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Mediatorin schult Unternehmer : Geschäftsmodelle aus Legosteinen

  • -Aktualisiert am

Selbstbildnis: Im Kurs wird die Persönlichkeit symbolisch nachgebaut. Bild: Michael Kretzer

Die selbstständige Trainerin Agnès Wiegand nutzt auf den ersten Blick unübliche Methoden, um ihre Teilnehmer zu schulen. Anhand von Kinderspielzeug sollen Manager und Unternehmer ihr Firmenprofil verfeinern.

          Die drei Frauen schauen skeptisch, als ihnen Agnès Wiegand die Kisten voll mit Legosteinen und Figuren zeigt. „Ich kann mir das nicht so richtig vorstellen“, sagt Felicitas Nagel. Mit dem Kinderspielzeug soll es gelingen, sein unternehmerisches Profil zu schärfen, die eigene Geschäftsidee zu verfeinern? „Wir haben so viel in unserem Unterbewusstsein“, erwidert Seminarleiterin Wiegand. Mit der Methode „Lego-Serious-Play“ könne man dieses zum Vorschein bringen. „Baut einfach los.“

          Also fügen die Teilnehmerinnen aus den bunten Steinen zusammen, was sie als Person einzigartig macht. Fünf Minuten haben sie dafür, danach erklärt jede ihr Modell. „So entsteht eine gewisse Distanz“, sagt Wiegand. Niemand müsse direkt über sich reden, sondern könne das Modell sprechen lassen. Claudia Traub hat für ihres fast nur Figuren benutzt. Auf einer grünen Platte sitzen nun ein Mädchen und eine Katze in einem Boot. Das Mädchen steht für die Sechsundfünfzigjährige, die Katze für Sensibilität. Das Boot zeige ihre Liebe zum Wasser, der Tiger daneben ihren Kampfgeist, erläutert Traub. Aber da ist auch noch ein Krokodil, Traubs Symbol für die Angst. Sie will damit zeigen: „Ich stelle mich meiner Angst und der Angst anderer.“ Die Frankfurterin ist selbständig als MET-Coach, MET steht für Meridian-Energietechniken. Traub bietet ihren Kunden an, durch sanftes Beklopfen ausgewählter Akupunkturpunkte und durch Gespräche energetische Blockaden zu lösen.

          „Ich war sofort begeistert“

          Agnès Wiegand war nicht immer selbständige Trainerin. Nach einem Burnout im Jahr 2016 sattelte sie beruflich noch einmal um, machte eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie eine Fortbildung zur Mediatorin. In einem Seminar stieß sie auf die Lego-Methode. „Ich war sofort begeistert“, so Wiegand. Also hängte sie eine viertägige Ausbildung in der Lego-Serious-Play-Akademie in Frankfurt an und nutzt die Methode seitdem in ihren Kursen.

          Kinderspielzeug als Hilfsmittel: Agnès Wiegand arbeitet in ihren Workshops mit Lego-Bausteinen.

          Vor der Selbständigkeit hatte Wiegand zwanzig Jahre lange in der Duftmarktforschung gearbeitet. 2017 gründete sie dann ihre Firma „Multisensing+“ in Hofheim mit Workshop-Räumen in Niedernhausen. Seitdem berät sie Marktforschungsinstitute und Unternehmen als „Sensory Branding Consultant“, wie sie ihre Produkte für alle Sinne der Kunden ansprechend präsentieren. Zudem bietet sie verschiedene Workshops an. Nicht nur Unternehmerinnen lässt Wiegand mit Legosteinen bauen, sondern auch die Mitarbeiter verschiedener Organisationen und Firmen. Besonders von Männern werde der Einsatz von Lego anfangs belächelt. Am Ende seien sie jedoch überzeugt von der Baustein-Methode, sagt sie.

          Scheu schnell abgelegt

          Die drei Teilnehmerinnen des heutigen Kurses haben ihre Scheu bald abgelegt. Sie bauen ihren „Unique Selling Point“, also das Alleinstellungsmerkmal ihrer Firma, aus Bausteinen beziehungsweise Figuren zusammen. Bei Felicitas Nagel ist dies ein Zauberer, weil sie Menschen den Zauber der Musik nahebringen möchte. Die frühere Projektmanagerin aus der Finanzbranche plant, sich als „Piano-Coach“ selbständig zu machen und ihren Klavierschülern beizubringen, Melodien zu spüren und am Klavier zum Klingen zu bringen. Sie ist begeistert von der Lego-Methode und hat sich bereits für einen weiteren Workshop angemeldet.

          Wiegands Lego-Lehrer war Mathias Haas, Inhaber der Play-Serious-Akademie. Ungefähr 130 Personen pro Jahr bilden er und seine Kollegen zu Trainern aus. 1860 Euro kostet die zweitägige Ausbildung. Haas wiederum hat eine fünftägige Ausbildung bei Lego selbst gemacht. Der dänische Konzern entwickelte gemeinsam mit zwei Professoren 1996 die Methode. Anfangs durften nur lizensierte Trainer damit arbeiten, inzwischen ist die Methode zur Nutzung freigegeben.

          Unter Haas’ Kunden sind Steuerprüfer, Wohnungsbaugesellschaften, die Allianz und die UBS. „Für BMW haben wir eine komplette Gruppe, neun Personen, zu Trainern ausgebildet“, sagt Haas. „Und wir haben mit der Methode schon ganze Geschäftsmodelle gebaut.“ Die Nachfrage nach Lego-Workshops sei zuletzt stark gestiegen.

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