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Serie „Die Karriere googeln“ : Was die Deutschen zum Thema Kündigung wissen wollen

Rechte und Pflichten beim Thema Kündigung - für manche Arbeitnehmer schwer durchschaubar. Bild: dpa

Was soll ich fürs Bewerbungsfoto anziehen? Und wie sage ich im Büro, dass ich schwanger bin? Die Deutschen googeln viele Fragen zur Karriere. Wir beantworten die wichtigsten in einer Serie. Hier kommt Folge 4 zum Thema Kündigung.

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          Lieber Google fragen als den Karriereberater? Das denken sich viele Deutsche. Auf FAZ.NET berichten wir in einer Serie fünf Tage lang darüber, welches die am meisten gestellten Karrierefragen auf Google sind - und beantworten sie. Los ging's mit mit dem Thema Studium. Folge 2 befasste sich mit dem Thema Gehalt. In Folge 3 haben wir Fragen zum Thema Bewerbung beantwortet. Und diesmal geht's um die Kündigung.

          Was ist eine fristlose Kündigung?

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Mit meiner Arbeit verbringe ich mehr Zeit als mit meinem Partner und den Kindern.“ Vermutlich kennt jeder diesen Satz. Was will diese Aussage eigentlich sagen? Mindestens ein Drittel des Tages verbringt der durchschnittliche Arbeitnehmer im Unternehmen, viele machen fleißig Überstunden. So entsteht eine Vertrauensbasis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die sich über die Jahre und mit steigender Verantwortung von Mitarbeitern sogar verfestigt. Um dieses gestörte oder verlorengegangene Vertrauen geht es, wenn eine Vertragspartei außerordentlich kündigt.

          Liegt ein „wichtiger Grund“ vor, können Arbeitgeber wie Arbeitnehmer ein unbefristetes als auch befristetes Arbeitsverhältnis kündigen, so steht es in Paragraph 626 Abs. I Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Auch hier gilt: Die Erklärung muss dem Empfänger schriftlich zugehen, und der Kündigende muss klar adressieren: „Es geht so nicht weiter. Ich will nicht mehr.“ Nur wenige Arbeitnehmer sind vor einer außerordentlichen Kündigung geschützt: Schwangere bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung etwa (§ 9 Mutterschutzgesetz) und Arbeitnehmer in Elternzeit (§ 18 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz). Solche Kündigungen können nur in Ausnahmen und auch nur durch Behörden, die den Arbeitsschutz überwachen, für zulässig erklärt werden. Wichtig für alle Arbeitnehmer, die sich gegen eine außerordentliche Kündigung durch ihren Arbeitgeber wehren wollen: Innerhalb von drei Wochen ab Zugang der Kündigung muss die Klage vor dem Arbeitsgericht eingereicht werden. Ansonsten gilt die außerordentliche Kündigung als rechtswirksam.

          Wie eine Paartherapie müssen sich Nichtjuristen dann auch das Verfahren vorstellen, wenn ein Arbeitsrichter das Vorliegen eines wichtigen Grundes prüft. Zunächst schaut das Gericht darauf, ob der konkrete Streitfall überhaupt für den Fall einer fristlosen Kündigung geeignet ist; Lappalien sollen so direkt herausgefiltert werden. Kommt der Arbeitsrichter zu dem Ergebnis, dass beide Parteien zumindest noch für einen überschaubaren Zeitraum weiter miteinander arbeiten können, wird die sofortige Kündigung bei einem befristeten Arbeitsverhältnis auf den nächsten Fristablauf und im Fall des unbefristeten Arbeitsvertrags auf die nächstmögliche Frist einer ordentlichen Kündigung umgedeutet. Für den Teil, der unbedingt aus dem Vertrag heraus möchte, kann das eine monatelange Wartezeit bedeuten; unter Umständen ist dann ein Auflösungsvertrag eine Option, was wiederum voraussetzt, dass sich die Streithähne überhaupt noch zusammen an einen Tisch setzen können. Doch kein Unternehmen hat etwas davon, wenn der Mitarbeiter schon auf gepackten Koffern sitzt. Andererseits will kein Arbeitnehmer mehr in einem Betrieb arbeiten, in dem er, egal aus welchen Gründen, nicht willkommen ist.

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