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Revolutions-Unterstützer Achmetow : Rettet dieser Oligarch den Osten?

Für diese Botschaft habe man „Megafone“ gebraucht, die „angesehensten Männer des Ostens“ – und da dort eben niemand mehr Ansehen genieße als die Milliardäre Achmetow und Kolomojskij, sei im Augenblick der Bedrohung ein Bündnis mit ihnen das Gebot der Stunde gewesen. Die Oligarchen haben ihrerseits Grund gehabt, die ausgestreckte Hand anzunehmen. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich ihre Welt verändert. Viele von ihnen haben als Gangster begonnen, damals vor 20 Jahren, als der Kampf um Hütten, Gruben und Banken noch mit der Kalaschnikow ausgetragen wurde und die Wachdienste der Fabriken sowie die jungen Männer aus den Sportvereinen zu schwerbewaffneten Privatarmeen in diesem Krieg aller gegen alle wurden. Viele sind damals von Kugeln zersiebt oder von Bomben zerfetzt worden. Die Überlebenden aber, von denen manche heute zu den reichsten Männern des Landes gehören, haben seither ihren Charakter verändert.

Achmetow als „Primus inter Pares“

Diese neuen Herren wirtschaftlicher Imperien schicken Bataillone von Anwälten in Nadelstreifen ins Feld, und statt vom Zerfall der Macht leben sie heute von ihrer Stabilisierung. Ihre Vermögen brauchen Ruhe. Der reichste Mann der Ukraine, Rinat Achmetow, ist heute zugleich der vielleicht ruhebedürftigste. Er ist der große Überlebende der wilden neunziger Jahre. Damals, als junger Mann, gehörte er zum Netzwerk von Achat Bragin, einem tatarischen Fleischhauer, der für kurze Zeit der größte Fisch im Haifischbecken Donbass war. Achmetow aß an Bragins Tisch und tanzte auf seinen Festen. Seit’ an Seit’ folgten die beiden dem Sarg, wenn wieder einmal ein ermordeter Geschäftsfreund zu Grabe getragen wurde.

Als sein Mentor im Jahre 1995 auf der Tribüne des Fußballklubs „Schachtjor Donezk“ selbst von einer Bombe zerfetzt wurde, nahm Achmetow, noch keine dreißig, dessen Platz als „Primus inter Pares“ unter den Autoritäten des Donbass ein. Zuletzt hat der „Donezker Clan“ aber nicht nur die Ukraine beherrscht, sondern das ganze Land. Präsident Janukowitsch ist von ihm als politische Figur geschaffen worden. Bis unmittelbar vor dessen Sturz hat der Clan alle zentralen Positionen der Regierung mit Leuten besetzt, die entweder aus dem Donbass stammten oder einen wichtigen Teil ihres Lebens dort verbracht hatten. Dass ausgerechnet Achmetow jetzt zum Bündnis mit der Revolution bereit ist, dürfte mehrere Gründe haben.

Erstens spricht vieles dafür, dass sein Verhältnis zu seinem Ziehkind Janukowitsch schon lange nicht mehr spannungsfrei war. Mit dem Beginn seiner Amtszeit hatte der Präsident begonnen, ein eigenes Wirtschaftsimperium zu errichten, so dass die Reviere der alten Platzhirsche in Gefahr gerieten. Zugleich wurde Janukowitsch, ähnlich wie Putin in Russland, durch seine wachsende Macht über das „Dreieck des Todes“ aus Gerichten, Polizei und Staatsanwaltschaft zur Bedrohung für die Männer, die ihn geschaffen hatten.

Keine Hilfe für Janukowitsch

Diese Distanz ist im „Kampf auf dem Majdan“ immer wieder deutlich geworden. Achmetow hat wiederholt in deutlicher Abgrenzung zu den Scharfmachern des Präsidenten zum Frieden gemahnt. Am auffälligsten war dabei ein Auftritt des Milliardärs am 31. Dezember. Als an diesem Tage auch vor seiner Privatresidenz in Donezk Demonstranten aufzogen, fuhr er persönlich, locker im Trainingsanzug und ohne Leibwächter, in einem Mercedes bei ihnen vor, um ihnen ein frohes neues Jahr zu wünschen. „Ich bin ein Patriot unseres Landes“, sagte er. „Wenn ihr eine starke Ukraine wollt, bin ich mit euch.“ Am 22. Februar dann, dem Tag, als Janukowitsch aus Kiew floh, sollte dieser Satz noch wichtig werden.

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