Der Entzauberstab der Analogie
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Am 5. Mai 1935 nahm Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit seinem Burschen Hans Kreller an einem Reitturnier in Heiligenhaus teil. Bild: Ullstein
Thomas Karlauf stellt Stauffenberg in seiner Biographie als unpolitischen Soldaten dar. Ein wichtiges Argument sind Vergleiche mit anderen Offizieren. Was leisten solche Analogieschlüsse?
Das Bild des Grafen Claus Schenk von Stauffenberg schwankte schon immer in der Geschichte. Kritische Stimmen fehlten nie, und gegenwärtig scheint es, als sollten sie – fünfundsiebzig Jahre nach dem 20. Juli 1944 – im öffentlichen Diskurs erneut die Oberhand gewinnen, weil man soeben entdeckt zu haben meint, was man schon immer wusste oder hätte wissen können: dass Stauffenberg kein überzeugter Demokrat, sondern Anhänger einer elitären Weltanschauung war.
In diesem Jahr ist eine neue Biographie des Hitler-Attentäters erschienen. Verfasst hat sie Thomas Karlauf, der durch seine Biographie Stefan Georges bekannt geworden ist und als einer der besten Kenner des Lebens und Werkes dieses Dichters und dessen legendären Kreises gelten kann, dem auch Claus von Stauffenberg und seine Brüder angehörten. Karlaufs neues Buch bietet eine durchaus konzise, in sich geschlossene Deutung von Person und Handlungsweise Stauffenbergs und zeichnet dennoch ein methodisch anfechtbares, in der Sache einseitiges, im Detail unvollständiges, partiell verzerrendes und deshalb im Ergebnis höchst zweifelhaftes Bild.
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