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Oval Office als Spielwiese: Präsident John F. Kennedy rgiert, während sein Sohn unter dem Schreibtisch hervorlugt Bild: Bettmann Archive

Heimarbeitsplatz : Im Weißen Haus ist der Teufel los

Das Oval Office ist das berühmteste Homeoffice der Welt. In ihrem Büro spielen Amerikas Präsidenten seit jeher ihre Macht aus – im Guten wie im Schlechten.

          5 Min.

          Gewöhnlich wird in einem Homeoffice nichts anderes gemacht als gearbeitet. Telefonieren, schreiben, rechnen, Präsentationen vorbereiten, das alltägliche Pensum eben. Das alles ist nichts im Vergleich dazu, was am wohl größten und berühmtesten Heimarbeitsplatz der Welt passiert. Dort in Washington werden nicht nur Akten studiert und Dokumente unterzeichnet, sondern Liebesaffären begonnen, Intrigen gesponnen, Kriege vorbereitet und andere Entscheidungen getroffen, die dazu angetan sind, die Welt zu verändern. Im Oval Office ist immer was los, mitunter sogar der Teufel.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Donald Trump ist der zwanzigste Präsident der Vereinigten Staaten, der im Oval Office arbeitet, seit der Raum 1902 von Theodore Roosevelt im Westflügel des Weißen Hauses zunächst provisorisch eingerichtet wurde. Um vom Schlafzimmer ins ovale Büro zu kommen, muss der Präsident beinahe 100 Meter zurücklegen. Zwingend nötig ist der Fußweg nicht, hat der Regierungschef doch ein Arbeitszimmer auf der Wohnetage des Weißen Hauses. Im sogenannten Treaty Room kann er in aller Stille arbeiten

          Eine Bühne für verdiente Bürger

          Das Oval Office, das in der Längsachse 10,90 Meter und in der Querachse 8,80 Meter misst und 5,60 Meter hohe Decken hat, dient eher Repräsentationszwecken. Deswegen dürfen nicht nur Staatsgäste hinein, sondern von Zeit zu Zeit auch Amerikaner, die Besonderes geleistet haben oder einfach nur berühmt sind wie jüngst die Trump-Besucherin Kim Kardashian. Das Oval Office, schreibt der von Trump entlassene FBI-Chef James Comey in seinem jüngst erschienenen Buch „Größer als das Amt“, sei ein Büro, „das in der Geschichte meines Landes quasi als heiliger Boden gilt“.

          Im Grunde ist das berühmteste Büro gar kein echtes Büro. Es ist vor allem eine Bühne, auf der sich der Präsident mächtig inszeniert. Sobald er gewählt ist, darf er das Büro nach seinem Gutdünken einrichten: Er tauscht Tapeten und Teppich seines Vorgängers aus, wechselt Mobiliar und Kunstgegenstände. Als George W. Bush regierte, hingen Gemälde mit Cowboys und texanischen Landschaften an den Wänden. Trump ließ ein Porträt von Andrew Jackson aufhängen, jenem Präsidenten aus dem 19. Jahrhundert, der Eliten misstraute und die Welt unterteilte in Gleichgesinnte und Feinde.

          So spiegelt das Oval Office stets das Selbstverständnis und die Persönlichkeit des jeweiligen Präsidenten. John F. Kennedy hat seine Kinder Caroline und John Jr. im Oval Office spielen und tanzen lassen und damit die Herzen seiner Landsleute gewonnen. Dass Kennedy ein paar Meter weiter Marilyn Monroe zum Techtelmechtel empfing, das gehört ebenso zur Geschichte präsidialer Heimarbeit wie die zehn sexuellen Kontakte, die Bill Clinton mit der Praktikantin Monica Lewinsky hatte. Übrigens taten es die beiden nie im Büro, weshalb die damalige Bezeichnung „Oral Office“ strenggenommen falsch ist.

          Der verstorbene Journalist Klaus Harprecht, erster ZDF-Korrespondent in Washington und später Redenschreiber für Bundeskanzler Willy Brandt, erkannte im Oval Office „die einfache Würde gelebter Geschichte: keiner, die sich majestätisch mit Pomp und Glorie vom Volk entfernt, sondern einer Geschichte, die ihre Energie aus der Offenheit und mitunter aus der guten Gewöhnlichkeit zieht“. Ein halbes Jahrhundert später erscheint Harprechts Hommage etwas verklärt. Schließlich ist der aktuelle Präsident dem Pomp und Protz sehr zugeneigt.

          Flaggenparade hinter dem Schreibtisch

          Trumps Hang zur kitschigen Übersteigerung ist schon dokumentiert auf Fotos seiner Gemächer und seiner Firmenzentrale im New Yorker Trump Tower, wo Blattgold und Plüsch allgegenwärtig sind. Und sein Hang offenbart sich auch daran, wie der 45. Präsident das Oval Office eingerichtet hat. So wie Trump politisch alles tut, um Entscheidungen seines Vorgängers abzuräumen, so hat er auch von Barack Obama angeschaffte, moderne Möbelstücke aussortiert und sie durch Sachen mit Schnörkeln ersetzt.

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