https://www.faz.net/-gyl-agxcm

Rassismus im Berufsleben : Und wo kommen Sie her?

Bunte Mischung: Auch Arbeitgeber profitieren von Vielfalt. Bild: © Images.com/Corbis

Hautfarbe und Herkunft sind im Berufsleben heutzutage kein Thema mehr? Doch! Bloß nicht immer auf den ersten Blick. Dabei bieten verschiedene Perspektiven nur Vorteile im Beruf. Was Betroffene im Fall der Fälle tun können.

          7 Min.

          „Von Ihnen lasse ich mich nicht behandeln. Schicken Sie mir eine Kollegin!“ Nachdem die Dentalhygienikerin, deren Eltern aus Nordafrika stammen, das Behandlungszimmer betreten hatte, verließ der Patient den Raum und verlangte vom Praxisinhaber eine „weiße Kollegin“. Damit biss er allerdings auf Granit: „Frau S. ist eine meiner besten Fachkräfte, entweder Sie lassen sich von ihr behandeln oder Sie müssen sich eine andere Praxis suchen.“ Vorbildlich, wie der Zahnarzt reagierte. Was man aber erwähnen sollte: Seine Ehefrau ist dunkelhäutig, er ist für das Thema sensibilisiert. Zweimal, so berichtet die Dentalhygienikerin, sei ihr so eine Ablehnung in fünf Jahren passiert. „Vergessen habe ich das nie.“

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit ihrer Erfahrung steht die Angestellte nicht allein da. Laut einer Umfrage des Vereins „Gesicht Zeigen“ und EY vom Sommer 2020 wurden 17 Prozent der Beschäftigten schon einmal Zeuge einer rassistischen Diskriminierung von Kollegen. Auch 15 Jahre nach Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, nach dem Menschen unter anderem wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion nicht benachteiligt werden dürfen, gibt es noch viel Handlungsbedarf. So vermeldet der aktuelle Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dass ein Drittel aller Anfragen im Zusammenhang mit Rassismus stehen, 23 Prozent davon seien Erfahrungen am Arbeitsplatz.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Wie sensibel darf es sein? Der Philosoph Richard David Precht während der phil.Cologne im September 2021

          Precht und Flaßpöhler : Sie nennen es Freiheit

          Die haltlosen Behauptungen der Impfskeptiker dringen immer weiter in die bürgerliche Mitte vor. Für die neue pandemische Situation ist das fatal.
          Nicht immer die beste Geldanlage: Aktien

          Tipps zum Umgang mit Geld : Wie Sie die Schulden wieder loswerden

          Wer viel Geld auf dem Girokonto hat, muss Strafzinsen zahlen. Deswegen würden viele Anlegern jetzt gerne alte Kredite schneller tilgen, doch die Banken blockieren. Mancher Weg aus diesem Dilemma erfordert starke Nerven.
          Gegenwind: Der amerikanische Präsident Joe Biden am  28. November am Flughafen von Nantucket

          Nord Stream 2 : Platzt der deutsch-amerikanische Deal?

          Im Senat kämpfen einige Republikaner für neue Sanktionen gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Sie wollen Präsident Joe Biden die Möglichkeit nehmen, Ausnahmen zu erteilen. Doch Berlin versucht zu überzeugen.