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Umgerüstet : Wie aus dem Oldtimer ein E-Auto wird

Ruhe im Saab 99: Heute lässt Marco Lorey den E-Motor summen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Elektromobilität ist keine Frage des Alters. Die Maschinenbaufirma Lorey rüstet Old- und Youngtimer zu E-Autos um. Der hessische Familienbetrieb hat sogar Kunden in Afrika.

          3 Min.

          Egal ob Ente, Käfer, Jaguar-Oldtimer oder Renault Kangoo aus den Neunzigern, wenn die Autos den Betrieb von Marco und Rainer Lorey in Offenbach wieder verlassen, spielen für deren Besitzer drohende Fahrverbote in Innenstädten keine Rolle mehr. Der Grund: Sohn Marco hat den 1927 gegründeten Maschinenbaubetrieb der Familie an der Sprendlinger Landstraße vor gut zehn Jahren um ein entscheidendes Angebot erweitert: Er rüstet Autos, in denen ursprünglich ein Benzin oder ein Dieselmotor für den Vortrieb sorgten, auf reinen Elektroantrieb um. Und zwar so, dass sie alltagstauglich sind, wie er versichert.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Loreys Kunden kommen aus halb Europa von Spanien bis Dänemark und natürlich auch aus Deutschland. Hier ist allerdings das Interesse an der Umrüstung im süddeutschen Raum Lorey zufolge längst sehr viel ausgeprägter als beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet. Eigentlich sonderbar für eine „Modellregion Elektromobilität“, wie sich die Rhein-Main-Region nennt. Der Ruf der E-Mobilität made in Offenbach ist ungeachtet dessen sogar schon bis nach Südafrika gedrungen, wo inzwischen ein Fahrzeug mit der E-Technik aus dem Hause Lorey Besucher in einem Naturpark fast lautlos an die Wildtiere heran chauffiert, wie Lorey berichtet. Natürlich rüstet er längst nicht nur Land Rover und andere auch hierzulande genutzten Geländefahrzeuge mit reinem Elektroantrieb aus, sondern alle möglichen Autos vom Kleinwagen wie Fiat 500, Opel Agila und Mini bis zu Saab- und Mercedes-Limousinen. Auf den Umgang mit Oldtimern verstehen sich die Loreys ohnehin, weil sie auch Bauteile fertigen, die im Original nicht mehr zu bekommen sind.

          Mit dem Oldtimer zum Kunden

          Auch Transporter wie den VW-Bus und den Transit von Ford baut Lorey zu Elektromobilen um – und zwar keineswegs nur für Privatleute. So hat er beispielsweise gerade einen betagten Transit in Arbeit, den ein gewerbetreibender Kunde als Lieferwagen nutzen will. Das dürfte für den Lorey-Kunden in zweierlei Hinsicht vorteilhaft sein: Erstens fährt er mit einem inzwischen auch als Oldtimer beliebten Arbeitsgerät beim Kunden vor, was eine werbewirksame Aufmerksamkeit sicherstellen dürfte. Und zweitens kann ihn so kein Fahrverbot davon abhalten, seinen Geschäften nachzugehen. Eine zugesicherte Reichweite von rund 150 Kilometern bei entsprechendem Akkusatz dürften für den örtlichen Lieferverkehr in der Regel auch ausreichen.

          Besuch bei der Firma Lorey Maschinenbau: In der Werkstatt herrscht reger Betrieb. Bilderstrecke

          Wer allerdings angesichts der drohenden Fahrverbote nun euphorisch in Erwägung zieht, seinen wenige Jahre alten Euro-5-Diesel gar nicht erst mit einem Katalysator und Adblue-Technik nachzubessern, sondern gleich auf Elektroantrieb umzurüsten, den bremst Lorey: Theoretisch, so sagt der Enddreißiger, sei jedes Auto umzurüsten. Aber je komplexer die Bordelektronik sei, desto schwieriger werde es, das Fahrzeug auf reinen Elektroantrieb umzubauen. Das werde vor allem deshalb heikel, weil es darum gehe, alle Informationen aus einem komplexen digitalen System zu bekommen, um anschließend auch in dem umgebauten Auto weiterhin alle Komponenten anzusteuern. Dafür sei dann eher ein Hacker nötig, sagt Lorey. Theoretisch sei zwar auch das zu machen, aber unter dem Strich finanziell kaum mehr kalkulierbar.

          Ruhig einen Motorschaden haben

          Womöglich ist an Elektromobilität interessierten Autofahrern dann vielleicht eher anzuraten, sich eine elegante alte Jaguar-XJ-Limousine zu besorgen, wie die, die Lorey ebenfalls gerade für einen Kunden umbaut. Das Auto dürfte ruhig einen Motorschaden haben und wäre dann womöglich richtig günstig zu erwerben. Die Umrüstung auf eine dem Äußeren angemessene Leistung, die bei dem konkreten Projekt etwa 180 PS entspricht, liegt allerdings mit allem Drum und Dran schon jenseits der 20.000 Euro. Dazu muss man wissen, dass allein ein entsprechend leistungsstarker Akkusatz mit rund 12.000 Euro zu Buch schlagen würde.

          Elektrisch Auto zu fahren geht aber auch schon sehr viel günstiger: Lorey bietet beispielsweise für Kleinwagen bis 900 Kilogramm Leergewicht einen kompletten Umbau für rund 12.000 Euro an. Dabei muss der Eigentümer allerdings auch ein wenig selbst Hand anlegen. Fix und fertig geht natürlich auch, verteuert sich aber naturgemäß vor allem wegen der Lohnkosten. Obwohl Lorey in aller Regel ältere Autos umrüstet, verfügen die Wagen danach über moderne technische Ausstattung, beispielsweise über eine Energierückspeisung beim Bremsen.

          Und noch ein Vorteil gegenüber den Angeboten der Autoindustrie beansprucht der Offenbacher Maschinenbauer für sich: Er greift bei den Akkumulatoren auf die Lithium-Eisenphosphat-Technik zurück, nicht auf die Lithium-Polymer-Akkus, wie sie Autokonzerne bevorzugen. Bei den von ihm verwendeten Akkus ist Lorey zufolge keine Brandgefahr gegeben, ganz im Gegensatz zu der Lithium-Polymer-Technik, die einer spezielle Kühlung und im Winter einer Heizung bedürfe, um einer Überhitzung oder einem Leistungsverlust bei niedrigen Temperaturen vorzubeugen. Spektakuläre Brände haben schon gezeigt, dass auch das nicht immer ausreicht. Das alles benötigten die Batteriesätze, die er montiere, nicht, sagt Lorey.

          Die Akkumulatoren, die er verbaut, stammen allesamt aus Asien. Gerade die Chinesen hätten frühzeitig auch deutsche Patente erworben und seien inzwischen führend in der Technologie. Die Elektromotoren kommen immerhin noch aus deutscher Produktion.

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