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Konzern vs. Start-up : Macher von morgen

  • -Aktualisiert am

Angehende Ingenieure können wählen: Wer im Konzern durchstartet, kann mit Anfang 20 schon seine erste Eigentumswohnung abbezahlen und seine Familie ernähren. Eine Karriere im Start-up dagegen kann jeden Tag vorbei sein, dafür bietet sie spannende Kontakte bei abendlichen Grillrunden auf Berliner Dachterrassen sowie viel Freiheit, um zu experimentieren und sich auszutoben. „Die schnellen Zyklen in Start-ups ermöglichen Innovationen, wie sie in keinem Konzern möglich sind“, sagt Nicolas Zimmer. „Gerade am Anfang der Karriere kann das für viele Ingenieure sehr bereichernd sein.“

Konzerne auf neuen Wegen

Auch Konzerne müssen sich wandeln, um zukunftsfähig zu bleiben. Bei der ENBW ist so der firmeneigene Innovationscampus entstanden. Hier arbeiten Teams an internen Projekten.
Auch Konzerne müssen sich wandeln, um zukunftsfähig zu bleiben. Bei der ENBW ist so der firmeneigene Innovationscampus entstanden. Hier arbeiten Teams an internen Projekten. : Bild: ENBW

Die Konzerne sind sich dessen bewusst. Im Vergleich zu kleineren Unternehmen sind sie träger, behäbiger. Entscheidungen müssen über verschiedene Ebenen abgesegnet werden, ziehen sich oft in die Länge, über neue Ausgaben wird manchmal monatelang debattiert. „Natürlich wird in einem Konzern anders gearbeitet als in einem Start-up, das liegt einfach am größeren Rahmen“, sagt Kristina Brehm, die beim Energieversorger ENBW für das Recruiting zuständig ist. Sie kennt die gängigen Vorurteile vieler Ingenieure, die oft nicht zutreffen, aber immer wieder potentielle Kandidaten abschrecken. Deshalb geht ENBW aktiv dagegen vor, mit Infoveranstaltungen und Projekten direkt an den Universitäten, beispielsweise an der RWTH Aachen, die als Eliteuni für Ingenieure gilt. Dort entwickelt der Konzern gemeinsam mit Studenten Projekte und zeigt, dass er durchaus in der Lage ist, dynamisch zu sein. „Der Markt wandelt sich und mit ihm die Ansprüche junger Nachwuchskräfte“, sagt Brehm. „Wir müssen uns weiterentwickeln, um zukunftsfähig zu bleiben.“

Auch im Alltagsbetrieb von ENBW werden Innovationen gefördert: In der Unternehmenszentrale in Karlsruhe gibt es seit zwei Jahren einen Innovationscampus. Der Campus ist ein Zufluchtsort für Teams, die an internen Projekten arbeiten und außerhalb der Konzernstrukturen Ideen professionell entwickeln wollen. „Gerade in der Energiebranche sind Innovationen sehr relevant, viele Nachwuchsmitarbeiter haben Spaß daran. Für uns ist es deshalb wichtig, diese Themen neben dem klassischen Geschäft im Blick zu haben“, sagt Brehm.

Der Gründer des studentischen Ingenieursbüros FutureING, Lars Boolzen, lässt sich von solchen Angeboten nicht überzeugen. „Ich möchte auf jeden Fall meine eigenen Ideen nach meinen Vorstellungen verwirklichen können“, sagt der Student. „Natürlich kann es schiefgehen, dann sitze ich in ein paar Jahren bei meinen Eltern und esse Cornflakes. Oder ich entwickle eine Idee, die von Microsoft für ein paar Milliarden gekauft wird, das weiß ja niemand. Aber das Risiko ist es mir wert, es zu probieren.“

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