https://www.faz.net/-gpc-7hqu7

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Kunstrestitution : Wem gehört der Welfenschatz?

  • -Aktualisiert am

Sie zählen zu den bedeutendsten Goldschmiedearbeiten des Mittelalters: 1935 wurden sie von antisemitisch verfolgten Kunsthändlern an den preußischen Staat verkauft. Ihre Erben klagen auf Rückgabe. Nun meldet sich Israels Kulturministerin zu Wort.

          4 Min.

          Eigentlich hätte die für die Schlichtung strittiger NS–Raubkunstfälle gegründete Limbach-Kommission am Dienstag dieser Woche über ihren bislang größten und bedeutendsten Fall beraten sollen. In Berlin sollten unter anderem die Erben jener drei Frankfurter Kunsthändler angehört werden, die im Oktober 1929 den legendären „Welfenschatz“ vom Fürstenhaus Hannover erworben hatten: 82 Stücke aus dem mittelalterlichen Braunschweiger Domschatz, von denen sie in den folgenden Jahren vierzig an Sammler und Museen verkaufen konnten.

          Nach 1933 wurden Zacharias Max Hackenbroch, Isaac Rosenbaum, Saemy Rosenberg und Julius Falk Goldschmidt und Arthur Goldschmidt aber als Juden verfolgt und durch die NS-Rassepolitik wirtschaftlich ruiniert. Sie gerieten immer mehr unter Druck – einige von ihnen mussten bald aus Deutschland fliehen – und verkauften im Juni 1935 schließlich die noch verbliebenen 42 Stücke des „Welfenschatzes“ an den preußischen Staat, der sich durch die Dresdner Bank hatte vertreten lassen.

          Internationale Vereinbarungen

          Wie Akten aus dem Archiv der Bank belegen, waren NS-Größen wie der preußische Ministerpräsident Hermann Göring und sein Kultusminister Bernhard Rust persönlich involviert. Der Verkauf durch die Händler, die bis auf wenige Ausnahmen mit ihren gefährdeten Familien damals noch in Deutschland lebten, sei kein freiwilliger gewesen, argumentieren seit fünf Jahren deren Erben und fordern die wertvollen kunsthandwerklichen Gegenstände aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum zurück. Berufen können sie sich dabei auf die „Washingtoner Erklärung“ von 1998 und die „Berliner Erklärung“ von 1999, in denen sich die Träger öffentlicher Museen verpflichtet haben, ohne Ansehen von Verjährungsfristen unter NS-Druck erworbene Werke an die rechtmäßigen Eigentümer zu restituieren.

          „Für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz besteht nach den hier bekannten Erwerbsumständen unter keinem denkbaren Gesichtspunkt Anlass zu der Annahme, dass der Ankauf des ‚Welfenschatzes‘ 1935 als NS-verfolgungsbedingter Entzug zu bewerten sein könnte“, lautete 2008 die erste Reaktion der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), zu der das Berliner Kunstgewerbemuseum gehört. Man werde aber prüfen. Eine der Anspruchstellerinnen, Yvonne Hackenbroch, war damals bereits hoch betagt. Sie verstarb im vergangenen Jahr und erlebte das Ende der Prüfungen nicht mehr.

          Neue Dokumente

          So einfach wie damals allerdings lässt sich das Restitutionsbegehren heute nicht mehr vom Tisch fegen. Eine Reihe inzwischen vorgelegter Dokumente, vor allem die Ankaufsunterlagen der Dresdner Bank, sprechen dafür, dass sich seine Besitzer nur unter dem Druck ihrer zunehmenden Verfolgung vom „Welfenschatz“ trennten, keinen angemessenen Kaufpreis erhielten und über den erhaltenen Betrag auch nicht frei verfügen konnten.

          In einem Brief aus dem Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 31. Oktober 1934 heißt es über die Verhandlungen: „Da die Verkaufsaussichten der geschlossenen Sammlung jetzt ungünstig sind und eine zum Händlerkonsortium gehörende Firma sich in Zahlungsschwierigkeiten befindet, wäre die Zeit für einen Gesamtankauf durch den Staat zu einem bedeutend geringeren Preis außerordentlich günstig.“

          Die wirtschaftliche Notlage des jüdischen Händlerkonsortiums wurde also wissentlich ausgenutzt. Damit wären die maßgeblichen Bedingungen der „Washingtoner Erklärung“ und ihrer deutschen Bestätigung erfüllt, die zu einer Restitution der Sammlung führen müssten. Trotzdem verweigerte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bislang eine Rückgabe. Immerhin stimmte man aber schon vor mehr als einem Jahr der Anrufung der Limbach-Kommission zu.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das russische Raketenabwehrsystem S-400 wird in der Stadt Sebastopol aufgestellt.

          Rüstungstechnologie : Die Türkei träumt den Waffentraum

          Ankara will in der Rüstungstechnologie unabhängig werden – und schafft aus diesem Grund ein russisches Raketenabwehrsystem an. Koppelt sich der bisherige Verbündete von der Nato ab?

          100-Prozent-Quote : Die Dramaturgen der Klimawende

          Fakten, Fakten, Fakten: Mehr Klimawissen gab es nie, mehr Einigkeit auch nicht. Und doch zeigt Madrid: Die Lösung der Klimakrise bleibt für die meisten höhere Mathematik – mit einer Unbekannten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.