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Kleiderkunde : Was steckt dahinter?

  • -Aktualisiert am

Bild: Florian Thielmann

Irgendwann trifft es jeden: Die erste Einladung zum Businessevent mit Dresscode flattert ins Haus. Aber was verbirgt sich hinter Begriffen wie Business, Casual oder Business Casual?

          4 Min.

          Kleider machen Leute – das stellte schon der Schneider in Gottfried Kellers gleichnamiger Novelle von 1874 fest, als er aufgrund seines vornehmen Zwirns für einen polnischen Grafen gehalten wurde. An der Redewendung ist bis heute etwas dran: Das richtige Outfit prägt oft den ersten Eindruck, vor allem im Job, und wirkt auch darüber hinaus – sei es im Berufsalltag oder beim Firmenevent. Die Kleiderordnung des Geschäftslebens ist fast eine Wissenschaft für sich. Wann ist die Krawatte ein Muss, wann darf es etwas legerer sein? Und bedeutet „Come as you are“ wirklich, dass man tragen darf, was man möchte? Wir haben die wichtigsten Begriffe und Regeln aufgespürt. Ein Überblick:

          Die Klassiker

          Smart Casual: Der von den Amerikanern ins Leben gerufene Dresscode verlangt die richtige Balance zwischen Lässigkeit und Eleganz: ein legeres Business­outfit, das sich zwischen Casual und Business Casual bewegt. Es wird bei Empfängen, Vorträgen oder Meetings, aber auch zum gemeinsamen Abendessen mit Kollegen oder beim Sightseeing-Trip während einer Geschäftsreise getragen. Krawatte und Anzug sind nicht notwendig, mit einer Kombination aus (Leinen-)Sakko, Stoffhose und Hemd ist der Mann gut angezogen. Bei manchen Unternehmen sind auch Jeans erlaubt, wenn sie dunkel und nicht verwaschen oder verknittert sind. Bei der Farbwahl dezent vorgehen und den Gürtel nicht vergessen. Damen können elegante Röcke oder Hosen mit feinem T-Shirt und Blazer oder Bluse und Strickjacke kombinieren. Unangebracht sind helle Jeans, Sneaker und Rucksäcke.

          Business Casual: Ab dieser Dresscode-Ebene ist die Jeans tabu! Erwartet wird lockere, aber elegante Kleidung, die allerdings nicht sportlich sein sollte. Für den Mann bedeutet das: Hemd oder feiner Strickpulli und Sakko. Dazu passen Stoff- oder Chinohose und Bootsschuhe, wahlweise auch Slipper. Eine Krawatte muss auch hier nicht sein. Für die Damen eignen sich eine klassische Bluse mit oder ohne Blazer, dazu eine Bundfaltenhose, oder geradlinige Röcke und Kleider in dunklen, gedeckten Farben und Pumps oder Loafer. Die Herausforderung liegt darin, attraktiv und seriös zu erscheinen, aber eben nicht „overdressed“ zu sein – wie zum Beispiel mit einem Kostüm oder kompletten Hosenanzug. Business Casual ist häufig bei Firmenessen oder auf Geschäftsreisen gefragt. Das Outfit soll komfortabel genug sein, um nicht zu beengen, gleichzeitig aber gepflegt und geschmackvoll wirken.

          Business (offiziell): Das Standard-Bürooutfit gilt für Bewerbungsgespräche, interne Meetings, Besprechungen mit Kunden, Geschäftspartnern und an der Öffentlichkeit. In mittleren Führungspositionen reicht ein zweiteiliger, dunkler Anzug mit Krawatte, in den hohen Führungsebenen heißt es: dreiteiliger Anzug mit Manschettenknöpfen. Je höher die berufliche Position im Unternehmen, desto dunkler der Anzug. Nadelstreifen, farbige Krawatten sowie pastellfarbene Hemden mit feinen Streifen oder Karos sind erlaubt – allerdings sollte Mann nie mehr als zwei Muster gleichzeitig tragen. Dazu passen Schuhe aus glattem Leder, am besten ebenfalls dunkel. Frauen tragen Hosenanzug oder ein klassisches Kostüm, kombiniert mit einer farbigen Bluse, idealerweise mit langen Ärmeln. Bei Kleidern und Röcken sollte der Saum stets das Knie umspielen. Dazu gehören eine hautfarbene Strumpfhose und Pumps, deren Absatz nicht höher als sechs Zentimeter sein sollte.

          Business (hochoffiziell): Der Dresscode für das tägliche Business in hohen Führungsebenen. Hier liegen Männer mit einem dreiteiligen Anzug in Dunkelgrau, Anthrazit, Dunkelblau, Schwarz oder mit Nadelstreifen, passender Weste, Krawatte und Hemd richtig. Manschettenknöpfe werten das Outfit zusätzlich auf, solange sie schlicht gehalten sind. Bei Frauen wird ein Kostüm oder Hosenanzug mit einfarbiger Bluse oder T-Shirt erwartet.

          Irgendwo dazwischen

          Jenseits der gängigen Standard-Dresscodes gibt es noch weitere Begriffe, die häufig verwendet werden. Zum Beispiel:

          Business Attire: Business Attire bedeutet übersetzt nichts anderes als „Geschäftskleidung“. Der konservative Dresscode kann als gehobene Variante des Business Casual verstanden werden und gilt vor allem auf Geschäftsreisen, bei Treffen mit Kunden oder auf Businessveranstaltungen – also bei Anlässen, bei denen man die Firma außerhalb der eigenen Geschäftsräume repräsentiert. Männer tragen einen zwei- oder dreiteiligen Anzug in einer der gängigen Businessfarben Dunkelgrau, Anthrazit, Dunkelblau oder Schwarz, dazu eine dunkle Krawatte und dunkle Schuhe. Dezent gemusterte Hemden und Pastelltöne sind noch im Rahmen. Frauen orientieren sich an der männlichen Kleiderordnung und wählen einen klassischen Hosenanzug oder ein Kostüm mit heller Bluse oder Top. Das Make-up ist dezent, die Frisur ist klassisch, und es wird nicht viel Haut gezeigt. Business Attire wird manchmal auch als „Day Informal“ oder „Tenue de Ville“ bezeichnet, alle drei Bezeichnungen meinen das Gleiche.

          Semi-Formal: Achtung, dieser Dresscode klingt lockerer, als er in Wirklichkeit ist. Semi-formal bedeutet keineswegs „halbformell“, mit Freizeitkleidung jeder Art liegt man deshalb daneben. Für den Mann sind ein dunkler Anzug, Hemd und Krawatte Pflicht. Frauen müssen im Kostüm, Kleid oder Hosenanzug erscheinen. Gilt die Einladung für den Abend, fällt die Wahl auf das Abendkleid oder ein elegantes Cocktailkleid. Dann dürfen Schmuck und Make-up auch stärker auffallen. Der Dresscode wird häufig bei Bällen, Dinner und Abendveranstaltungen mit hochrangigen Geschäftspartnern gefordert. Im Geschäftsalltag wird er getragen, wenn Kontakt zur Chefetage besteht oder Kontakt mit externen Kunden an der Tagesordnung ist. Während der Arbeit im eigenen Büro dürfen Jacke oder Sakko abgelegt werden, müssen aber stets griffbereit sein, falls Repräsentation notwendig wird.

          „Come As You Are“?: „Komm, wie du bist“ – das klingt nach Freibrief für Jeans und T-Shirt, doch tatsächlich ist damit ein klassisches Bürooutfit mit Anzug gemeint. „Come as you are“ ist in den USA eine übliche Kleidungsbeschreibung für Geschäftsessen und Businessveranstaltungen nach Feierabend und bedeutet, dass man sich nach dem Büro dafür nicht extra umziehen muss.

          Was muss ich sonst noch wissen?

          Natürlich sind diese Kleiderordnungen nicht in Stein gemeißelt und werden von Branche zu Branche sowie von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich interpretiert. Im Zweifel sollte man lieber fragen, als ins Fettnäpfchen zu treten. Gerade neuen Mitarbeitern wird in der Regel nachgesehen, wenn sie bei gegebenem Anlass fragen, welcher Dresscode im Unternehmen gilt. 

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