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Pfarrer in vier Semestern : Theologie im Schnelldurchlauf

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Theologie im Schnelldurchlauf: Kann das funktionieren? Gottesdienst in der Schlosskirche Wittenberg Bild: action press

Ein neuer Studiengang für die Weiterbildung nicht nur zum Pfarramt muss mit vier Semestern auskommen und wirft viele Fragen auf. Von einem gleichwertigen Ausbildungsweg ist jedenfalls nicht zu sprechen.

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          Neuerdings macht an einigen Evangelisch-Theologischen Fakultäten in Deutschland ein Masterstudiengang für ein verkürztes Studium der Theologie von sich reden. So können sich zum kommenden Wintersemester Interessenten um einen Studienplatz für einen „Master of Theological Studies“ in Greifswald bewerben. Die Fakultäten in Frankfurt und Mainz bieten ebenfalls zum Wintersemester einen gemeinsamen Studiengang an: in Frankfurt als „Evangelisch-Theologische Studien“, in Mainz wie in Greifswald als „Master of Theological Studies“. Die Kirchliche Hochschule Wuppertal plant die Einführung für das Jahr 2021. Dem Vernehmen nach wollen weitere Fakultäten folgen. In Heidelberg läuft ein solcher Masterstudiengang „Theologische Studien“ bereits seit 2013. Als Vorreiterin kann die Theologische Fakultät in Marburg gelten, die ihren ganz betont für Quereinsteiger konzipierten Studiengang „Master of Theology“ seit 2007 jeweils im Rhythmus von drei Jahren anbietet und gerade die fünfte Studentenkohorte ausbildet.

          Allen diesen Studiengängen ist es gemein, dass sie in vier Semestern direkt oder in sechs Semestern berufsbegleitend studiert werden können. Die Bewerber sollen einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss und eine auf diesem basierende mindestens fünfjährige Berufstätigkeit nachweisen – deshalb die Bezeichnung als „PfarrerInnen- und Weiterbildungsstudiengang“. Die Zulassung wird über ein Auswahlverfahren reguliert. Außerdem sind Abschlüsse in den biblischen Sprachen Hebräisch und Griechisch und eine Prüfung im Fach Bibelkunde nachzuweisen, wodurch sich bei den meisten der Studienaufwand um weitere zwei Semester verlängern dürfte.

          Dass es sich bei diesem Studienangebot um ein mit einem akademischen Magister gekröntes Nebenfachstudium aus der guten alten Vor-Bologna-Zeit handelt, wird man angesichts derartiger Regelungen kaum vermuten. Allerdings erwecken die Studienordnungen den Eindruck, dass man in ihrem Rahmen auch Theologie aus wissenschaftlichen Neigungen und Gründen der Bildung studieren könne. Ziel des Studiums sei es, so die vom Evangelisch-Theologischen Fakultätentag 2018 verabschiedete Rahmenordnung für den Studiengang, die im vorherigen Studium und Beruf erworbenen Kompetenzen mit Methoden und Inhalten evangelischer Theologie zusammenzuführen und so je nach fachlicher Voraussetzung der Studenten „eine individuelle theologische Profilbildung“ zu fördern. Ausdrücklich heißt es: „Ein gemäß dieser Rahmenordnung gestalteter Masterstudiengang qualifiziert für die Wahrnehmung theologischer Aufgaben in verschiedenen beruflichen Kontexten innerhalb und außerhalb der Kirche.“

          „Unis öffnen für Quereinstieg in den Pfarrberuf“

          Aus der Frankfurt-Mainzer Prüfungsordnung ergibt sich an dieser Stelle ein ganzer Reigen beruflicher Möglichkeiten: Tätigkeiten im theologischen Verlagswesen, in Medienanstalten, im Buchhandel, in Bibliotheken, Museen, Sammlungen, Archiven, in Redaktionen und Presseabteilungen, in der Fachpublizistik, in der Arbeit in kirchlichen Einrichtungen, in christlichen Bildungs- und Kultureinrichtungen und schließlich „in kirchlicher Gemeindearbeit (Vikariat, Pfarrdienst)“. Kirchlicher Vorbereitungsdienst und Pfarrdienst rangieren an allerletzter Stelle. Hingegen titelte die für den Studiengang werbende Pressemitteilung der zuständigen Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau am 1. Juli frohgemut „Unis öffnen für Quereinstieg in den Pfarrberuf“. Die Landeskirche habe die Einrichtung des Masterstudiengangs finanziell gefördert, denn sie suche theologisch interessierte Menschen und möchte ihnen einen Zugang zum Pfarrberuf ermöglichen.

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