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Wirtschaftskrieg : Von der Kunst, den Gegner aufzuhalten

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Dort konzentriert man sich vor allem auf vier Lernbereiche: Unternehmensstrategien und Umgang mit Machtkämpfen; Informationsbeschaffung im Internet, Datenbanken sowie im direkten Kontakt mit Unternehmensvertretern; Recherche von Informationen; schließlich Nutzen von Informationen. "In den einzelnen Lehrveranstaltungen", hat Christoph Maas festgestellt, "wird es sehr schnell konkret." Viele Dozenten kommen aus der Praxis, sind Manager, Diplomaten, Offiziere, Sicherheitsexperten, renommierte Hochschullehrer, Profiler oder, wenn es um den Einsatz der modernen Kommunikationstechnologien geht, auch schon einmal Vertreter aus der Hackerszene. "Sie alle", sagt Maas, "wissen überaus genau, wovon sie sprechen."

Vollständig auf Französisch

Freilich erfolgt der Studienbetrieb vollständig auf Französisch. Hierin müssen die ausländischen Studenten absolut sattelfest sein. Auch Maas, obschon durch seinen vormaligen Schweizer Arbeitgeber französische Konversation gewohnt, mußte sich die ersten Wochen ganz schön ins Zeug legen. Die bunte interdisziplinäre Zusammensetzung der Studiengruppe empfindet er indessen als Bereicherung. "Der von den Teilnehmern eingebrachte Input an Wissen und Erfahrung fordert und fördert enorm." Über die Hälfte der Studenten verfügen bereits über ein erstes abgeschlossenes Studium, die anderen müssen als Zulassungsvoraussetzung auf wenigstens fünf Jahre Berufspraxis verweisen können. Was Maas besonders schätzt, ist die unkomplizierte Offenheit, mit der er von seinen französischen Kommilitonen von Beginn an akzeptiert ist. Tatsächlich entflechte die globale Perspektive der EGE auch den eigenen Horizont von allen Provinzialitäten.

Den Angriff ausreden

Das gilt in gleicher Weise für Ziele und Methoden, denen man sich verpflichtet weiß. "Wir lehren", erklärt Harbulot, "nicht die Verbreitung falscher Informationen, sondern die Kunst, den Gegner aufzuhalten." Dazu nutze man die Instrumente militärischer Planung und adaptiere sie für die Wirtschaftswelt. Es gehe um die Vermittlung von Kompetenzen für erfolgreiches Informationsmanagement in einem feindlichen Umfeld. Die beste Verteidigung sei schließlich immer noch, dem Gegner den geplanten Angriff auszureden, argumentiert der Direktor der EGE, wohl wissend, daß jeder Sieg neue Gegner auf den Plan ruft. Deshalb lehrt er seine Studenten mit der manchmal unerbittlichen Strenge des Analytikersauf Informationen fußende, logisch konsistente Beweisführungen. Eine einzige dafür fehlende Information, so sein Credo, könne zur unternehmerischen Katastrophe führen. "Geschlagen zu werden", zitiert er Napoleon, "ist verzeihlich, sich überraschen zu lassen jedoch unentschuldbar." Hätte es die Ecole de Guerre Economique schon zu Zeiten Xerxes gegeben, vielleicht wäre ihm mit einem dort ausgebildeten Berater an der Seite die Niederlage vor Salamis erspart geblieben.

Ein dem "Business Intelligence-Strategies" der Ecole de Guerre Economique vergleichbares Studienangebot existiert an deutschen Universitäten bislang nicht. Einzig die Universität Lüneburg bietet innerhalb des Studiums Betriebswirtschaftslehre eine Lehrveranstaltung "Security Management" an. Doch geht es dort stark eingeengt lediglich um den defensiven Aspekt der konventionellen Form von Wirtschaftsspionage und deren moderne Techniken. Demgegenüber versteht die Ecole de Guerre Economique ihr Konzept als in eine ganzheitliche Unternehmensstrategie eingebettete und ergänzende Managementtheorie. Seit kurzem werden in Paris für bereits berufstätige Manager auch Seminare zu einzelnen Themenbereichen angeboten.

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