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Kulturhauptstadt 2010 : Regensburg - Provinz gibt es nur im Kopf

Selbst die Wurstbuden sind in Regensburg historisch Bild: Frank Röth

In Regensburg steht nicht nur die älteste Steinbrücke Deutschlands, es gibt dort auch das erste Fast-food-Restaurant Europas. So viel Geschichte kann bei der Bewerbung als Kulturhauptstadt helfen.

          Geschichte. Alles voller Geschichte. Zweitausend Jahre haben Spuren hinterlassen, steinerne und unsichtbare, die aufs Gemüt schlagen oder die Stimmung heben, je nachdem. "Gut, die Römer, das ist eh klar", hört man immer wieder über die Gründerväter, denen Regensburg weit mehr verdankt, als man heute noch sehen kann: die zahllosen Baudenkmäler des Mittelalters, herausragend das ehemalige Weltwunder und der auch heute noch beeindruckende Bogen der Steinernen Brücke. Der Dom, an dem zweihundertfünfzig Jahre lang gebaut wurde und der majestätisch die Stadtsilhouette regiert. Das Schloß der Thurn und Taxis, heute dank Hausherrin Gloria ein Publikumsmagnet. Kloster St. Emmeram. Das Umland mit den Donauauen, der Walhalla, den Ausläufern des Bayerischen Waldes, der Frankenalb und des fruchtbaren Gäubodens, der niederbayerischen Kornkammer. "Die Gegend mußte eine Stadt herlocken", schreibt Johann Wolfgang von Goethe, als er hier am 4. September 1786 Station auf seiner Reise nach Italien macht.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Aber die Gegenwart lebt in dieser Geschichte, und nicht alle, die sich darin wie selbstverständlich bewegen, nehmen sie wohl zur Kenntnis. Den vielen Touristengruppen allerdings, die sich durch das Gäßchensystem schieben, ist anzusehen, wie ihnen das gefällt, was man ihnen zeigt. Und es gibt auch mehr als genug zu sehen. Auf einem Quadrat von eineinhalb Kilometer Seitenlänge steht kompakt und bündig eine der schönsten Städte, die es in Deutschland gibt. Knapp jeder zehnte der hundertfünfzigtausend Regensburger wohnt noch in der Altstadt, mehr als tausendvierhundert Häuser stehen unter Denkmalschutz. Die Sanierung der vormals verfallenden Stadt, zu deren Rettung eigens ein Gesetz erfunden wurde, ist beinahe abgeschlossen.

          Die Nacht ist nicht still

          "Der Abend war voller Frieden herabgesunken, die Straßen sind still und leer geworden. Aus den Fenstern leuchtet der gelbe Schein der Lampen. Nur manchmal schallt ein Schritt übers Pflaster und klingt eine Tür und hallt eine menschliche Stimme. Dann fällt ein Tor ins Schloß, und ein Schlüssel knarrt und kreischt - dann ist es still." So beschreibt der Schriftsteller Georg Britting, heute nahezu vergessen und dennoch einer der bedeutendsten Söhne der Stadt, den Haidplatz im Jahr 1911. Legte er sich heute zur Ruhe, der Dichter der Donau, so könnte er lange warten, bis der letzte Zecher seinen letzten Witz gerissen und ihn dröhnend der Nachwelt anvertraut hat, in den wie Schalltrichter wirkenden Gassen. Danach könnte er dem feuchten Wummern der Kehrmaschinen lauschen, wenig später den Bierfahrern, und vorbei wäre die Stille der Nacht, die keine gewesen ist.

          Der Haidplatz wirkt atmosphärisch, als sei er direkt aus Norditalien hierher verpflanzt worden. Im Café Wichtig, wie das seit dem Mittelalter bespielte "Goldene Kreuz" spaßhaft genannt wird, genießt nicht nur die schöne Jugend den Spätsommer: Abnahme der Parade bei einem Campari. Mehr als zwanzigtausend Studenten bereichern das Stadtbild, und wer Regensburg noch in den sechziger Jahren erlebt hat, glaubt sich in ein anderes Universum versetzt. Aus der dunklen, feuchten, beklemmenden Altstadt ist ein geschmackssicher saniertes Wunderwerk der Urbanität geworden. Die Rede vom Quantensprung, den die Stadt in den vergangenen zwei Jahrzehnten vollzogen habe, erscheint nicht übertrieben.

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