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Machtkampf im Jemen : Teherans Triumph

  • -Aktualisiert am

Houthi-Kämpfer in der Nähe des Präsidentenpalasts in der jemenitischen Hauptstadt Bild: Reuters

Der Vormarsch der von Iran unterstützten Houthi-Rebellen schürt Einkreisungsängste der Sunniten. Saudi-Arabien droht bereits mit einem Einmarsch in den Jemen.

          Jemens international anerkannter Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi ist am Mittwoch aus seinem provisorischen Hauptquartier in Aden geflohen. Das berichteten örtliche Medien unter Berufung auf Mitarbeiter Hadis. Der entmachtetete Präsident war im Februar bereits aus der Hauptstadt Sanaa in die im Süden des Landes gelegene Hafenstadt geflohen.

          Kurz zuvor war es den von Abd al Malik al Houthi geführten Rebellen gelungen, den Luftwaffenstützpunkt Anad unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Basis liegt sechzig Kilometer nördlich von Aden auf der strategisch bedeutenden Verbindungsstraße nach Sanaa. Aus Anad hatten die Vereinigten Staaten am vergangenen Wochenende ihre letzten noch im Land verbliebenen Spezialeinheiten abgezogen.

          Mit der abermaligen Flucht Hadis kommen die Houthi-Rebellen ihrem Ziel einen entscheidenden Schritt näher, nach der Hauptstadt Sanaa auch in die zweitgrößte Stadt des Landes einzumarschieren. Der von Saudi-Arabien und anderen sunnitischen Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) unterstützte Hadi hatte Aden am Wochenende zur neuen Hauptstadt des Jemen erklärt. Die Houthi-Rebellen riefen daraufhin ihre Anhänger auf, militärisch gegen Gefolgsleute und Stellungen der international weiterhin anerkannten Regierung Hadis vorzugehen. In mehreren Landesteilen toben seitdem Kämpfe.

          Nach Syrien und dem Irak ist der Jemen der dritte regionale Krisenherd, in dem sich eine lose Koalition aus sunnitischen Mitgliedstaaten der Arabischen Liga von Iran unterstützten lokalen schiitischen Kräften gegenüber steht. Zwar ist der Einfluss Teherans auf die Houthi-Rebellen geringer als beispielsweise jener auf die libanesische Hizbullah oder auf die Schiiten-Allianz Hashid Shaabi, die in den vergangenen Wochen erfolglos versucht hat, die irakische Provinzhauptstadt Tikrit zurückzuerobern. Doch die Wahrnehmung der sunnitischen Herrschaftshäuser in Riad und Abu Dhabi ist eindeutig: Einkreisungsängste bestimmen das Vorgehen der GCC-Führungsmächte. Sie fürchten, dass nach Bagdad, Beirut und Damaskus eine vierte arabische Hauptstadt unter den Einfluss Irans gerät.

          Die sunnitischen GCC-Staaten drohen bereits mit einer militärischen Intervention im Jemen. Am Dienstag hatte der saudische Außenminister Saud al Faisal in Riad gesagt, dass das Königshaus bereit sei, „alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Region vor den Auswirkungen der Krise zu bewahren“, falls „der Houthi-Putsch nicht friedlich beendet“ werde. Seit dem Sturz des früheren jemenitischen Machthabers Ali Abdullah Salih vor vier Jahren hat Riad erheblich an Einfluss im Jemen verloren. Die Strategie, einzelne Gruppen und Stämme gegeneinander auszuspielen, ging auch deshalb nicht mehr auf, weil sich Riad nach dem Beginn der arabischen Aufstände im Jahr 2011 anderen Konflikten in der Region zuwandte. Damit, dass es Iran gelingen würde, nach Irak und Bahrein ein weiteres Nachbarland Saudi-Arabiens zu dominieren, hatte die Führung um den im Januar verstorbenen König Abdullah damals nicht gerechnet.

          Außerdem versäumte es Riad, eine Rückkehr des früheren Präsidenten Salih in den Jemen zu verhindern. Salih verfügt im Jemen weiterhin über ein mächtiges Netzwerk im Sicherheitsapparat. Der einstige Machthaber gilt als entscheidender Bündnispartner der Houthis. Salih treue Offiziere wiesen die Forderung Hadis nach einer ausländischen Militärintervention am Mittwoch „auf das Äußerste“ zurück. Eine „äußere Einmischung unter welchem Vorwand und von welcher Seite auch immer“ sei nicht hinnehmbar, hieß es in einer Stellungnahme des „Hohen Komitees zum Schutz der Streitkräfte und der Sicherheit“. Offenbar ist es dem alten Militärapparat gelungen, weitere Mitglieder von Spezialeinheiten, die bislang loyal zu Hadi standen, auf seine Seite zu ziehen.

          Das erklärt den Aufstieg des Houthi-Anführers Abd al Malik al Houthi. Seiner Gruppe Ansar Allah, die Angehörige der schiitischen Zaiditen versammelt, ist es innerhalb von wenigen Monaten gelungen, die politische Machtbalance im Jemen vom Kopf auf die Füße zu stellen. Iran ist damit ein weiteres Einflussgebiet eröffnet worden, das bis vor wenigen Jahren noch von Saudi-Arabien dominiert worden war. Die Houthi-Rebellen haben es geschafft, genügend Stammesführer hinter sich zu scharen, die ihren Vormarsch unterstützten oder zumindest duldeten. So konnten die Houthis im vergangenen Herbst von ihrer im Norden des Landes gelegenen Hochburg Saada auf die Hauptstadt Sanaa vorrücken.

          Der Machtkampf zwischen den Houthis und dem verjagten Präsidenten Hadi hat ein Sicherheitsvakuum entstehen lassen, von dem auch Terrorgruppen profitieren. Dies betrifft vor allem Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap): Um den von amerikanischen Soldaten verlassenen Luftwaffenstützpunkt Anad lieferten sich auch Aqap-Einheiten Kämpfe mit den jemenitischen Regierungstruppen. Seit der vergangenen Woche kontrolliert Aqap zudem Viertel in Hawtas, der Hauptstadt der südjemenitischen Provinz Lahj. Nur noch neun von 21 Provinzen unterstehen heute der Kontrolle Hadis. Hadi genießt zwar weiter die Unterstützung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Seiner Forderung, einer Militärintervention „williger Staaten“ zuzustimmen, folgte das Gremium in New York am Dienstag allerdings nicht.

          Auf politischer Ebene stehen die Chancen für Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emiraten ebenfalls schlecht, den Einfluss Hadis wieder zu stärken. Nur wenige Wochen, nachdem die Länder ihre Botschaften aus Sanaa nach Aden verlegt hatten, mussten sie ihre Vertretungen in den vergangenen Tagen wieder schließen. Und auch wenn es dem GCC gelingen sollte, Geld und Waffen an Hadis Kräfte zu schicken, dürften diese kaum in der Lage sein, sich auf die Schnelle dem Vormarsch der Houthis und des alten, vom früheren Präsidenten Salih koordinierten Militärapparats entgegenzustemmen.

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