https://www.faz.net/-gyl-9gi2j

New Work im Consulting : Sinnhaftigkeit ist der neue Dienstwagen

  • -Aktualisiert am

Wissen über ökonomische Zusammenhänge

Diesen Trend hat auch Alexander Kiock bei Diffferent festgestellt: „Es herrscht bei der Generation Y ein hohes Wissen über ökonomische Zusammenhänge vor, den jungen Mitarbeitern geht es vor allem darum, unternehmerisch zu agieren.“ Das setzt eine Menge Eigenverantwortung im Denken und in der Selbstorganisation voraus. „Man muss für sich herausfinden, wie und wohin man sich beruflich entwickeln will“, sagt Florian Günther-Borstel, seit 2016 Consultant bei Capco. „Die eigenen Aufgaben müssen mit denen des Teams zusammenpassen. Dabei ist es für mich wichtig, nicht nur auf die Vernetzung mobiler Technologien zu setzen, sondern vor allem auf den Austausch mit den Kollegen. Dabei sollte es weniger um interne Projekte gehen, sondern um gesellschaftliche und wirtschaftspolitische Themen, wie Niedrigzins, Brexit oder Robotics, die mittelfristig für die strategische Ausrichtung unserer Beratertätigkeit an Bedeutung gewinnen.“

Der Wandel des Consultant-Berufs geht, laut Marc Wagner, Managing Partner bei der Management- und Technologieberatung Detecon, vom Strukturierer hin zum Match-Maker und Community-Manager, der Bedarf und Fähigkeiten zusammenbringt. Dazu gehöre es auch, auf intelligente Art Partner für die einzelnen Projekte zu finden, etwa durch die Suche bei innovativen Start-ups – wenn nötig, weltweit. Darüber hinaus werde zukünftig die Fähigkeit zum „Learning by doing“ eine größere Rolle als das Einser-Zeugnis von der Universität spielen. „Das verlangt von den Mitarbeitern eine neue Art, sich Wissen anzueignen“, ist Wagner überzeugt.

Individuelle Weiterentwicklung

Bei Diffferent wird ein jährliches Weiterbildungsbudget von 1.000 Euro pro Mitarbeiter ausgelobt, das von jedem individuell abgerufen werden kann, ohne dass die Personalabteilung dazwischengeschaltet ist. „Wir nennen das In­spirationsbudget. Das wird von unseren Mitarbeitern sehr geschätzt“, sagt Alexander Kiock und ergänzt: „Doch dabei bleibt es nicht. Wir müssen uns im Unternehmen ständig hinterfragen und überlegen, wie wir neue Impulse setzen. Spätestens nach drei Jahren hat sich bei neuen Konzepten eine gewisse Routine eingestellt, und die ersten Abnutzungserscheinungen sind zu spüren. Da hilft es nur, wieder neue Ideen innerhalb unseres Unternehmens zu implementieren.“ Mehr als 20 freie Stellen hat er gegenwärtig in seinem Unternehmen zu besetzen. Mit kreativen Lösungen à la Ballermann-Party will er die begehrten zukünftigen Mitarbeiter auf Diffferent aufmerksam machen und langfristig an die Unternehmensberatung binden.

Kreativ gestaltete Firmenräume anstelle von fest installierten Schreibtischen; die aktive Einbeziehung von Künstlern und Kunstthemen in den Arbeitsprozess der Consultants wie bei Kienbaum oder Diffferent; neue Lernformate wie Design Thinking oder innovative Arbeitsformen wie Co-Working Spaces, wo etablierte Unternehmen an einen Ort mit Freiberuflern oder Gründern zusammenarbeiten. „Solche Möglichkeiten fordern die Toptalente inzwischen immer mehr von ihren potentiellen Arbeitgebern, das gab es in dieser krassen Form noch nie“, sagt Wagner von Detecon. Die gestiegene Erwartungshaltung sieht er allerdings auch als Wettbewerbsvorteil: „Wenn man zum Kunden geht und in einer anderen Branche New-Work-Konzepte verkaufen will, ist es immer gut, diese selbst vorzuleben.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Spionage-Kumpan? Ein Foto des Huawei-Logos in der chinesischen Provinz Guangdong

Papua-Neuguinea : Baute Huawei im Pazifik ein Eingangstor für Spionage?

In einem vom chinesischen Technologiekonzern Huawei eingerichteten Datenzentrum der Regierung in Papua-Neuguinea gab es offenbar eklatante Sicherheitslücken. Fachleute in Australien gehen davon aus, dass das Absicht war.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.