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Medizin-Nobelpreis 2011 : Auszeichung für drei Immunologen

  • Aktualisiert am

Bruce Beutler (l), Jules Hoffmann und Ralph Steinman Bild: AP, AFP

Der Nobelpreis für Medizin ging 2011 an Jules Hoffmann, Ralph Steinman und Bruce Beutler. Steinman verstarb kurz vor der Bekanntgabe.

          Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an den Amerikaner Bruce Beutler, Jules Hoffmann (geboren in Luxemburg) und Ralph Steinman (Kanada).

          Nach Angaben der Rockefeller Universität vom frühen Nachmittag ist Ralph Steinman am vergangenen Freitag im Alter von 68 Jahren gestorben. Bei ihm sei vor vier Jahren Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden.

          Nach den bisherigen Bestimmungen der Nobelstiftung dürfen Nobelpreise nicht an bereits tote Personen vergeben werden. Bei der Bekanntgabe des Preises am Montagmorgen wussten die Juroren nicht, dass der Forscher aus Kanada bereits gestorben war. Die schwedischen Nobel-Juroren prüfen nun den Sachverhalt. Eine Sprecherin des Karolinska-Instituts sagte am Montagnachmittag, man werde dazu „eine Stellungnahme veröffentlichen“. Sie wollte auf weitere Fragen nicht antworten. Ein Mitglied des Nobelpreiskomitees, Goran Hansson, sagte, das Komitee habe nicht gewusst, dass Steinman tot sei, als sie ihn als einen der Preisträger auswählten.

          Die Wissenschaftler haben Schlüsselprinzipien des Immunsystems aufgeklärt. Das sei wichtig, um Therapien gegen Infektionskrankheiten wie Aids sowie gegen Krebs und Entzündungen zu entwickeln, teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

          Die drei Preisträger haben entschlüsselt, wie sich der Körper gegen Eindringlinge von außen, wie etwa Bakterien oder Viren, wehrt.

          Beutler und Hoffmann entdeckten in den 1990er Jahren Rezeptorproteine, die Bakterien und andere Mikroorganismen bei ihrem Eintritt in den Körper erkennen und die erste Verteidigungslinie des Immunsystems aktivieren können. In einer weiteren Phase der Immunabwehr kommt die von Steinman 1973 entdeckte dendritische Zelle zum Einsatz. Sie hilft dabei, das Ausscheiden eingedrungener Mikroorganismen aus dem Körper zu aktivieren und zu regulieren.

          Zwei Verteidigungslinien der Immunabwehr

          Durch die Forschungen der drei Wissenschaftler sei das Rätsel gelüftet worden, wie die beiden Phasen der menschlichen Immunabwehr - die angeborene und die spezifische Immunabwehr - aktiviert werden und miteinander kommunizieren, hieß es in der Begründung des Nobelpreiskomitees weiter.

          Die erste Verteidigungslinie kann eindringende Mikroorganismen zerstören und Entzündungen auslösen, die die Abwehr der Viren unterstützen. Teile der Mikroorganismen binden sich dabei an sogenannte Toll-ähnliche Rezeptoren (TLR), die in vielen Zellen im menschlichen Körper vorkommen. Das aktiviert - wie von Beutler und Hoffmann entdeckt - die angeborene Immunabwehr und führt zu der Abwehrreaktion des Immunsystems.

          Wenn Mikroorganismen diese Verteidigungslinie dennoch durchbrechen, wird die erworbene Immunität eingesetzt. Mit ihren T- und B-Zellen (Lymphozyten) produziert sie Antikörper und Killerzellen, die infizierte Zellen zerstören. Die T-Lymphozyten werden von Steinmans dendritischer Zelle aktiviert.

          Der 53-jährige Beutler ist Professor für Genetik und Immunologie am Scripps-Forschungsinstitut in Kalifornien. Hoffmann, 70, war bis 2009 Leiter eines Forschungslabors in Straßburg. Hoffmanns Entdeckung erfolgte im Jahr 1996, als er Infektionen bei Fruchtfliegen untersuchte. Zwei Jahre später zeigten Beutlers Forschungen an Mäusen, das auch Säugetiere ihre Immunabwehr ähnlich aktivieren. Steinman, 68, ist seit 1970 für die Rockefeller-Universität in New York tätig und leitet deren Zentrum für Immunologie und Immunkrankheiten.

          Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Beutler und Hoffmann erhalten zusammen die Hälfte des Preisgelds, die andere Hälfte erhält Steinman.

          Im vergangenen Jahr war der Brite Robert Edwards mit dem Preis ausgezeichnet worden. Er hatte ihn für die Entwicklung der künstlichen Befruchtung erhalten.

          Die Bekanntgabe der Nobelpreisträger in der Kategorie Medizin bildet den Auftakt bei der Bekanntgabe der diesjährigen Auszeichnungen. Am Dienstag folgt der Nobelpreis für Physik und am Mittwoch für Chemie. Am Donnerstag wird der Literaturnobelpreisträger bekanntgegeben; der mit besonderer Spannung erwartete Träger des Friedensnobelpreises wird am Freitag in Oslo verkündet. Am Montag kommender Woche wird schließlich der Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften bekannt gegeben.

          Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

          Die Nobelpreise für Medizin seit 1970

          1970: Bernard Katz, Großbritannien, Ulf von Euler, Schweden, und Julius Axelrod, USA
          1971: Earl Sutherland Jr., USA
          1972: Gerald Edelman, USA, und Rodney Porter, Großbritannien
          1973: Karl Ritter von Frisch und Konrad Lorenz, Österreich, sowie Nikolaas Tinbergen, Niederlande
          1974: Albert Claude und George Emil Palade, USA, sowie Christian Rene, Belgien
          1975: David Baltimore, Renato Dulbecco und Howard Temin, USA
          1976: Baruch Blumberg, USA
          1977: Rosalyn Sussman Yalow, Andrew Vincent Schally und Robert Guillemin, USA
          1978: Daniel Nathans und Hamilton Smith, USA, sowie Werner Arber, Schweiz
          1979: Alan Cormack, USA, und Godfrey Newbold Hounsfield, Großbritannien
          1980: George Snell und Baruj Benacerraf, USA, sowie Jean Dausset, Frankreich
          1981: David Hubel, Torsten Wiesel und Roger Sperry, USA
          1982: John Vane, Großbritannien, sowie Sune Bergström und Bengt Samuelsson, Schweden
          1983: Barbara McClintock, USA
          1984: Niels Kaj Jerne und Georges Koehler, Schweiz, sowie Cesar Milstein, Argentinien
          1985: Michael Brown und Joseph Goldstein, USA
          1986: Stanley Cohen, USA, und Rita Levi-Montalcini, Italien
          1987: Susumu Tonegawa, Japan
          1988: Sir James Black, Großbritannien, sowie Gertrude Elion und George Hitchings, USA
          1989: Michael Bishop and Harold Varmus, USA
          1990: Joseph Murray and Donnall Thomas, USA
          1991: Erwin Neher und Bert Sakmann, Deutschland
          1992: Edwin Krebs, USA, und Edmond Fischer, USA und Schweiz
          1993: Richard Roberts, Großbritannien, und Phillip Sharp, USA
          1994: Alfred Gilman und Martin Rodbell, USA
          1995: Edward Lewis und Eric Wieschaus, USA, sowie Christiane Nüsslein-Volhard, Deutschland
          1996: Peter Doherty, Australien, und Rolf Zinkernagel, Schweiz
          1997: Stanley Prusiner, USA
          1998: Robert Furchgott, Louis Ignarro und Ferid Murad, USA
          1999: Günter Blobel, USA
          2000: Arvid Carlsson, Schweden, Paul Greengard und Eric Kandel,beide USA
          2001: Leland Hartwell, USA, Timothy Hunt und Paul Nurse, beide Großbritannien
          2002: Robert Horvitz, USA, Sydney Brenner und John Sulston, beide Großbritannien
          2003: Paul Lauterbur, USA, Sir Peter Mansfield, Großbritannien
          2004: Richard Axel, Linda Buck, beide USA
          2005: Barry Marshall und Robin Warren, Australien
          2006: Andrew Fire und Craig Mello, USA
          2007: Mario Capecchi und Oliver Smithies, beide USA, sowie Martin Evans, Großbritannien
          2008: Harald zur Hausen, Deutschland, Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier, beide Frankreich
          2009: Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak, alle USA
          2010: Robert Edwards, Großbritannien
          2011: Bruce Beutler, USA, Jules Hoffmann, Frankreich, und Ralph Steinman, Kanada

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