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Plump rechts : Ein Dresdner Kollege übt Kritik an Patzelt

  • Aktualisiert am

Chemnitz im September 2018 Bild: Picture-Alliance

Die Online-Petition Werner Patzelts zu den Vorfällen in Chemnitz stößt auf Kritik unter Fachkollegen. Der Historiker Gerd Schwerhoff formuliert scharf in einem offenen Brief.

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          Gerd Schwerhoff, Professor für Geschichte der frühen Neuzeit an der Technischen Universität Dresden, hat einen offenen Brief an seinen Fakultätskollegen Werner Patzelt gerichtet, in dem er scharfe Kritik an der Online-Petition äußert, mit welcher der Politikwissenschaftler von Bundeskanzlerin Angela Merkel Auskunft über die Informationen verlangt, auf deren Grundlage sie von Hetzjagden in Chemnitz gesprochen hat. Patzelt hatte auf einen Artikel in der „Chemnitzer Freien Presse“ verwiesen, in dem deren Chefredakteur Torsten Kleditzsch erläuterte, warum seine Zeitung den Begriff nicht verwende.

          In Schwerhoffs Lesart brachte Kleditzsch die Einsicht zum Ausdruck, dass es in dieser terminologischen Einschätzungsfrage nicht einfach um die Alternative von Wahrheit oder Lüge gehe. Zu Unrecht habe sich Patzelt auf die Zeitung berufen: „Genau dieses Bemühen um Differenzierung geht Ihrem Aufruf völlig ab, der ein erschreckend dichotomes Weltbild zu erkennen gibt.“ Die „vordergründig naiv daherkommende Behauptung“ Patzelts, er habe als Wissenschaftler lediglich eine „Bitte um Aufklärung eines Widerspruchs“ formuliert, bewertet Schwerhoff als „Beleidigung der Intelligenz des Lesers“. Denn die Petition löse den vermeintlichen Widerspruch selbst schon auf, mit dem Diagramm einer „Lügenspirale“, das eine „plumpe rechtsextreme Verschwörungstheorie“ reproduziere. Schwerhoff artikuliert die Hoffnung, dass „der Wissenschaftler Patzelt über den politischen Agitator Patzelt wieder die Oberhand gewinnen könnte, auch und gerade im Interesse der TU Dresden“.

          Patzelt hat Schwerhoff geantwortet, ohne auf die Kritik in der Sache einzugehen. Stattdessen wirft er seinen Kritikern Hochmut vor: „Woher nehmen sie die Dreistigkeit, jemandem eine zweifelhafte demokratische Haltung anzudichten, der allgemein für Geradlinigkeit, für Sorgfalt beim Feststellen und Bewerten von Tatsachen sowie für jederzeitige Diskursoffenheit bekannt ist? Der obendrein in Forschung, Lehre und öffentlichem Wirken viel zum Verständnis von Deutschlands repräsentativer Demokratie und ihrer Probleme beigetragen hat?“

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