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Präsident der TU München : Kein Tagwerk ohne Plan

Noch ist er Präsident der TU München: Wolfgang Herrmann Bild: Dominik Gierke

Wolfgang Herrmann hat die TU München international profiliert und bislang jedes Mal zum Exzellenztitel geführt. Wie ist ihm das gelungen?

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          Sie glauben gar nicht, wie erleichtert ich bin, in diesem Sommer nicht bis tief in die Nacht an einem Exzellenzantrag schreiben zu müssen“, sagt der Präsident der TU München, Wolfgang Anton Herrmann. Insgesamt dreimal hat er die Sommer auf der Terrasse seines Ferienwohnsitzes damit verbracht, seiner Universität zum Exzellenzstatus zu verhelfen, und war dabei erfolgreich, denn die TUM hat ihren Exzellenztitel seit der ersten Runde des Wettbewerbs und konnte ihn verteidigen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Er hat in das ehemalige Zisterzienserkloster Raitenhaslach aus dem 12. Jahrhundert eingeladen, das malerisch oberhalb der Salzachschleife, einen Steinwurf von der österreichischen Grenze liegt. Es gehört zu Burghausen, der reichen ehemaligen Residenzstadt, deren kunstsinniger Oberbürgermeister Hans Steindl (SPD) seit nunmehr über 29 Jahren im Amt ist.

          Das sind noch fünf Jahre mehr als Herrmann, der nun nach 24 Jahren an der Spitze der TUM als dienstältester Präsident und nach insgesamt fünf Amtszeiten Ende September in den Ruhestand tritt. Nach eigenem Bekunden freut er sich darauf und hat auch schon Pläne: So lange wie möglich will er sich für die Tochter-Institution der TUM in Singapur engagieren.

          Restaurierung zur Exzellenz

          Das Gewerbesteueraufkommen Burghausens ist durch den größten Chemiestandort in Bayern mit der Wacker AG so hoch, dass der Bürgermeister es sich leisten konnte, auch im nahe gelegenen Kloster für Erhaltung und Ausbau zu sorgen. Raitenhaslach, so berichtet Herrmann, sei ihm schon bei der ersten Runde der Exzellenzinitiative wieder eingefallen. Damals aber war das riesige Prälatengebäude mit seinen historischen Räumen, heute Seminar- und Tagungsräumen mit einem wunderbaren barocken Festsaal, noch weit von einer Restaurierung entfernt. Wäre Steindl nicht bereit gewesen, das Dach zu sanieren und manches Gemälde zu restaurieren, wäre es weitaus schwieriger geworden, auch die Staatsregierung in München dazu zu bewegen, zehn Millionen Euro für Raitenhaslach lockerzumachen.

          Heute ist Raitenhaslach ein Tagungszentrum der TUM, das alle Professoren zu nutzen wissen. Jeder von ihnen bekommt 5000 Euro pro Jahr, die er für eine wissenschaftliche Tagung dort ausgeben kann. Nicht nur ausländische Wissenschaftler mit neobarocken Nachbauten in den eigenen Ländern sind beglückt, wenn sie in der eigenen Atmosphäre dieses Ruhezentrums mitten in der Natur sein können, sondern auch sonstige Tagungsgeplagte, die hier gar nicht so leicht wegkommen.

          Neuer Glanz: Wolfgang Herrmann machte die TU München zur Exzellenzuniversität.
          Neuer Glanz: Wolfgang Herrmann machte die TU München zur Exzellenzuniversität. : Bild: dpa

          Herrmann ist fest im Katholizismus verwurzelt und auch sehr volksverbunden. Tags darauf wird er wieder als Ehrenbürger Straubings auf einer Festkutsche beim traditionellen Gäubodenfest mitfahren, das gefällt ihm sichtlich. Mit dem Münchner Kardinal Marx hat er gerade einen schweren Briefwechsel, weil der bei einem Israel-Besuch vor kurzem sein Bischofskreuz abgelegt hatte. Das war dem forschen Herrmann, der bayerisch gradeaus redet und doch so viel taktisches Kalkül hat, zu viel Anbiederung.

          Er hat einen alten Pfarrhof in Garching an der Alz gekauft, dort spielt er, der als Jugendlicher von einer Pianistenkarriere träumte, sonntags die Orgel. Vor den alljährlichen Adventskonzerten der TUM im Münchner Gasteig, zu denen morgens und abends insgesamt 5000 Besucher kommen, übt er, was das Zeug hält. „Man darf seine Talente nicht verkommen lassen“, das sei auch eine Erziehungsbotschaft, und man müsse arbeiten, arbeiten, arbeiten, sagt er in fast calvinistischer Manier.

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