https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/wirtschaftskriminalitaet-polizei-sucht-quereinsteiger-15833118.html

Wirtschaftskriminalität : Den Tätern auf der Spur

  • -Aktualisiert am

Blaulicht und Razzia sind gar nicht so häufig: Wirtschaftskriminalisten habe viel Schreibtischarbeit Bild: dpa

Wirtschaftsverbrecher rauben dem Staat viel Geld. Die Verbrechen aufzudecken, ist oft komplex. Die Polizei setzt darum auf Quereinsteiger.

          5 Min.

          Anlagebetrug in großem Stil, Abzocke im Internet, Mauscheleien im Gesundheitswesen oder der Abgasschwindel bei den Autoherstellern. Die Wirtschaftskriminalität zeigt sich in vielen Facetten. Allein beim baden-württembergischen Landeskriminalamt laufen gegenwärtig 72 Großverfahren, mit denen sich die weit mehr als 100 Mitarbeiter umfassende Abteilung für Wirtschafts- und Umweltkriminalität und Korruption zu befassen hat. Die Ermittlungen übernehmen meist traditionell ausgebildete Kripobeamte. Doch nicht alle Mitarbeiter der Abteilung haben die klassische Polizeiausbildung absolviert.

          Unter ihnen sind neuerdings auch Wirtschaftskriminalisten zu finden. Das sind Kriminalbeamte mit einer Spezialausbildung, die zunächst bei einer Bank, bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder in der Industrie tätig waren, bevor sie zur Polizei kamen, wie Abteilungsleiter Thomas Lutz berichtet. Diese Sonderlaufbahn für Seiteneinsteiger gibt es nicht in jedem Bundesland. Analina Wütherich, 35 Jahre alt, und Olaf Busch, 49 Jahre alt, gehören zu den 125 Wirtschaftskriminalisten, die die seit 1999 in Baden-Württemberg angebotene und ein Jahr dauernde Spezialausbildung durchlaufen haben.

          Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler mit Berufserfahrung

          Voraussetzung dafür seien ein einschlägiges Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftswissenschaft oder Wirtschaftsrecht und mindestens drei Jahre Berufserfahrung, wie Lutz berichtet. In der Regel sind daher die Einsteiger mindestens 25 Jahre alt. Wütherich kam eher durch Zufall zum Landeskriminalamt nach Stuttgart. Nach klassischer Bankausbildung, Wirtschaftsrechtsstudium und dem anschließenden Master in Betriebswirtschaft und zuletzt mehr als sechs Jahren Tätigkeit bei einem Wirtschaftsprüfer wollte sie etwas Neues machen. „Ich habe in einer Internetsuchmaschine die entsprechende Stellenanzeige entdeckt“, sagt die Betriebswirtin, die Anfang des Jahres ihre Ausbildung abgeschlossen hat.

          Die umfasste zum einem das Pauken der einschlägigen Gesetzestexte und zudem verschiedene Kurzpraktika. Wütherich hospitierte bei den Drogenermittlern und bei den für Finanzermittlungen und Betrug zuständigen Abteilungen und machte auch eine ganz neue Erfahrung: „Bevor ich zur Polizei ging, hatte ich noch nie eine Waffe in der Hand“, sagt sie. Aber natürlich erhalten die Seiteneinsteiger auch eine Schießausbildung.

          Wütherich greift bei ihrer jetzigen Tätigkeit auf ihre zuvor in der freien Wirtschaft gesammelten Erfahrungen zurück. Da fällt beispielsweise der Umgang mit betrügerischen Geschäftsinhabern leichter, die Gelder von gutgläubigen Anlegern verschoben haben. „Ich bin von früher den Umgang mit Geschäftsführern oder Buchhaltern gewohnt.“ Andere müssen das erst lernen. Die Motive, warum die früher in der Wirtschaft tätigen Mitarbeiter zur Polizei wechseln, sind recht unterschiedlich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          TV-Kritik „Hart aber fair“ : Hört auf diese Frau

          Börsenexpertin Anja Kohl fährt die sozialpolitischen Krallen aus. Bei Frank Plasberg erteilt sie Lektionen zu Preissteigerungen, mit denen anwesende Abgeordnete eigentlich etwas anfangen könnten. Wenn sie sich nicht an überholte Konzepte klammerten.
          Freude pur mit Plattenhardt (l.): Hertha BSC Berlin bleibt in der Bundesliga

          Bundesliga-Relegation : Plattenhardt rettet Hertha

          Der Berliner Linksverteidiger bereitet das 1:0 vor und erzielt den entscheidenden zweiten Treffer. Hertha bleibt in der Bundesliga, die Mission von Trainer Magath „ist jetzt beendet“. Der HSV muss in sein fünftes Zweitligajahr.
          Eine Trage steht in der Hinrichtungskammer eines Gefängnisses im US-Bundesstaat Oklahoma.

          In 18 Ländern : 2021 gab es wieder mehr Hinrichtungen weltweit

          Iran und Saudi-Arabien gehören zu den Ländern die vergangenes Jahr deutlich mehr Häftlinge getötet haben. In den USA ging die Zahl zurück. In die insgesamt 579 Fälle nicht einberechnen konnte Amnesty International eine vermutlich vierstellige Dunkelziffer aus China.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Stellenmarkt
          Jobs für Fach- und Führungskräfte finden
          Zertifikate
          Alle exklusiven Zertifikate im Überblick
          Englischkurs
          Lernen Sie Englisch