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Zwei Studenten gründen einen Dorf-Supermarkt : Die Schlecker-Retter

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Ihnen sei von Anfang an klar gewesen, dass sie das Rad nicht neu erfinden können. Trotzdem waren sie davon überzeugt, dass sie ihre Sache besser machen würden als Schlecker: weil sie ihren Kunden mehr Service bieten, mehr Auswahl, mehr regionale Produkte – und das Gefühl, zu Hause zu sein. Sicher kann es spannend sein, eine Geschäftsidee im Internet zu entwickeln. Aber das hier sollte etwas Warmes, Nahes sein. Etwas, womit auch die Alten im Ort etwas anfangen können. Maurer und Melzner wollten ihnen helfen, indem sie vor allem die Ortskerne stärken, sie wollten, dass der Marktplatz im Dorf wieder zu dem wird, was er einmal war. Und dass man nicht mehr 20 Kilometer fahren muss, zu einem großen Parkplatz, um bei dm, Netto oder REWE ein neues Duschgel zu kaufen. „Einkaufen dahoam“, so lautet daher auch das Motto des Ladens. Es gibt regionale Produkte, Honig, Kirschlikör und Rapsöl. Man findet sie in einem alten Bauernschrank, der früher bei Maximilian Maurer im Kinderzimmer stand. Bald soll auch noch ein Sofa in das Geschäft gestellt werden, auf dem sich die Kunden ausruhen können. Eine grauhaarige Dame schaut sich suchend um. Noch bevor sie jemanden um Rat fragen kann, ist Maximilian Maurer bei ihr. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragt er. Er zeigt ihr das gesuchte Regal, dann setzt er sich hinter die Kasse und kassiert, weil die Verkäuferin gerade mit einem anderen Kunden beschäftigt ist.

Wie bei vielen Gründungen gab es auch bei ihnen Rückschläge: Anfang Dezember, kurz nachdem die zweite Filiale eröffnet worden war, stieg sein Geschäftspartner Johann Melzner aus. Er ging für ein Forschungspraktikum nach Harvard. „Das war schade, weil eine Stütze weggefallen ist“, sagt Maximilian Maurer. Aber er habe sich für seinen Freund gefreut. Seine Mutter und er waren von jetzt an nur noch zu zweit. Doch für beide war klar, dass sie weitermachen würden. Wie geplant eröffneten sie im Frühjahr 2013 die dritte Filiale. Einen Laden mussten sie inzwischen schließen: den in Adlkofen. „Wir hatten mit dem Geschäft einfach einen schlechten Start, da war von Anfang an der Wurm drin“, sagt Maximilian Maurer. Die Ware, die eigentlich sechs Tage vorher geliefert werden sollte, kam ausgerechnet am Eröffnungstag. Das bedeutete: Die Regale waren fast leer, als die ersten Kunden kamen. Sofort kamen Beschwerden über das schlechte Angebot. „Davon hat sich der Laden einfach nie erholt“, sagt Maximilian Maurer. Er lässt sich davon nicht entmutigen: „Die anderen beiden Filialen laufen zum Glück gut.“ Längst gibt es den Plan, wieder eine dritte Maurer-Filiale zu eröffnen. An einem anderen Ort. Irgendwo in der bayerischen Pampa.

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