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„Le Monde“-Chefredakteur Erik Izraelewicz ist tot : Zeitung mit Biss

Mit ganzem Einsatz für „Le Monde“: der verstorbene Chefredakteur Erik Izraelewicz Bild: dapd

Der Mann, der „Le Monde“ in schwierigen Zeiten Selbstvertrauen einflößte, ist tot: Chefredakteur Erik Izraelewicz brach im Alter von 58 Jahren tot am Schreibtisch zusammen.

          Der tägliche Stress war vorbei, die Arbeit vollbracht. Die Redaktionskonferenz findet relativ früh am Morgen statt, dann wird geschrieben, redigiert, gegengelesen. Kaum war die gedruckte Zeitung, die nachmittags in die Pariser Kioske gelangt, ausgeliefert und das E-Paper aufgeschaltet, brach Chefredakteur Erik Izraelewicz in seinem Büro zusammen. Er wurde noch ins Spital gebracht, doch jede Hilfe kam zu spät. Am Dienstagabend musste Louis Dreyfus, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, der Redaktion den Tod des 58 Jahre alten Chefs verkünden. Dreyfus sprach von einem „traurigen Tag“ in der Geschichte der Zeitung.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Erik Izraelewicz stammte aus dem Elsass. Er hatte Wirtschaftswissenschaften und Journalismus studiert. Zunächst arbeitete er für das Magazin „L’Expansion“. 1985 war er bei der Gründung der Wirtschaftszeitung „La Tribune“ dabei. Danach ging er zu „Le Monde“, wo er fünfzehn Jahre lang tätig war: als Wirtschaftschef, Korrespondent in New York, Mitglied der Chefredaktion. Dann übernahm er die Redaktion der führenden Wirtschaftszeitung „Les Echos“, deren Verkauf an den Eigentümer des Luxuskonzern LVMH, Bernard Arnault, er missbilligte: er fürchtete um die Unabhängigkeit der Zeitung und kehrte zur „Tribune“ zurück.

          Er zerriss die Zeitung und kämpfte für sie

          Vor gut einem Jahr beriefen ihn Pierre Bergé, der Banker Matthieu Pigasse und der Telecom-Unternehmer Xavier Niel, die „Le Monde“ gekauft hatten, an die Spitze des Weltblatts. Erik Izraelewicz wurde nach turbulenten Jahren, in denen die Zeitung ihre finanzielle Unabhängigkeit und die Redaktion ihren Eigentumsanspruch verlor, zum zehnten Chef der im Nachkrieg gegründeten Zeitung. Er fand sehr schnell das Vertrauen der Redaktion, gegen deren Widerstand er kaum hätte ernannt werden können. Die Zeitung ist trotz rigoroser Sparmaßnahmen gut aufgestellt und blickt wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Izraelewicz hat mehrere Beilagen entwickelt und vor zwei Wochen aus Anlass neuer Veränderungen beim Layout ein optimistisches Bekenntnis zum Medium Zeitung abgelegt. Auch das Vertrauen der Leser wurde zurückgewonnen.

          Erik Izraelewicz kam von außen und war zugleich ein Mann aus dem eigenen Haus. Es wird nicht einfach sein, ihn zu ersetzen. Der Zeitung ist zu wünschen, dass die Nachfolgesuche nicht wie in früheren Zeiten zu Grabenkämpfen führt, die manchmal jahrelang dauerten.

          Nicht nur „Le Monde“, das Flaggschiff des französischen Zeitungsjournalismus, trägt Trauer. Politiker und Kollegen würdigen das Wirken von Erik Izraelewicz. Die lebendigsten Schilderungen seines Wesens finden sich auf der Homepage von „La Tribune“, die ihre gedruckte Ausgabe inzwischen einstellen musste. Der Chefredakteur berichtet von einer abenteuerlichen Taxifahrt in Schanghai, die sie beide nicht zu überstehen fürchteten - Izraelewicz hatte China regelmäßig bereist und zwei Bücher gewidmet. In seinen Mails sprach er alle mit „Hello“ an. Und während der Redaktionskonferenzen zerriss er die Zeitungsseiten in kleine Stücke, die er minutenlang kaute.

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