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Modebegriff „Resilienz“ : Wir Stehaufmännchen

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Bild: Picture-Alliance

Resilienz meint die Fähigkeit, mit Druck von außen fertig zu werden, ohne Schaden zu nehmen. In den letzten zehn Jahren hat der Begriff eine erstaunliche Karriere gemacht. Wie kam es dazu?

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          Sie wolle „keine Wette eingehen, wer hier im Hause weiß, was Resilienz ist“, sagte die Grünen-Abgeordnete Christine Stihl während einer bildungspolitischen Debatte im Bayerischen Landtag. Das war 2005. Heute wäre diese Wette nicht mehr so riskant. Denn der Ausdruck, der zu Beginn dieses Jahrhunderts in deutschen Wörterbüchern noch nicht verzeichnet war, ist in rasender Geschwindigkeit zum Schlagwort geworden, in Politik, Wissenschaft, Pädagogik, Psychologie, eigentlich überall.

          Seine Kernbedeutung ist „Elastizität“ im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, also die Fähigkeit, mit Druck von außen fertig zu werden, ohne Schaden zu nehmen. Elastisch ist auch das Wort selbst, das mittlerweile die unterschiedlichsten Fachgebiete überspannt. Ingenieure bezeichnen damit Baustoffe, die sich unter Belastung vorübergehend verformen, statt zu brechen, Psychologen die Fähigkeit, Stress zu bewältigen, Mediziner das schnelle Regenerationsvermögen von Organen. Aber auch wenn es um gefährdete Ökosysteme oder heruntergekommene Stadtteile, um erodierende Staaten, trudelnde Finanzmärkte oder terroristische Bedrohungen geht, verheißt „Resilienz“ die Heilung aller Schäden.

          Was genau damit jeweils gemeint ist, ob Widerstands-, Anpassungs-, Rückbildungs- oder Regenerationsfähigkeit, bleibt allerdings im Ungefähren. Gerade diese Dehnbarkeit macht das Wort für Verbundforscher und Projektantragsteller aller Disziplinen so attraktiv. Allein die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert zurzeit vier große Vorhaben, die „Resilienz“ im Titel führen. Dabei geht es um soziale Umbrüche im Mittelalter, die Erregbarkeit neuronaler Schaltkreise, gesellschaftliche Strukturen im iranischen Hochland und die tröstende Wirkung der Religion. Selbst die Juristen veranstalten inzwischen Tagungen zur „Resilienz des Rechts“.

          Geprägt wurde der Begriff, der im lateinischen „resilire/zurückspringen“ wurzelt, im siebzehnten Jahrhundert von Francis Bacon. Der Philosoph bezeichnete damit physikalische Rückkoppelungen unterschiedlichster Art. „Resilience“, das seine Bedeutung bald auf emotionale Zustände ausdehnte, wurde Teil des englischen Bildungswortschatzes und avancierte nach dem Ersten Weltkrieg angesichts traumatisierter Kriegsteilnehmer zu einem Schlüsselwort der Psychologie. Die eingedeutschte „Resilienz“ hingegen blieb bis weit in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein ein spezieller Terminus der Naturwissenschaften und der Medizin. Nur selten überschritt das Wort die Fachgrenzen: Ende der sechziger Jahre konstatierten Sozialwissenschaftler die „Resilienz“ des Kapitalismus, und 1988 definierte Carl Friedrich von Weizsäcker das Wort als „die stehaufmännische Wiederherstellung nach Krisen“. Das Krisenbewusstsein hat sich seitdem noch einmal verstärkt, und es ist kein Zufall, dass auch der Gegenbegriff der „Resilienz“ gerade Konjunktur hat – die „Disruption“, die den radikalen gesellschaftlichen Umbruch bezeichnet. Im Begriff der „Resilienz“ verdichtet sich die Hoffnung auf Beständigkeit gegenüber der Macht der Disruption.

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