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Programmierschule 42 : Die Nerds von morgen

  • -Aktualisiert am

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche und erfordert enorm viele Fachkräfte. Bild: dpa

Die Programmierschule 42 wirft alte Bildungsmodelle über Bord: Studienabbrecher werden ebenso gefördert wie junge Menschen ohne Ausbildung. Denn der IT-Branche mangelt es nach wie vor an Fachkräften.

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          Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Sie gilt als wichtigste Technologie der Zukunft und wird praktisch in allen Bereichen eingesetzt. Für den 30 Jahre alten Programmierer Emil Wallner stellen sich da ganz neue Fragen: „Ich finde es auch spannend, zu überlegen, was Kreativität eigentlich ist: Kann eine KI einen Artikel schreiben, der uns etwas Neues lehrt, ein Gemälde schaffen, das eine fesselnde Botschaft hat, oder ein Lied schreiben, das ich in der Dauerschleife höre?“, fragt der IT-Fachmann. Er ist zuletzt im Bereich der automatisierten Kolorierung tätig gewesen.

          Bei der Kolorierung gebe man einem Algorithmus ein Schwarzweißfoto und die entsprechende Farbversion. „Nach ein paar Millionen Beispielen lernt das System, wie der Algorithmus konfiguriert sein muss, um jedes Schwarzweißfoto in Farbe zu übersetzen“, erläutert Wallner, der derzeit bei Google in Paris im dortigen Arts & Culture-Laboratorium tätig ist. „Wir untersuchen, wie man Kunst und Kultur unterhaltsam, lehrreich und interaktiv gestalten kann.“ Das Rüstzeug dafür hat sich der Schwede an der Programmierschule 42 in der französischen Hauptstadt geholt.

          Diese sucht keine Computerfreaks, Sonderlinge oder Streber, sondern junge Leute, die einmal im Bereich der Informationstechnologie arbeiten und Karriere machen wollen. Auch wenn sie noch gar nicht wissen, in welchem Bereich. An solche Menschen wendet sich die Programmierschule 42, die eine etwas andere Art der Ausbildung anbietet. Es wird studiert, ohne Professoren, Vorlesungen, Noten, Anwesenheitspflicht – und dann auch in „Leveln“ (Module) statt Semestern. Die erste École 42 ist 2013 in Paris von dem französischen Milliardär und Unternehmer Xavier Niel ins Leben gerufen worden und soll den Unternehmen jene IT-Fachkräfte liefern, die momentan fehlen. Inzwischen gibt es ein Netzwerk von 31 weiteren solcher Ausbildungsstätten mit 10 000 Studenten. Sie sind auf der ganzen Welt verteilt.

          Ausbildung auch ohne Schulabschluss

          In Wolfsburg und in Heilbronn entstehen die ersten beiden deutschen Ableger. Ihren Namen hat die Schule von dem Roman und dem gleichnamigen Film „Per Anhalter durch die Galaxis“ des britischen Autors Douglas Adams. Die 42 ist dort die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Das Curriculum besteht aus 21 „Levels“. Stina Lützenkirchen aus Karlsruhe studiert seit November 2018 an der Schule in Paris. „Ich hatte schon immer Interesse an allem, was mit Computern zu tun hat“, sagt die 23-Jährige, die sich auch in Deutschland um einen Studienplatz für Medieninformatik beworben hatte. Doch die Ausbildung an der École 42, die allen auch ohne Schul- oder Hochschulabschluss und unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft offensteht, sagte ihr mehr zu als ein klassisches Universitätsstudium in Deutschland.

          Vor dem Umzug von Karlsruhe nach Paris stand aber erst einmal ein Auswahlverfahren der besonderen Art an: Zunächst gab es zwei Online-Tests zum Thema Logik, berichtet Lützenkirchen. „Das hatte noch nichts mit Programmieren zu tun.“ Die absolvierte sie erfolgreich und wurde dann zu Aufnahmeprüfung eingeladen. Dort wurden dann die ersten, einfachen Grundlagen der Programmierung vermittelt. Mit diesen Kenntnissen müssen die jungen Leute dann beispielsweise ein Programm schreiben, mit dessen Hilfe Sudokus gelöst werden können.

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