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Attentat in Ottawa : Warum dürfen Dschihadisten frei herumlaufen?

Polizisten nahe dem Parlament in Ottawa am Mittwoch Bild: AP

Der mutmaßliche Attentäter von Ottawa galt als „hochgefährlich“. Warum durfte er frei herumlaufen? Das müssen sich nun auch die deutschen Sicherheitsbehörden fragen lassen. Ein Kommentar.

          Ein Mann will in den Dschihad. Er ist ein muslimischer Konvertit, lebt schon lange im Land, stammt aber aus dem arabischen Raum. Weil er als „hochgefährlich“ gilt und weil die Polizei über seine Absichten Bescheid weiß, wird ihm der Pass entzogen und wird er beobachtet. Doch weil der Verdächtige nicht mehr nach Syrien reisen kann, um den „Islamischen Staat“ zu unterstützen, veranstaltet er den Dschihad vor der eigenen Haustür.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Das Szenario klingt bekannt. Es könnte auch aus der Beschreibung der Bedrohungslage in Deutschland stammen.

          Noch ist nicht klar, ob der Attentäter von Ottawa tatsächlich als Terrorist zu bezeichnen ist. Doch wenn es stimmt, was über den mutmaßlichen Täter Michael Z. schon durchgesickert ist, handelt es sich um einen von knapp hundert Dschihadisten, die Kanada als „high-risk-traveller“ bezeichnet. In Europa gibt es davon mehrere tausend, die entweder auf dem Sprung in Richtung Syrien sind, dort schon kämpfen oder wieder zurückgekehrt sind. Allein aus Deutschland stammen knapp 400 solcher Kämpfer.

          Kanada ist mutmaßlich zum Ziel eines Attentats geworden, weil es sich am internationalen Einsatz gegen das islamistische Terrorregime in Syrien und im Irak beteiligt. Deutschland tut das auch - aber das Beispiel Ottawa zeigt, dass sich islamistische Extremisten auch unabhängig davon ihren Dschihad suchen, wo sie ihn gerade finden wollen. Hindert man sie an der Ausreise, sind sie genauso gefährlich, wie wenn sie das Ziel ihrer Kriegslüsternheit erreichen.

          Das kanadische Beispiel zeigt aber vor allem, wie wenig die Überlegungen über Passentzug oder Ersatzdokumente, wie sie Deutschland anstellt, dazu beitragen, die sogenannten Gefährder zu „entschärfen“. Die hiesigen Sicherheitsbehörden sorgen sich vor allem vor jenen Tätern, die sich über Nacht dazu entschließen, ein Attentat zu verüben, aber bislang nicht aufgefallen sind. Doch warum dürfen Dschihadisten, die längst aufgefallen sind, die kein Geheimnis aus ihren Sympathien machen und die als Sicherheitsrisiko gelten, - warum dürfen diese tickenden Zeitbomben frei herumlaufen? Das wird nicht mehr so leicht zu beantworten sein wie in der Zeit vor Ottawa.

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