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Arzt und Patient : Gespräche über Leben und Tod

  • -Aktualisiert am

Reden, reden, reden – in diesen Zeiten ist das besonders wichtig: Corona-Station im Uniklinikum Frankfurt Bild: Lucas Bäuml

Im Arztberuf muss man diagnostizieren, operieren und braucht oft ein Einser-Abi, so das gängige Bild. Vergessen wird dabei: kommunizieren – über Therapien, Überlebenschancen und nun auch noch die Pandemie.

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          Die junge Ärztin hat Dienst und weiß nicht, was sie zuerst erledigen soll. Sie muss Visite machen, Blut abnehmen, Braunülen legen, Entlassungspapiere vorbereiten, und immer wieder klingelt das Telefon aus der Notaufnahme. Zwischendurch fängt sie einer ihrer Patienten ab. Sie solle ihm bitte das Ergebnis der Gewebeprobe erklären. Die Ärztin sagt mit knappen Worten „Ein fortgeschrittener Blasenkrebs. Die Aussicht auf Heilung ist schlecht.“ Der Mann wirkt wie vor Schreck erstarrt und geht schweigend in sein Zimmer. Die Ärztin macht mit ihrer Visite weiter. Kurz bevor sie nach Hause geht, passt der Mann sie auf dem Flur ab und sagt: „Was sind Sie für ein Mensch, so eine Nachricht auf dem Flur zu überbringen?“

          Die Situation passierte vor 17 Jahren, aber die Ärztin erinnert sich bis heute an sein trauriges Gesicht. „Es war alles so hektisch, und ich wollte die Information rasch loswerden“, sagt Irene Marx, Urologin, die heute als Palliativmedizinerin in Frankfurt arbeitet. „Ich hätte so viel klüger handeln können, wenn ich im Studium gelernt hätte, wie ich mich in so einer Situation am besten verhalte.“

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