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Heimarbeitsplatz : Im Weißen Haus ist der Teufel los

Am auffälligsten aber sind die vielen Fahnen, die sich Trump ins Oval Office stellen ließ. Begnügten sich seine Vorgänger stets mit zwei Fahnen, nämlich der amerikanischen Nationalflagge Stars und Stripes und der blauen Präsidentenflagge mit dem Weißkopfseeadler als Wappentier, so steht nun ein gutes Dutzend im Oval Office: vor allem Kampffahnen sämtlicher amerikanischer Militäreinheiten. Diese Flaggenparade entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Hat Trump doch nie im Leben Militärdienst geleistet, weil er während des Vietnamkriegs angeblich an einem Fersensporn litt.

Teppiche, Couchtische, Fahnen sowie Kunstgegenstände mögen alle vier oder acht Jahre kommen und gehen wie die Präsidenten. Doch ein Prachtstück hat so gut wie jeden Regierungswechsel seit 1880 überlebt: der Schreibtisch. „Resolute Desk“ heißt er, ist aus dem Holz des Expeditionsschiffs „Resolute“ gefertigt und ein Geschenk der englischen Königin Victoria an den Präsidenten Rutherford Hayes. Nur drei Amtsinhaber haben seither auf den Schreibtisch verzichtet. Am lässigsten ging Obama mit dem Tisch um, bei Besprechungen nutzte er ihn als Sitzgelegenheit, um locker die Beine herabbaumeln zu lassen.

Was für ein Bürotyp ist der Präsident?

Aufschlussreich ist vor allem, wie es auf dem Schreibtisch aussieht. Am Zustand seiner Aufgeräumtheit kann man erkennen, was für ein Bürotyp der jeweilige Präsident ist: So sah der Resolute Desk beim vormaligen Armee-General Dwight D. Eisenhower stets ordentlich aus. Mehr als das Amtssiegel, ein Familienfoto und ein Dokument, das nach der Bearbeitung unverzüglich durch das nächste Dossier ausgetauscht wurde, waren bei Eisenhower nicht zu finden. Das zeugte von militärischer Disziplin.

Wesentlich öfter regierte die Unordnung, war der Tisch übersät von allerlei Papierkram. Auch Trump stapelt hoch und ist stolz darauf. „Schauen Sie sich meinen Schreibtisch an“, sagte er kürzlich in einem Interview mit seinem Lieblingssender Fox News, „noch nie gab es einen Präsidenten mit so vielen Unterlagen auf dem Tisch.“ Diese Behauptung ist, um Trumps liebsten Kampfbegriff zu benutzen, Fake News.

Denn Fotos und Augenzeugenberichte beweisen, dass viele seiner Vorgänger noch mehr herumstehen und -liegen hatten. Franklin D. Roosevelt konnte am Schreibtisch kaum arbeiten, weil er ihn mit lauter Krimskrams vollgestellt hatte: mit einem riesigen Aschenbecher, mit vielen kleinen Kunstgegenständen, die er von anderen Staatsmännern geschenkt bekam, und einigen aus Elfenbein geschnitzten Eseln, dem Symboltier der Demokratischen Partei, die an Besucher verteilt wurden. Auch Kennedy liebte das Durcheinander, übersäte seinen Schreibtisch mit Akten, Büchern, Zeitungen und den neuesten Nachrichten aus dem Ticker.

Ein Oval Office für Hollywood

Bei Trump dient die Hochstapelei als Beleg dafür, dass er imstande ist, viele Sachen gleichzeitig zu erledigen. „Mein Schreibtisch ist ein wichtiger Teil meines Erfolgs“, sagte Trump, als er noch Immobilienunternehmer war: Tolle Dealmaker wie er hätten immer „eine Menge Dokumente auf ihrem Tisch liegen“. Umso irritierender sind manche Fotos, auf denen Trumps Schreibtisch im Oval Office leer und unbenutzt erscheint.

So einzigartig das Oval Office ist – realitätsnahe Imitationen gibt es eine Menge. Hollywoods Filmindustrie ist geradezu besessen davon, Filme und Serien aus dem Innenleben des Präsidentensitzes zu produzieren. Wie oft das Oval Office nachgebaut und in Szene gesetzt wurde, lässt sich kaum ermitteln. Es ging 1933 los mit dem Streifen „Gabriel over the White House“, und die laufenden Netflix-Serien „Designated Survivor“ und „House of Cards“ werden nicht das Ende markieren. Sicher ist, dass der Nachbau des Oval Office aus „House of Cards“ nicht an einem repräsentativen Ort wie der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington steht. Sondern im Industriegebiet von Joppa, etwas mehr als eine Autostunde nördlich der Hauptstadt gelegen. Dort sind die Steuern niedriger.

Designer und Drehbuchautoren verbringen viel Zeit damit, das berühmteste Büro detailgetreu und doch spektakulär zu inszenieren. Was sich aber seit 100 Jahren im Washingtoner Homeoffice wirklich abspielt, lässt so manche Hollywood-Erfindung fast fad erscheinen. Eleanor Roosevelt ging mit einer Freundin ins Bett, während ihr Mann Franklin nebenan regierte. Hillary Clinton warf ihrem notorisch untreuen Gatten Bill angeblich Aktenordner hinterher. Das Weiße Haus war schon oft ein Tollhaus.

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