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Kunstmesse in Dubai : Der Maler ist ein Soldat

  • -Aktualisiert am

Die Kunstmesse Art Dubai ist das Zentrum des Ostens: Die Galerien kommen hier nicht mit ihrer Art-Basel-Kunst an. Gefragt ist die junge Kunst aus der Region.

          Hat Saudi-Arabien bei den Aufständen in Bahrein die Regierung des Landes unterstützt? Diese Frage und viele andere stellte eine deutsche Fernsehreporterin dem Künstler Abdulnassar Gharem vergangenes Jahr auf der Biennale in Venedig. Gharem ist Star der jungen Kunstszene am Golf, aber auch Lieutenant der saudi-arabischen Armee – eine eigenwillige Kombination. In Venedig wollte er nur über seine Kunst reden. In seiner aktuellen Ausstellung in der Ayyam Gallery in Dubai sieht man nun inmitten des bunten Ornaments ebenjene Fragen der Journalistin versteckt, kombiniert mit einem Panzer, aus dem eine Sonnenblume erblüht. Die Botschaft klingt platt? Mag sein, aber die mehr als tausend Besucher, die sich bei den Eröffnungen der Galerien drängelten, nahmen gerade diese Bildsprache an, in der Gewalt durch Schönheit entschärft wird, in der Kunst von Aufbruch erzählt und ein neues Selbstverständnis aufbaut. Gharem geht so weit, dass er mit seinen Bildern einen Beitrag zur Wiederherstellung des „wirklichen Islam“ und gegen religiösen „Extremismus“ leisten möchte.

          Es sind solche Werke und ihre Geschichten, die den Standort Dubai so spannend machen. Die Stadt am Golf hat sich zum Kunstzentrum der Region entwickelt, hier leben immer mehr Künstler, hier eröffnen immer mehr Galerien, und hier findet eine der wichtigsten Kunstmessen statt. Nirgendwo sonst konnte man sich in den vergangenen Jahren so umfassend über die Entwicklungen in der Kunst der arabischen Länder informieren und das atemberaubende Tempo der Veränderungen beobachten wie auf der Art Dubai. Als die Messe 2007 Premiere hatte, kamen die Galerien, das Publikum und die Kunst vorwiegend aus dem Westen. Als die Galerie Athr aus Jeddah 2008 erstmals teilnahm, interessierte sich nahezu niemand für Saudi-Arabien. Nur sechs Jahre später haben sich die Verhältnisse umgekehrt: Während Athr von Besuchern überrannt wird, kann die New Yorker Galerie Gladstone mit Ugo Rondinone, Alighiero Boetti und Shirin Neshat nur wenige anlocken. Ohne junge Kunst aus der Region geht in Dubai nicht viel, denn die Sammler aus Kuweit, Irak, Iran und Indien interessieren sich nicht für etablierte Art-Basel-Kunst. Werke von Ahmed Mater bei Athr, Hajra Waheed bei Experimenter aus Indien oder Alfred Tarazin aus dem Libanon bei Krinzinger aus Wien sind hingegen sofort verkauft.

          Mit dem zunehmenden kommerziellen Erfolg und der gestiegenen Nachfrage geht aber auch eine zunehmende Harmlosigkeit der Kunst einher. Nur wenige der 85 Galerien zeigen in Dubai kritische Kunst, viele Künstler arbeiten mit kulturell eindeutigen Bildelementen wie Arabesken und kalligraphischen Zeichen. Diese bisweilen redundante Selbstvergewisserung macht in der neu eingerichteten Sektion „Modern“ dann doch noch Überraschungen möglich: Elf Galerien zeigen Werke aus der Zeit von 1940 bis heute, darunter sind die Bilder von Zahoor ul Akhlaq (1941 bis 1999), der aus der Miniaturmalerei das Element der Gitter isolierte und diese in strengen Verschachtelungen als Antwort auf die westliche Zentralperspektive entwickelte. Im Westen unbekannt, beeinflusst sein Werk bis heute maßgeblich die zeitgenössische pakistanische Kunst (ArtChowk, Karachi; ab 20000 Dollar). Syed Sadequains (1930 bis 1987) „Kalligraphischer Kubismus“, wie der pakistanische Maler seine frei über die Fläche tanzenden, zeichenhaften Formen in den sechziger Jahren nannte, ist bei Aicon aus New York für um 220000 Dollar zu erwerben. Vieles wirkt vertraut und fremd zugleich, wie die Geometrien von Anwar Jalal Shemza (1928 bis 1985) bei Jhaveri Contemporary aus Bombay, der in der Tate-Sammlung in London vertreten ist. Allen diesen Künstlern gemeinsam ist, dass sie Mitte des 20. Jahrhunderts zeitweise in Paris lebten. Aber der Westen als Mekka der Kunst, das spürt man hier deutlich, ist Geschichte.

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