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Humboldt-Universität Berlin : Die Feigheit der Wissenschaft

Exzellent, aber bequem: Humboldt-Universität zu Berlin Bild: dpa

Der enge Mainstream hat die Hochschulen erreicht: Im Streit um ein Vorhaben des Berliner Historikers Jörg Baberowski entledigt sich die Humboldt-Universität eines politisch unliebsamen Professors.

          5 Min.

          Im Sommer sind die Universitäten tot. Der Lehrbetrieb ist eingestellt, die Prüfungsphasen gehen schnell vorbei, und die Wissenschaftler haben endlich Zeit, sich ihrer Forschung zu widmen, die vor lauter Verwaltungstätigkeit, Projektanträgen und Bologna-Bachelor-Master-Reformen brachliegt. Manchmal aber ist die Sommerpause auch eine gute Gelegenheit, unliebsame Sachverhalte möglichst ungesehen unter den Teppich zu kehren. Das Interdisziplinäre Zentrum für Diktaturforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) gehört zu diesen unangenehmen Dingen, derer sich die Universität am liebsten ohne viel Aufhebens entledigen würde.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Die Idee des Forschungszentrums geht auf den Historiker Jörg Baberowski zurück, der den dafür erforderlichen Antrag in Kooperation mit der juristischen Fakultät an der HU einreichen wollte. Wo sonst um ausreichend Mittel, Anerkennung der Wissenschaftler und die Relevanz ihrer Forschungsthemen gerungen wird, stand das Verfahren hier schon im Frühjahr auf dem Spiel, weil die Universität die Einhaltung grundlegender wissenschaftlicher Regeln nicht gewährleisten konnte. Noch während des Antragsverfahrens wurden aus dem Umfeld der Studentenvertretung via Twitter Inhalte aus den universitätsinternen Gutachten veröffentlicht, die zur Beurteilung des geplanten Projekts eingeholt worden waren.

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