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Kommentar : Angela Scholz

Klare Sache: Olaf Scholz wählt. Bild: dpa

Für einen kurzen Moment kann die CDU nachempfinden, wie sich die SPD im Bund fühlen muss. Denn Olaf Scholz ist in Hamburg, was Angela Merkel im Bund ist.

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          Nach dem Wahlsieg der SPD wird sich die geschlagene CDU wieder mit ihrer Städtekompetenz beschäftigen und die SPD mit der Frage, warum in Hamburg möglich ist, was im Bund in weiter Ferne liegt. Der SPD ist es unter Olaf Scholz in Hamburg gelungen, die CDU zu demütigen und mit großem Abstand stärkste Partei zu werden, ohne dass darunter Grüne oder Linkspartei übermäßig gelitten haben. Und sogar die FDP lebt! Die Sozialdemokraten konnten die „linke Mitte“, die ihr Sigmar Gabriel so gerne zuordnet, also weit nach rechts ausbreiten. Noch weiter rechts davon blieb nur ein kleines Häuflein.

          Es gibt Erklärungen dafür, die sich auf Hamburger Besonderheiten stützen. Scholz hatte keine Erblasten, nutzte die Reibungslosigkeit, die eine absolute Mehrheit mit sich bringen kann, hat in seiner Regierungszeit nichts anbrennen lassen, machte keine (schweren) Fehler, war auch überregional eine berechenbare Größe. Seine Schnörkellosigkeit ist ihm früher zum Vorwurf gemacht worden; seit er regiert, ist das plötzlich ein „hanseatisches“ Qualitätsmerkmal, zumal dann, wenn man in die verschnörkelten Fußstapfen von Ole von Beust treten darf. Selbst die niedrige Wahlbeteiligung zeigt in diesem Fall, dass die meisten Hamburger wohl einfach zufrieden sind.

          Warum ist also in Hamburg für die SPD möglich, worauf sie im Bund vergeblich wartet? Warum dieses Desaster für die CDU? Die Antwort ist für beide Fragen dieselbe: Olaf Scholz und die SPD sind in Hamburg, was Angela Merkel und die CDU im Bund sind. Die CDU konnte am Sonntagabend wenigstens ansatzweise nachempfinden, wie es sich fühlen muss, gegen einen unspektakulären Politikstil und dessen Bestbesetzung anzukämpfen, aber kaum Aussicht auf Erfolg zu haben. Sehr schnell landet dann eine alte Volkspartei weit unter ihrem Niveau, auch wenn es angesichts mehrerer kleiner Protestparteien noch viel Unzufriedenheit gäbe, die sie für sich nutzen könnte.

          Der Schluss liegt nahe, dass sich die SPD doch einfach Scholz als Kanzlerkandidaten nach Berlin holen sollte. Doch ist das wirklich so einfach? Sobald ein erfolgreicher SPD-Landespolitiker die Bühne wechselt, sieht er in Berlin so aus wie der CDU-Oppositionsführer in Hamburg. Sigmar Gabriel ist wenigstens schon Vizekanzler. Seine Aussichten aber, das ist das Paradox am SPD-Sieg vom Sonntag, sind so unangenehm wie Hamburger Nieselregen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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