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Kunst und Urheberrecht : Die Rückkehr der Werkstattkünstler

  • -Aktualisiert am

Gerhard Richter steht in seinem Atelier. Was dort zu sehen ist, schuf er nicht immer allein. Bild: picture-alliance/ dpa

Künstlerwerkstätten sind keine Sache der Vergangenheit. Auch zeitgenössische Künstler wie Gerhard Richter und Sylvie Fleury bedienen sich zahlreicher Helfer. Doch wem gehört die Urheberschaft der arbeitsteilig erzeugten Werke?

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          Künstlerwerkstätten, bei denen unter der Ägide eines Meisters Gehilfen Teile eines Werks übernehmen oder gar vollständig fertigen, verbindet man meist mit vergangenen Zeiten und mit Künstlern wie Tizian oder Rembrandt. Aber auch von Zeitgenossen wie Thomas Demand, Sylvie Fleurie, John Armleder oder Michael Sailstorfer, Gerhard Richter oder Jeff Koons ist bekannt, dass sie sich zur Herstellung ihrer Werke zahlreicher Helfer, Assistenten und auch Fotografen bedienen.

          Die Renaissance der künstlerischen Arbeitsteilung in jüngster Zeit ist nicht nur kunsthistorisch interessant, sie ist auch rechtlich von Bedeutung: Schließlich ist im Urheberrecht das „Original“ grundsätzlich als ein vom Künstler eigenhändig geschaffenes Werkstück definiert - und nicht bloß als ein nach seiner Idee gestaltetes. Darüber hinaus stellt sich für den Künstler beim Einsatz von künstlerischen Helfern die Frage, ob diese bei einem späteren Erfolg des Kunstwerks Ansprüche geltend machen können.

          Warhols Werkstatt

          Das unübertreffliche Paradebeispiel dafür, wie Dritte bei der Entstehungsgeschichte eines Kunstwerks mitwirken können, ist natürlich Andy Warhols Factory. Dort galt über lange Zeit hin, ausgesprochen oder unausgesprochen, das Motto: Jeder darf mal an einem Warhol mitwirken. Und auch schon Tizian ließ in seiner Werkstatt am Biri Grande ganze Partien seiner Gemälde allein durch Mitarbeiter malen. Doch tatsächlich entsteht bereits bei geringeren Werkbeiträgen häufig schon ein (urheber-)rechtlich relevanter Anspruch gegenüber dem Künstler, als dessen Werk das Endprodukt schließlich das Atelier verlässt.

          Zu klären ist dabei zunächst, in welcher Form das Werk produziert wurde und wie die einzelnen Werkbeiträge des Künstlers oder der Mitarbeiter ausgestaltet sind: Handelt es sich um reine Ideen, um eine gemeinsame Ausführung, um Vorarbeiten oder lediglich um die Zusammenführung verschiedener Werkbeiträge unterschiedlicher Urheber? Einige Künstler geben bei spezialisierten Anbietern sogar (fast) den gesamten Herstellungsprozess in Auftrag. So realisierte zum Beispiel das Mike Smith Studio, London, nach Vorgaben von Künstlern ganze Rauminstallationen. Nur die Idee und die Vorgaben zum Endprodukt stammen dann vom Künstler selbst, die gesamte Ausführung und Materialauswahl stammen aber von Dritten - kein Einzelfall in einer arbeitsteiligen Welt.

          Nur der schöpferische Tätige hat Rechtsanspruch

          Die Miturheberschaft verschiedener Künstler ist nach deutschem Recht geregelt in Paragraph 8 des Urheberrechtsgesetzes (UrhG): Haben mehrere ein Werk gemeinsam geschaffen, ohne dass sich ihre Anteile gesondert verwerten lassen, so sind sie Miturheber des Werks und haben dieses gemeinsam zu verwerten. Hierfür müssen sich nach dem Wortlaut des Gesetzes mehrere Personen einer künstlerischen Idee unterordnen und diese auch gemeinsam verwirklichen - was bedeutet das in der Praxis? Miturheber kann nur sein, wer einen eigenen schöpferischen Beitrag zum Entstehen eines einheitlichen Kunstwerks liefert. Bloße Anregungen, Anmerkungen oder untergeordnete Hilfsarbeiten beim Schöpfungsprozess hingegen begründen keine Stellung als Miturheber.

          Von der Miturheberschaft zu unterscheiden ist die sogenannte Werkverbindung. Diese liegt vor, wenn mehrere Urheber ihre einzeln geschaffenen Werke zu einem gemeinsamen Ganzen verbinden, um dieses gemeinsam zu verwerten. Ein Paradebeispiel hierfür aus der Welt der Musik sind die Beiträge von Librettist und Komponist bei einer Oper, einer Operette oder einem Musical. Im Bereich der Kunst ist es die Performance, bei der zum Beispiel Musiker und bildende Künstler zusammenwirken.

          Vertragliche Bindungen im Sinne des Meisters

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