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Karrierepfade, Teil 9 : Wie wird man CFO bei Borussia Dortmund, Herr Treß?

Diese Gemengelage macht seinen Job zu einem Sonderfall. Denn das Erzielen von Gewinnen und das Anhäufen finanzieller Reserven stehen in dieser Rolle nicht im Vordergrund. Die Fans von Borussia Dortmund schauen vor allem auf eines: den sportlichen Erfolg. Diese Tatsache entwickelt einen ungeahnten Druck, Gelder vorschnell in Spieler zu stecken. „Weder kurzfristige Gewinnmaximierung noch kurzfristige sportliche Erfolge sind der richtige Weg.“ Vielmehr ist es Teil seines Jobs, das sportlich Gewünschte am unternehmerisch Möglichen zu messen – und daraus Empfehlungen abzuleiten, die das Gesicht von Borussia Dortmund entscheidend prägen.

Thomas Treß: „Sport ist kein mathematischer Prozess“

Dabei muss er eine unumstößliche Einschränkung in Kauf nehmen: Dass sportlicher Erfolg nicht kalkulierbar ist. Weil er von Transfers, Schiedsrichterentscheidungen, sportlichen Formkurven abhängt. „Sport ist kein mathematischer Prozess. Meine Aufgabe ist es, die Wahrscheinlichkeit des sportlichen Scheiterns bei meiner Arbeit abzuwägen.“ Dafür dürfe er sich nicht emotional in das Fan-Dasein fallenlassen, sondern müsse mit ruhiger Hand, Abgeklärtheit, Verbindlichkeit agieren.

Borussia Dortmund ist auch dank Thomas Treß ein solides Unternehmen - mit einem riesigen Fanpotential.

Nach dem finanziellen Turnaround zwischen 2006 und 2008 und der folgenden Konsolidierung folgten kurz darauf sportliche Erfolge, mit denen so schnell keiner gerechnet hatte: die
deutsche Meisterschaft 2011 und 2012, der Einzug ins Champions-League-Finale 2013, das Dortmund knapp gegen den deutschen Vorzeigeklub Bayern München verlor.

Apropos Bayern: Trotz einer, vor allem mit Blick auf die Historie, mittlerweile komfortablen finanziellen Situation und trotz des neuerlichen sportlichen Höhenflugs unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel sieht es Thomas Treß als Irrglauben an, mittelfristig die Vormachtstellung der Bayern ins Wanken bringen zu können. Stattdessen gelte es, möglichst immer international vertreten zu sein – und sich gegen die nationale Konkurrenz etwa aus Wolfsburg, Leverkusen und vor allem aus dem benachbarten Gelsenkirchen-Schalke abzusetzen.

Nur zwei Tage nach dem Interview mit Thomas Treß gelang Borussia Dortmund im für die Fans so wichtigen Revierderby gegen den Nachbarklub in der Bundesliga ein 3:2-Erfolg. Thomas Treß saß bei dem Spiel auf der Bühne, weitgehend unbemerkt, aber dennoch zufrieden. Auch außerhalb des öffentlichen Fokus genießt er das Gefühl, einen Anteil am Erfolg des Klubs zu haben – immerhin hat sich seit seinem Amtsantritt allein der Erlös aus dem Verkauf der Fanartikel auf 40 Millionen Euro verzehnfacht. Bejubelt wurden gegen Schalke aber wieder die anderen: Shinji Kagawa zum Beispiel, den man einst für 350.000 Euro nach Dortmund lotste, zwei Jahre später für 16 Millionen an Manchester United verkaufte und wiederum zwei Jahre später für die Hälfte der Summe zurückholte. „Natürlich hatten wir auch ein wenig Glück“, so Treß. Gegen Schalke schoss Kagawa ein Tor, seine Autogrammkarten gehen in Dortmund weg wie warme Semmeln.

Auch von Thomas Treß gibt es Autogrammkarten. Es ist so ziemlich das Einzige, was ihn aus seiner Sicht mit dem Ruhm der Spieler verbindet. Doch im gleichen Atemzug schränkt er diese Verbindung schon wieder ein: „Meine Autogramme sind bei weitem nicht so begehrt.“

Treß’ Karrieretipps

- Studenten sollten am Anfang ihres Studiums das Handwerkszeug lernen und sich erst dann auf ein Spezialgebiet festlegen.

 
- Die Studienzeit ist die beste Zeit für die Persönlichkeitsentwicklung. Studenten ist dabei auch ein Auslandsaufenthalt immer zu empfehlen.

 
- Mit einem Bachelor können Studenten in der Regel fachlich und persönlich nicht am Markt bestehen. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel.

 

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