doch sehr stark – vielleicht gerade, weil sie ihren Ursprung im Beobachter haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          737-Max-Flugzeuge von Boeing stehen auf einem Gelände des Unternehmens in Seattle.

          Krise um 737 Max : Immer mehr schlechte Nachrichten für Boeing

          Es steht nicht gut, um den Flugzeugbauer Boeing: Der politische Druck rund um die Ermittlungen zu den beiden Abstürzen der 737-Max-Maschinen wird immer größer – und nun verliert das Unternehmen auch an der Börse immer mehr an Wert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.