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Karrierepfade, Teil 9 : Wie wird man CFO bei Borussia Dortmund, Herr Treß?

Thomas Treß: Vom Wirtschaftsprüfer zu Borussia Dortmund

Daran änderten auch die harten Examen zum Wirtschaftsprüfer und Steuerberater nichts, die er ab 1993 parallel zu seinen ersten Jahren bei PwC absolvierte. „Das war ein hartes Brot“, erinnert er sich. Während die Freunde feiern gingen, musste er büffeln. Aber es war die richtige Wahl: Er habe die Vielfalt des Berufs kennengelernt – und dass Wirtschaftsprüfer nicht nur Häkchenmacher seien, sondern eine wichtige gesellschaftliche Kontrollfunktion hätten, sagt er.

Nach dem Wirtschaftsprüfer-Examen allerdings ging seine Zeit bei PwC zu Ende. Man sagte ihm, wenn er sich jetzt richtig anstrenge, könne er Partner werden. „Die wollten funktionierende Rädchen im System, keine Querdenker.“ Doch ein Rädchen wollte er nicht sein. Er hatte Glück, wurde von einem Personalberater abgeworben und ging zu RoelfsPartner. „Hier war ich viel breiter und unternehmerischer aufgestellt.“ Heute Fusion, morgen Börsengang, übermorgen Sanierung. Er war an seinem Ziel angekommen.

Einer seiner Kunden war auch das Unternehmen Borussia Dortmund, das als Folge einer katastrophalen Finanzpolitik 2004 kurz vor der Insolvenz stand und bei Roelfs um Unterstützung anfragte. Treß half aus, und die Borussia wollte ihn abwerben. Mehrere Monate lang habe man versucht, ihn zu überzeugen, erzählt Treß, „doch die Borussia war eine heiße Herdplatte.“ Er: in sicherer Position, mit vielseitigen Aufgaben. Der BVB: in unsicherer Lage, knapp an der Insolvenz vorbeigerauscht, noch lange nicht wieder saniert. „Der Erfolg hat viele Väter, mit der Niederlage sind oft nur wenige Namen verbunden“, so Treß. Hätte er den BVB nicht sanieren können, einer dieser Namen wäre seiner gewesen. Ein großes Risiko.

Borussia Dortmund: Finanzieller versus sportlicher Erfolg

Er hat es genommen. Wirtschaftsprüfer wechseln nicht selten die Seite, sind in der Wirtschaft vor allem in Finanzabteilungen begehrt. Irgendwann verliere es seinen Charme, anderen zu sagen, was sie zu tun hätten, findet Treß. „Ich wollte meine eigenen Konzepte machen, selbst Entscheidungen treffen und dafür auch die Konsequenzen tragen.“ Das durfte er beim BVB.

Seitdem ist es ihm gelungen, den Verein und das Unternehmen wieder auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. 2005 hatte der BVB bei etwa 80 Millionen Euro Umsatz rund 200 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten und zudem das Stadion verkauft. Mittlerweile ist der Klub schuldenfrei, wieder im Besitz der Arena und hat allein in den vergangenen drei Geschäftsjahren einen Gewinn in Höhe von 100 Millionen Euro erwirtschaftet.

Deutscher Meister 2011: Als Borussia Dortmund 2011 den Titel feierte, war Finanzchef Thomas Treß (rechts) mittendrin. Doch eigentlich lässt er Personen wie (von links) Hans-Joachim Watze, Thomas Klopp und Michael Zorc in der Öffentlichkeit lieber den Vortritt.

Heute schaut sich Treß jedes Heimspiel des Klubs an, ab und an auch mal eine Auswärtspartie. Wer bei Borussia Dortmund arbeitet, muss verstehen, wie die Region tickt und für den Fußball lebt. Und das geht am besten im Stadion, beim Blick auf die Südtribüne, auf der bei jedem Bundesligaspiel 25.000 Menschen stehen. Es ist die größte Stehplatztribüne Europas. „Der Fußball hat hier eine hohe Bedeutung, das muss man wissen.“ Borussia Dortmund, das sei eine große Familie. Und in einer Familie, so Treß, seien gewisse Dinge ausgeschlossen. „Der Fan gibt dem Verein einen Vertrauensvorschuss.“ Und dieser muss zurückgezahlt werden, durch vertretbare Eintrittspreise, durch konsequentes Vorgehen gegen radikale Fangruppen, durch ein klares Markenversprechen – und durch eine konsistente und nachhaltige Finanzpolitik.

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