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Kolumne „Nine to five“ : Zweite Geige

Nur nicht zu bescheiden sein. Bild: vario images

Wo der erste Buchstabe des Nachnamens im Alphabet steht, ist keineswegs egal. N. hat das verstanden und möchte nicht mehr hinter dem Kollegen C. die zweite Geige spielen.

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          Warum will der N. nicht mehr mit mir ein Projekt betreuen? Dabei haben wir bisher immer erfolgreich zusammengearbeitet. C. versteht seine kleine Bürowelt nicht mehr. N. arbeitet jetzt bevorzugt mit P. oder T. zusammen. Schade.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Am Wochenende ist C.s Tochter zu Besuch, die sich unerschrocken im Wissenschaftsbetrieb behauptet und das Rätsel ruckzuck löst: „Sagt mal, ihr schreibt Projektberichte, Dossiers, und die gehen an den Vorstand? Mit Autorenschaft nach Alphabet?“ Da dämmert es dem Vater. N. will da als Erster stehen, N. will glänzen, N. will in Führung gehen. Mit einem Partner, der namentlich zuerst genannt wird, läuft das nicht, und er spielt immer die zweite Geige.

          Nachhilfe von der Tochter

          Der Tochter ist das aus dem konkurrierenden Hochschulalltag wohlvertraut, sie kennt aber auch die fairen Verfahren, bei denen der Mitarbeiter, der den meisten Anteil an der Arbeit geleistet hat, zuerst genannt wird. Alle anderen, die nur „mitgeteamt“ haben, werden entweder alphabetisch oder in der Reihenfolge ihres Anteils aufgeführt. „Lass mich raten“, fragt sie nach, „er arbeitet nur noch mit Kollegen zusammen, die im Alphabet nach ihm kommen?“ Ihr Vater nickt.

          Nun ist die Neugier der Tochter geweckt, und sie stellt unangenehme Fragen: „Sag mal, wer präsentiert die Ergebnisse in großer Runde? Wer ergreift als Erster das Wort, wer unterbricht oft, wer schreibt nie Protokoll? Lass mich raten!“ Dem Vater fällt es wie Schuppen von den Augen. N. fühlt sich nicht wertgeschätzt und spielt nun seine intrigante Seite aus. War da nicht neulich N.s Stimme zu vernehmen, der etwas von „leider ist der Kollege nicht da, ich kann Ihren Fall gerne übernehmen“ faselte, obwohl der Kollege nur in der Kantine war und keineswegs auf Dienstreise?

          Und war es nicht N., der die Unterlagen für die Fortbildung erst nach Ablauf der Anmeldefrist zeigte und diese angeblich übersehen hatte, selbst aber gut gelaunt aufs Seminar entschwand? C. hat es endlich kapiert, gecoacht durch die Tochter. Ein X für ein U lässt er sich nicht mehr vormachen.

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