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: Kein Berg für alle

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Wer immer auf die Idee mit den Kutschen gekommen war, er hat ein Bild mit Symbolkraft in die Welt gesetzt. Drei alte, mit rotem Samt und Leder ausgeschlagene Gespanne trotteten also durch die Altstadt von Katmandu, entlang an fähnchenschwingenden Schülern und neugierig gaffenden Alten und ein paar anderen Schaulustigen, die an diesem Dienstag nicht arbeiten mußten.

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          KATMANDU, 29. Mai. Wer immer auf die Idee mit den Kutschen gekommen war, er hat ein Bild mit Symbolkraft in die Welt gesetzt. Drei alte, mit rotem Samt und Leder ausgeschlagene Gespanne trotteten also durch die Altstadt von Katmandu, entlang an fähnchenschwingenden Schülern und neugierig gaffenden Alten und ein paar anderen Schaulustigen, die an diesem Dienstag nicht arbeiten mußten. Vorne, in der ersten Kutsche, saß Sir Edmund Hillary, der erste Mann auf dem Mount Everest. In der zweiten winkte die Japanerin Junko Tabai, die erste Frau, die den höchsten Berg der Welt erklommen hat. Und im dritten lächelte Reinhold Messner, während er Fernsehteams, die rückwärts neben ihm herliefen, Interviews gab. Drei Helden, die in ihren gestrigen Gefährten aussahen, als würden sie ihrer unfreiwilligen Musealisierung entgegenrollen.

          Hillary, der das Alter von 83 Jahren erreicht hat, war die Erschöpfung anzusehen. Mühsam formte er seine zerklüfteten Gesichtszüge zu einem Lächeln, als er sich nach seiner Ansprache auf dem Marktplatz von Katmandu mit fremder Hilfe auf die Kutschbank wuchtete. Anstrengende Wochen lagen hinter ihm. Schon zu Hause, in Neuseeland, hatten ihn die Reporter heimgesucht, dann war er nach Indien gereist, hatte Reden gehalten, Galadiners eröffnet, Fototermine und weitere Interviews gewährt. Nun zwang er sich schon wieder zu lächeln und zu reden, und dabei lag der 29. Mai, jener Tag, an dem sich die Erstbesteigung zum fünfzigstenmal jährte, noch immer vor ihm. Vier Tage lang feierte die nepalesische Regierung das Ereignis, das ihr Land ins Bewußtsein der Welt gerückt hatte. Umzüge reihten sich an Tanzveranstaltungen und symbolisches Bäumepflanzen, es folgten Empfänge, Podiumsdiskussionen und festliche Abendessen. Die Creme der internationalen Bergsteigergemeinschaft war nach Nepal gekommen, und die politische Elite des Landes - Minister, Kronprinz, König - erwies ihr die Ehre. Dabei ging es um mehr als die Würdigung einer bemerkenswerten sportlichen Leistung. Zelebriert wurde die Erinnerung an einen magischen Moment, der sich ähnlich stark ins kollektive Bewußtsein eingegraben hat wie die erste Atlantiküberquerung oder die ersten Schritte auf dem Mond.

          Freiheit, Frieden, Harmonie. In den Reden der Gastgeber und auf den Plakaten in der Stadt wurde die Erstbesteigung mit universellen Werten überhöht: Die Beschwörung des Edlen kontrastierte dabei auf beinahe groteske Weise mit dem Alltag in Nepal. Während sich am Mittwoch die Festgemeinde in der britischen Botschaft traf, gingen die Polizisten in der Innenstadt mit Tränengas gegen demonstrierende Parlamentarier vor. Seit Oktober dürfen die Abgeordneten Nepals nicht mehr tagen. Der König hat das Parlament geschlossen und eine Regierung nach seinem Geschmack eingesetzt. Am Tag des Bergjubiläums berichteten die Zeitungen auf ihren ersten Seiten über die jüngste Studie der Menschenrechtsorganisation "amnesty international", die sowohl den Sicherheitskräften der Regierung als auch den rebellierenden Maoisten Menschenrechtsverletzungen vorhält. Die Demokratie, die Nepal vor 13 Jahren eingeführt hat, existiert heute nur noch auf dem Papier. Das Land wirkt unberechenbar, was die wirtschaftliche Krise Nepals verschärft. Am stärksten ist der Tourismus betroffen. In nur vier Jahren halbierte sich sein Anteil am Bruttosozialprodukt von sieben auf dreieinhalb Prozent. Vier von zehn Nepalesen leben heute unter der Armutsgrenze. Wenigen Ländern geht es schlechter. Unter den 175 Staaten, die die Vereinten Nationen statistisch erfassen, nehme Nepal den 142. Platz ein, rechnete der UN-Repräsentant in Katmandu vor.

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