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Weinbau : Karrieren im Weinberg

  • -Aktualisiert am

Erntezeit für den „Grauen Burgunder” Bild: dpa/dpaweb

Deutsche Winzer machen bei internationalen Weingütern Karriere. An internationalen Weinschulen ausgebildet, gehen viele als „Flying Winemakers“ in die Selbständigkeit und legen den Stil eines Weins fest.

          4 Min.

          Es war eine kleine Sensation: Ein Deutscher wurde Anfang des Jahres Kellermeister des Weinguts Tenuta dell'Ornellaia in Bolgheri in der Toskana.

          Ausgerechnet ein Deutscher, auf einem der renommiertesten Weingüter der Welt und ein junger Önologe im Alter von 33 Jahren. Axel Heinz heißt das Talent, das in der internationalen Liga ganz oben mitspielt.

          Deutsche Winzer in Spitzenpositionen

          Und noch eine Personalie sorgte für Gespräche in der deutschen Weinbranche: Ein junger Unbekannter wurde Anfang des Jahres Gutsleiter von Schloß Johannisberg im Rheingau.

          Christian Witte heißt der 35 Jahre alte Mann, der nun ein Weingut führt, das zusammen mit G. H. v. Mumm 100 Hektar groß und damit das größte private heimische Weingut ist.

          Deutschland war in der Spitzenriege des internationalen Weinbaus jahrelang so wenig vertreten wie seine Weine. Doch das ändert sich derzeit. Jahrelang wurden vornehmlich die Kinder von Winzern ausgebildet. Heute haben auch Branchenfremde eine Chance.

          Ein Liebhaber des Weins

          Axel Heinz wuchs in München auf. Seine Mutter stammte aus Bordeaux und machte mit der Familie oft Urlaub. „Ich bin als Liebhaber von Wein zum Weinbau gekommen“, sagte Heinz, der gerade mit seiner Frau nach Italien übersiedelt.

          Zweisprachig aufgewachsen, ging er nach dem Abitur 1994 nach Bordeaux und absolvierte ein BTS, eine berufsorientierte Ausbildung, angesiedelt zwischen Lehre und Fachhochschule. Es folgte an der Fakultät der Universität Bordeaux ein Doppelstudium Önologie und Weinbau.

          „Flying Winemakers“

          „Wer ein Diplom aus Bordeaux in der Tasche hat, findet leicht eine Stelle“, sagt Bernard Doneche, der Leiter der Weinbau-Fakultät der Universität Victor Segalen Bordeaux 2, so beiläufig, als sei es kaum der Erwähnung wert.

          Auch die Blitzkarriere seines ehemaligen Schützlings Heinz hält er für so außergewöhnlich nicht: „Trotz der weltweiten Weinkrise kennen gute Absolventen von uns keine Probleme.“ Viele Önologen würden selbständige Weinbau-Berater.

          „Flying Winemakers“ werden diese genannt. Sie reisen von Weingut zu Weingut und sind entscheidend in der heikelsten Phase in der Entstehung eines Weines, wenn es darum geht, den Stil festzulegen: mehr Holz, mehr Frucht oder höherer Alkohol.

          Der Star-Önologe

          Oft bestimmen sie bei Weinen, die aus mehreren Rebsorten bestehen, wie die Partien zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt werden. Sie sind die Stars der Branche geworden. Weltweit bekanntester „Flying Winemaker“ ist ohne Zweifel Michel Rolland.

          Der 58 Jahre alte Star-Önologe hat selbst in Bordeaux studiert, und zwar unter Emile Peynaud, der die französische Weinbau-Wissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten so nachhaltig prägte. Rolland leitet nicht nur ein Labor in Pomerol bei Bordeaux, er berät auch mehr als 100 Güter, in Frankreich, Kalifornien, Italien, Spanien, Argentinien oder in Südafrika.

          Insgesamt ist sein Labor für 700 Güter tätig und verkauft auch technische Ausrüstung. Nebenbei besitzt Rolland selbst fünf Weingüter, darunter Chateau Le Bon Pasteur in Pomerol, und ist an Betrieben in Südafrika, Spanien und Argentinien beteiligt.

          Karriere in der Selbständigkeit

          Rund 200 Studenten sind an der 1880 gegründeten Fakultät in Bordeaux eingeschrieben. An ausländische Studenten wie Heinz ist man hier gewöhnt. Viele Ausländer schreiben sich auf eigene Faust ein. Sie müssen ihre Bewerbung vor dem 31. März einreichen und bis dahin einen Sprachtest absolviert haben.

          Den besten Absolventen steht eine Karriere in der Selbständigkeit offen. „Die anderen bleiben Angestellte“, sagt Doneche. Auch diese sind auf der ganzen Welt gefragt.

          Allerdings verschiebt sich derzeit das Profil. „Die technischen Angestellten leiden enorm unter der Krise“, sagt der Fakultätsleiter. „Der Beruf entwickelt sich in Richtung Betriebswirtschaft, Vertrieb, Marketing, Qualitätskontrolle.“

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