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Kolumne „Uni live“ : Inspirationsort Bibliothek

  • -Aktualisiert am

Universitäre Bibliothek in Göttingen Bild: Laura Kinzig

Während auf dem Campus immer wieder Stille einkehrt, geben sie tagein, tagaus Studierenden Orientierung: Universitätsbibliotheken stehen für Beständigkeit und sind in der Pandemie besonders wichtige Orte.

          4 Min.

          In den vergangenen Semestern hat sich das Universitätsleben grundlegend geändert. War der Campus einst das soziale Zentrum, so ist an dessen Stelle die Bibliothek getreten. Dort wird derzeit jeder verfügbare Arbeitsplatz genutzt, und überall sieht man Studierende in Kleingruppen zusammensitzen und leise diskutieren – eifrig und lebhaft.

          Hier zeigt sich mehr denn je, wie wichtig Bibliotheken für Menschen sind – in einer öffentlichen, aber auch ganz besonders in einer akademischen Umgebung. Das Statistische Bundesamt zählt für das Jahr 2018 rund 2,38 Millionen Nutzer wissenschaftlicher Bibliotheken, für öffentliche Bibliotheken steigt die Zahl sogar auf 7,35 Millionen. Sie sind Orte der Stille, an die sich zurückziehen kann, wer einen Ort benötigt, um in Ruhe nachzudenken, und zugleich ein sozialer Treffpunkt. In erster Linie sind Bibliotheken aber riesengroße Speicher von Wissen. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass uns heute jahrtausendealte Schriften zur Verfügung stehen. Im digitalen Zeitalter ist ihre Bedeutung noch einmal um ein Vielfaches gewachsen.

          Schon Arthur Schopenhauer wusste Bibliotheken zu schätzen, als er in „Parerga und Paralipomena“ schrieb: „Wie schlecht würde es also um das menschliche Wissen stehn, wenn Schrift und Druck nicht wären. Daher sind die Bibliotheken allein das sichere und bleibende Gedächtniß des menschlichen Geschlechts, dessen einzelne Mitglieder alle nur ein sehr beschränktes und unvollkommenes haben.“ Bei diesem Zitat ist zu bedenken, dass Schopenhauer im 18. Jahrhundert gelebt hat, in einer Zeit, in der das Prestige von Universitätsbibliotheken deutlich größer war als heute, während sich der Kreis der Besucher auf eine vergleichsweise kleine, hochgebildete Gruppe von Akademikern beschränkte. Wenn Schopenhauer sehen könnte, wie sich die Unibibliotheken bis zum heutigen Tage entwickelt haben, würde er große Augen machen. Sie sind nicht nur Hüter von Wissen, sondern sie sorgen auch dafür, dass Abertausende von Menschen darauf zugreifen können.

          Ein ganz eigenes Gefühl von Verbundenheit mit der Welt

          Mit Verweis auf die rasante Digitalisierung wird in den letzten Jahren immer wieder darüber gesprochen, ob Bibliotheken in Zukunft eine so wichtige Rolle spielen werden, wie sie es einmal taten. Ich bin davon überzeugt, dass es so ist: Es gibt keinen anderen Ort, an dem Menschen auf Wissen aus so vielen verschiedenen Fachgebieten zugreifen können – und dieser Ort ist dank des Internets nicht länger nur auf dem Campus, sondern auch in den eigenen vier Wänden erreichbar. Mit einem Klick haben Akademiker Zugang zu sämtlichen wissenschaftlichen Publikationen aus der ganzen Welt, viele E-Books können mittlerweile sogar problemlos heruntergeladen werden. Diese Zugänglichkeit ist alles andere als selbstverständlich. Bibliotheken stellen heute nicht länger nur Wissen bereit. Sie digitalisieren alte Drucke und Handschriften und erleichtern somit deren Lektüre und Handhabung, sie stellen ihren Nutzern Server, Datenbanken und Cloud-Speicher bereit und dienen häufig auch als Publikationsplattformen.

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