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FAZ.NET-Sprinter : Mandarinen statt Schweinekadaver

  • Aktualisiert am

Unser Sprinter-Autor: Martin Benninghoff Bild: Robert Wenkemann

Während Angela Merkel in ihren letzten politischen Zügen für mehr Frauen in Spitzenpositionen eintritt, könnte es im Atomstreit zwischen Amerika und Nordkorea einen gefährlichen Rückschlag geben. Was sonst noch wichtig ist, lesen Sie im FAZ.NET-Sprinter.

          Ist der Abgang besiegelt, beginnt die Sorge um den Eintrag ins Geschichtsbuch. Angela Merkel fordert höhere Anteile von Frauen in Spitzenpositionen – und hat offenbar dabei ihre Vorbildrolle als erste Frau im Kanzleramt im Blick: „Niemand lacht ein Mädchen heute mehr aus, wenn es sagt, dass es Ministerin oder Kanzlerin werden will.“ Dabei fallen einem ja bei der Kanzlerin weitere Themen ein, die untrennbar und in alle Ewigkeit mit ihr verbunden bleiben: die Herausforderungen der Flüchtlingskrise, der Atomausstieg, die Mühen, Europa zusammenzuhalten. Zu Letzterem kann sie heute noch Wegweisendes hinzufügen: Am Nachmittag spricht sie im EU-Parlament über die Zukunft des zerstrittenen Kontinents. Ob Horst Seehofer noch eines Tages einen galanten Abtritt als Innenminister hinbekommt, wird sich zeigen. Schon jetzt beginnt der Historikerstreit, ob er als großer CSU-Parteichef in die Geschichte eingehen wird, kommentiert F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler.

          Ob Nordkoreas Diktator Kim Jong-un ein großer Vorsitzender wird, ist wieder fast so fraglich wie vor zwei Jahren. Im Atomstreit mit Amerika, der sich seit Wochen trotz freundlicher Gesten (Südkorea wirft den Norden in Schale und liefert tatsächlich Tonnen Mandarinen als Geschenk; Vitaminbomben statt Bomben!) nicht in die gewünschte Richtung entwickelt, könnte es einen weiteren Rückschlag geben. Die Analysten des „Center for Strategic and International Studies“, eines seriösen und meist beim Thema kundigen Thinktanks in Washington, wollen auf Satellitenbildern geheime Raketenanlagen erspäht haben, die nicht deklariert seien. Berichtet hatte das zuerst die „New York Times“. Mal schauen, ob Kim dafür eine Erklärung hat. Oder Donald Trump, der die atomare Gefahr durch Nordkorea ja schon vor Monaten für beendet erklärt hatte.

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          Mandarinen haben sie nicht bekommen, dafür aber Schweinekadaver. Am Mittag findet in Erfurt die Grundsteinlegung der neuen Moschee im Beisein von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) statt. Das ist insofern erwähnenswert, da das geplante Gotteshaus der an sich kleinen muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde monatelang überregional für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die Gegenstimmen waren lautstark: Die Björn-Höcke-AfD hatte mobil gemacht, Protestler hatten Holzspieße mit Schweinekadavern aufgestellt – eine neue Dimension antimuslimischer Stimmungsmache. Dabei sind die Ahmadiyya längst keine Neuheit mehr in Deutschland. Sie gründeten vor mehr als 90 Jahren die älteste noch bestehende Moschee des Landes, und zwar im Berliner Stadtteil Wilmersdorf. Bei der Gelegenheit sei auf den Gastbeitrag von Michael Wolffsohn im Feuilleton der F.A.Z. verwiesen: „So wird das nichts mit dem Wir-Gefühl.“

          Und sonst? Läuft die Frist für die von der EU geforderte Überarbeitung des italienischen Haushaltsplans ab. Findet die erste Sitzung des neuen Kabinetts von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) statt. Bekommt der ehemalige Kanzleramtschef Rudolf Seiters (CDU) das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Startet der Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán mit den Eröffnungsplädoyers.

          Die Nacht in Kürze:

          Die EU zahlt Milliardensummen an die Türkei, um dorthin geflüchteten Syrern ein erträgliches Leben zu ermöglichen. Doch kommt das Geld überhaupt an? Der Europäische Rechnungshof benennt gravierende Missstände.

          Die Internationale Energiebehörde legt ihren Bericht zum zukünftigen Energieverbrauch vor. Er zeigt, wie sich die Entwicklungen in Indien und China vor allem auf Preise, Versorgungssicherheit und Umwelt auswirken.

          Seit Tagen steht Kalifornien in Flammen. Nur langsam kommen die Feuerwehrleute gegen die Großbrände an. Es gibt immer mehr Tote, Tausende Häuser sind zerstört.

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