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Reisen nach Zentralasien : „Weitläufige Steppe, hohe Berge, endloser Himmel – das war ein erhebendes Gefühl“

  • Aktualisiert am

Weite Landschaften, Schmelztiegel verschiedener Kulturen und noch wenig erschlossene Wege – Zentralasien habe seinen Reiz, erzählt die 23-jährige Lydia Wachs, die im vergangenen Jahr als Praktikantin in Kasachstan war.

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          Lydia, warum lohnt es sich aus deiner Sicht, nach Zentralasien zu reisen?

          Abgesehen davon, dass die zentralasiatischen Länder westeuropäischen Touristen noch kaum erschlossen sind, gibt es dort viel Spannendes zu entdecken. In Zentralasien treffen unterschiedlichste kulturelle Einflüsse aufein­ander, das ist schon sehr besonders. Neben chinesischen und asiatischen Einflüssen finden sich dort russisch-postsowjetische Architektur und Kultur. In der Region haben aber auch arabische, persische und mongolische Einflüsse ihren Ausdruck gefunden, die sich in den Umgangsweisen und der Wirtschaft widerspiegeln.

          Die gebirgigen Weiten Kirgistans erreichen Höhen von über 7.000 Meter.

          Welche Länder bieten sich besonders an?

          Grundsätzlich lassen sich alle zentralasiatischen Länder bereisen. Turkmenistan fällt aufgrund politischer Gründe etwas raus. Kasachstan und Kirgistan sind erschlossener. Hier ist auch die Infrastruktur für Reisende besser. Usbekistan ist besonders interessant, weil sich das Land derzeit in einem politischen und wirtschaftlichen Öffnungsprozess befindet. Man kann dort, wie auch in Kasachstan, mittlerweile 30 Tage ohne Visum unterwegs sein. In Kirgistan gilt dies sogar für 60 Tage. Aber auch Tadschikistan ist landschaftlich und kulturell sehr spannend, und über ein E-Visum kann man es relativ leicht bereisen.

          Welche landschaftlichen Highlights gibt es in der Region zu bestaunen?

          Die Natur ist sehr divers – in Kasachstan trifft man auf sehr viel Steppe, aber auch auf Wüstenregionen, Berge und das Kaspische Meer. In Usbekistan gibt es viel Wüste und Flachland, aber eben auch wahnsinnige Gebirgsketten, wie das Tian-Shan-Gebirge. Dieses trennt auch Kirgistan und Kasachstan durch Bergketten, die Höhen von über 7.000 Meter erreichen. Also von Steppe über riesige Gebirge bis hin zu Wüsten und tollen Seen ist landschaftlich alles drin. Aber auch kulturell gibt es einiges zu entdecken. So trifft man etwa in Usbekistan – dem ehemals bedeutenden Zentrum an der Seidenstraße – auf islamische Kunst und persisch beeinflusste Architektur, auf sehr kunstvolle alte Moscheen und Medressen. In Kirgistan und Kasachstan, wo die Bevölkerung traditionell bis ins 20. Jahrhundert als Nomaden gelebt hat und es kaum feste Bebauungen gab, ist die Architektur relativ neu, aus dem vergangenen Jahrhundert, und daher eher sowjetisch geprägt.

          Wann ist die beste Reisezeit? Und wie viel Zeit sollte man für einen Trip einplanen?

          Die beste Reisezeit ist im April und Mai, dann blüht beispielsweise in der kasachischen Steppe der Mohn – ein rotes Blumenmeer. Im Sommer kann es ziemlich heiß werden, im Winter hingegen ziemlich kalt. Bis zu minus 40 Grad habe ich in Astana erlebt. Kasachstan ist von der Fläche rund siebenmal größer als Deutschland. Man muss sich bei einer solchen Reise immer begrenzen. Wer eines der Länder bereisen will, sollte zwei, drei Wochen einplanen. Bei mehreren Ländern sind vier bis acht Wochen ideal.

          Du hast zwei Praktika in Kasachstan gemacht. Für Studenten welcher Fachrichtungen kann es ebenfalls interessant sein, über Praktika in der Region nachzudenken?

          Nach einem längeren Aufenthalt in Russland wollte ich gern Praktika im russischsprachigen Raum machen. Dass ich dann letztlich nach Kasachstan kam, war eher Zufall, aber das Land hat mich gleich fasziniert. Ich war zwei Monate an der deutschen Botschaft und im Anschluss bei der Friedrich-Ebert-Stiftung. Klar sind die Länder für Politikwissenschaftler interessant. Im politischen Bereich kann man bei Institutionen wie der deutschen Botschaft und den Konsulaten, Auslandsvertretung­en, internationalen Organisationen wie der OSZE und der EU reinschnuppern. Aber auch für Kulturschaffende gibt es Möglichkeiten, wie etwa die Goethe-Institute. Das chinesische Seidenstraßenprojekt führt direkt durch Zentralasien und hat große Auswirkungen auf die Region. Da tut sich wirtschaftlich sehr viel. Für Wiwis können daher neben Unternehmen auch die Entwicklungsprogramme der Vereinten Nationen, verschiedene UN-Behörden und die OECD interessant sein.

          Woran erinnerst du dich am liebsten?

          Mir sind auf jeden Fall die vielen netten Begegnungen mit den Menschen und die unglaubliche Weite der Landschaft in Erinnerung geblieben. Diese weitläufige Steppe, die hohen Berge, darüber ein schier endloser Himmel – das war ein erhebendes Gefühl. Einmal war ich bei minus 30 Grad auf dem Weg in ein Dorf unterwegs. Die Luft war so trocken, dass das Licht einfach alles zum Glitzern brachte. Wie die Eiskristalle reflektiert wurden, der Boden und die Luft glitzerten – das war ein unglaublicher Anblick.

          Das Interview führte Julia Hoscislawski.

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