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Katja Kipping : „Feuerrot“ und machtbewusst

  • -Aktualisiert am

Die neue Vorsitzende der Partei „Die Linke“: Katja Kipping Bild: AFP

Katja Kipping will die Schützengräben in der Linkspartei auf einem „Dritten Weg“ verlassen. Verglichen mit dem, was sich die junge Mutter als Vorsitzende aufgeladen hat, wirkt die weibliche „Doppelbelastung“ wie ein Schonprogramm.

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          Sie kam als Angebot, die Schützengräben zu verlassen und auf einem „Dritten Weg“ mit einem weiblichen Führungsduo eine Lösung für die Linkspartei zu suchen. Sie verließ den Göttinger Parteitag als Vorsitzende. Katja Kipping ist 34 Jahre alt, Mutter eines sechs Monate alten Säuglings, seit 2005 Bundestagsabgeordnete, in ihrer Partei als Verfechterin eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle bekannt - und in der Minderheit.

          Sie ist Redakteurin der Zeitschrift „Prager Frühling“ und Gründungsmitglied des „Instituts solidarische Moderne“, in dem Vertreter von SPD, Grünen und Linkspartei zusammenarbeiten: Verglichen mit dem, was die Slawistin mit den feuerroten Haaren sich aufgeladen hat, wirkt die traditionelle weibliche „Doppelbelastung“ wie ein Schonprogramm.

          Doch werden ihr nicht alle Parteifreunde danken, dass sie ihre Kandidatur nicht zurückzog, nachdem Katharina Schwabedissen, ihre Partnerin auf dem „Dritten Weg“, verkündet hatte, sie werde doch nicht antreten. Schließlich hatte sie am Abend zuvor beim Frauenplenum eindringlich darum gebeten, wirklich beide Kandidatinnen der Doppelspitze zu wählen. Wenn ein Mann so an die Spitze gelange, war in Göttingen zu hören, werde ihm das lange verübelt.

          Ob das gewählte Führungsduo Katja Kipping und Bernd Riexinger, wie von enttäuschten Delegierten nach der Wahl zu hören war, tatsächlich die Fortsetzung von „Klaus Ernst und Gesine Lötzsch mit anderen Dialekten“ sein wird, ist noch nicht zu beurteilen.

          Die neuen Vorsitzenden der Linkspartei: Katja Kipping und Bernd Riexinger

          Keinem Lager zugehörig

          Während Riexinger in die Gruppierungen in der Linkspartei mühelos und eindeutig einzusortieren ist, gehört Frau Kipping keinem Lager an. Sie ist keine „Reformerin“ wie Dietmar Bartsch oder Matthias Höhn, der neue Bundesgeschäftsführer. Aber sie ist auch keine Gewerkschafterin oder Linksradikale, wie sie sich kurioserweise unter Lafontaine im westlichen, „linken“ Flügel der Partei bestens zu verstehen scheinen.

          Im Gegenteil, die Gewerkschafter, die als enttäuschte Sozialdemokraten zur WASG und dann zur Linkspartei kamen, haben unter Lafontaine früh und entschieden dafür gesorgt, dass ihr Einsatz für das Grundeinkommen in der Fraktion minoritär bleibt: Die älteren Herren setzen allein auf die Bismarckschen Sozialversicherungssysteme, auf die „Wiederherstellung“ der alten Rentenberechnungen, Arbeitslosenzahlungen und so weiter.

          Dass sie damit auf eine der interessantesten gesellschaftspolitischen Debatten im Lande verzichten, dass sie mit ihren Formeln und Prozenten der neuen Partei eine Klärung ihres Menschen- und Gesellschaftsbilds vorenthalten, ist ihnen offenbar nur recht.

          Das gönnerhafte Reden über das junge Talent werden die mächtigen Männer der Linkspartei nun wohl einstellen. Wenn es stimmt, dass die Front zwischen den verfeindeten Linke-Funktionären nicht an der Haltung zur Regierungswilligkeit verläuft, sondern an der Bereitschaft, sich vom doktrinären linken Erbe zu verabschieden und Offenheit zuzulassen, dann ist klar, wo Katja Kipping steht. Im vorigen Jahr sagte sie unverblümt: „Einige verstehen unter Programmdebatte das Anrühren von Zement“.

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