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Start-Ups : Erst das Du – und dann?

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Die Grenzen der Coolness: Viele Start-ups finden, dass Mitbestimmung ein Minusgeschäft ist. Bild: Andreas Pein

Starts-ups und Betriebsräte – das scheint oft nicht zusammenzupassen, weil manche Gründer sie häufig als Relikte aus einer alten Welt ansehen. Dabei gibt es gute Gegenbeispiele.

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          Offene Großraumbüros mit Tischkicker und flauschiger Sitzecke, Gratisbier im Kühlschrank und natürlich per Du mit dem Chef: Wenn die deutsche Gründerszene in Stellenanzeigen um Talente wirbt, liest sich das oft wie die perfekte Mischung aus Arbeit, Spaß und Anerkennung. Sobald es aber um betriebliche Mitbestimmung geht, ist es schnell vorbei mit dem Arbeitnehmerparadies. Im vergangenen Jahr sorgte die Smartphone-Bank N26 für Schlagzeilen, weil das Management Mitarbeitern die Gründung eines Betriebsrats erschwert hatte. In einer internen Mail an die Belegschaft ließ der Vorstand verlauten, ein deutscher Betriebsrat stehe „gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben“. Am Ende lenkte die Konzernführung zwar ein und ermöglichte die Wahl – wohl aber vor allem aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit.

          Der Streit bei Deutschlands Vorzeige-Start-up zeigte, wie tief die Abneigung gegen Betriebsräte in den Köpfen vieler Gründer verankert ist. Für junge Unternehmen sind solche Gremien häufig Relikte aus einer alten Welt, die den Fortschritt behindern und das Wachstum bremsen. Das spiegelt sich auch in den Zahlen: Rechtlich anerkannte Mitarbeitervertretungen sind in deutschen Unternehmen ohnehin selten. Im Jahr 2020 verfügten nur acht Prozent aller Firmen in Deutschland über einen Betriebsrat, geht aus dem IAB-Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit hervor. In Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern ist der Anteil mit fünf Prozent noch geringer.

          Vor allem größere Unternehmen profitieren

          Dabei kann eine Zusammenarbeit von Mitarbeitervertretung und Unternehmensführung für beide Seiten von Vorteil sein, weiß Steffen Müller. Er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften, Produktivität und Innovation an der Universität Marburg und forscht seit Jahren zur Frage, wie sich betriebliche Mitbestimmung auf den Geschäftserfolg auswirkt. Müller sagt: Betriebsräte verbessern die Kommunikation im Unternehmen und sorgen dafür, dass sich Mitarbeiter gehört fühlen und seltener kündigen. Dadurch können Arbeitgeber gezielt in die Fähigkeiten ihrer Angestellten investieren, ohne sich sorgen zu müssen, dass sie das Unternehmen bald wieder verlassen. „Vergleicht man Unternehmen ohne Betriebsrat mit solchen, die eine Mitarbeitervertretung haben, kann man einen Produktivitätsvorsprung von 10 bis 15 Prozent beobachten“, sagt Müller.

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          Richtig ist aber auch, dass sich dieser positive Effekt aufs Tagesgeschäft vor allem bei größeren Unternehmen beobachten lässt. Je kleiner der Betrieb, desto besser ist oft der Draht zum Chef und umso weniger braucht es eine Mitarbeitervertretung als Vermittler zwischen Belegschaft und Führungsebene. Hinzu kommt, dass eine Mitarbeitervertretung für das Unternehmen mit Kosten verbunden ist. Es muss den Betriebsrat nicht nur für seine Tätigkeit freistellen, sondern auf Unternehmenskosten fortbilden. Für Firmen mit wenigen Mitarbeitern sei eine Mitarbeitervertretung empirisch betrachtet eher ein Nullsummenspiel, sagt Müller.

          Für bessere Kommunikation

          Es gibt aber eine Ausnahme: nämlich wenn es zwischen Mitarbeitern und Chefetage Reibereien gibt, die die Produktivität negativ beeinflussen. Dann kann ein Betriebsrat helfen, Missverständnisse auszuräumen und das Abwandern von Talenten zu verhindern. Damit sich positive Effekte zeigen, muss die Entzweiung nicht mal so groß sein wie bei N26, wo Mitarbeiter vor der Betriebsratsgründung in einem Brandbrief die miserablen Arbeitsbedingungen beklagten. Manchmal reicht die simple Erkenntnis, dass ein solches Gremium die Kommunikation erheblich verbessern könnte.

          Das zeigt das Beispiel „Massive Miniteam“ aus Köln. Der Entwickler von Videospielen und anderen interaktiven Anwendungen gehört zu den wenigen jungen Unternehmen in Deutschland, die über einen Betriebsrat verfügen. Als sie sich im Jahr 2020 für diesen Schritt entschieden, befand sich Massive Miniteam in einer Umbruchphase. Das Unternehmen war in wenigen Monaten stark gewachsen – und es war absehbar, dass sich der Trend fortsetzen würde. Die Gründer fürchteten, dass die alten Strukturen bald an Grenzen stoßen könnten, weil Massive Miniteam zu groß werden würde, um noch auf jeden Mitarbeiter individuell eingehen zu können.

          Und so wählte die Belegschaft im Sommer 2020 einstimmig Simon Kickartz zum Betriebsrat. Die ersten Monate waren hart, erinnert sich der 3-D-Künstler. Ständig jonglierte er zwischen Meetings mit Kunden, Deadlines und seiner Betriebsratstätigkeit hin und her. Mittlerweile aber habe sich ein guter Rhythmus eingependelt, erzählt Kickartz. Erste Erfolge sind sichtbar: So konnten Missverständnisse schneller bemerkt und ausgeräumt werden, und auch Bewerber berichten in Vorstellungsgesprächen, dass der Betriebsrat für sie ein Plus gewesen sei. Seit der Gründung ist das Team von acht auf 21 Beschäftigte angewachsen. Als nächsten Schritt plant Massive Miniteam, das Gremium von einer auf drei Personen auszuweiten.

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