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Revolutions-Unterstützer Achmetow : Rettet dieser Oligarch den Osten?

Unterstützer der Revolution: Manches spricht dafür, dass Rinat Achmetow zum Sturz Janukowitschs beigetragen hat Bild: AFP

Er ist der reichste Mann der Ukraine. Rinat Achmetow beherrscht das Donbass und hat beste Kontakte nach Russland. Aber eine Abspaltung der Region läuft seinen Interessen zuwider.

          6 Min.

          Am vergangenen Sonntag, acht Tage nachdem der Volksaufstand des Kiewer Majdan den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch gestürzt hatte, traf sein Nachfolger, der revolutionäre Übergangspräsident Olexander Turtschinow, eine Entscheidung, die vielen die Sprache verschlug: In den Gebieten Donezk und Dnipropetrowsk im schwerindustriellen Osten des Landes machte er den Multimillionär Serhij Taruta und den Milliardär Ihor Kolomojskij zu Gouverneuren. Wenig später gab Taruta bekannt, dass seine Ernennung mit keinem Geringeren abgesprochen sei als mit dem Stahl- und Kohlebaron Rinat Achmetow, dem Herrn des Bergwerksgebiets Donbass, dem reichsten Mann der Ukraine.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Einsetzung dieser Männer war eine Sensation. Die ukrainische Revolution nämlich hatte vor allem anderen unter der Parole „Gangster weg“ gestanden. Ihre Zähigkeit war von einem tiefsitzenden Hass der Menschen auf die „Oligarchen“ genährt worden, auf die Milliardäre dieses bitterarmen Landes, von denen hier mancher vermutet, dass sie ihre Vermögen durch Betrug, im schlimmsten Fall durch Mord und Totschlag an sich gerissen haben. Sie fortzufegen war ein Hauptziel des Protestes. Fast noch überraschender als der Brückenschlag der Revolution zu den Oligarchen selbst war, wie mucksmäuschenstill das revolutionäre Fußvolk diese Ernennungen hinnahm.

          Wer den Blick von Kiew fortwendet, wird aber verstehen, warum. Nach dem Sieg der Revolution über Janukowitsch stand plötzlich eine neue Sorge im Zentrum: die um den Osten und den Süden der Ukraine, wo die Mehrheit der Menschen russisch geprägt ist und wo die Sympathie für die „europäische“ Revolution von Kiew höchstens lau ist. Auf der Halbinsel Krim und im Donbass war sogar schon die Gegenrevolution ausgebrochen – oder besser: mit russischer Hilfe geschürt worden. Russische Truppen intervenierten, prorussische „Demonstranten“ stürmten Verwaltungsgebäude, und Wladimir Putin ließ sich vom russischen Parlament einen Blankoscheck für eine Militärintervention geben. Krieg lag in der Luft, die schiere Existenz der Ukraine schien bedroht, die alte Vormacht Russland streckte ihre Hand aus.

          Bündnis mit den Oligarchen

          In dieser Situation ist das Bündnis der Revolution mit den Oligarchen entstanden. Jurij Luzenko, ein früherer Innenminister, der unter Janukowitsch eine Zeitlang im Gefängnis saß und den überraschenden neuen Pakt zusammen mit Turtschinow und der früheren Ministerpräsidentin Julija Timoschenko mit geschmiedet hat, erklärt, wie das möglich war: Nach dem Sieg über Janukowitsch, so Luzenkos Deutung, ist der vorher dominierende „antioligarchische“ Impuls der Revolution angesichts der russischen Bedrohung von einem „antikolonialen“ Motiv verdrängt worden. Angesichts des drohenden Zusammenstoßes mit der alten imperialen Vormacht sei allen klar gewesen, dass der bisherige „ukrainisch-ukrainische Krieg“ schleunigst beendet werden müsse, wenn nicht das ganze Land zur Beute Russlands werden sollte.

          Der Charakter der Revolution musste verändert werden. Bisher war der Aufstand des Majdan gegen Janukowitsch immer auch ein Aufstand der ukrainisch-patriotischen Westukraine gegen den „sowjetisch“ und „oligarchisch“ geprägten Osten und Süden gewesen, wo das Regime seine Hochburgen hatte. Luzenko sagt nun aber, angesichts der neuen Moskauer Bedrohung habe die neue, westlich orientierte Führung in Kiew schnell verstanden, dass sie den Osten gewinnen musste, wenn sie den Zerfall der Ukraine abwenden wollte. Vor allem musste den Menschen im Osten klargemacht werden, dass diese Revolution nicht, wie die russische Propaganda behauptet, eine von „Amerika“ gesteuerte Machtergreifung entfesselter „Faschisten“ westukrainischen Zuschnitts sei, sondern dass sie „die Mentalität des Ostens respektiere“.

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