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Ingenieure an der Spitze : Gute Karten

  • -Aktualisiert am

Sohn Stefan studierte an der Universität Magdeburg Wirtschaftsingenieurwesen und arbeitete nebenher im elterlichen Unternehmen. Vor drei Jahren, im Zuge der Nachfolgeregelung im Familienbetrieb, übernahm der 37-Jährige die komplette Verantwortung für das Unternehmen mit 200 Mitarbeitern.

Ingenieure an der Spitze von Dax-Unternehmen

Nicht nur in mittelständischen Unternehmen, sondern gerade auch in Dax-Unternehmen sind Ingenieure in der Führungsspitze zu finden. Prominenteste Beispiele sind beispielsweise Daimler-
Chef Dieter Zetsche, der Elektrotechnik studiert hat, oder Carsten Spohr, der als studierter Wirtschaftsingenieur an der Spitze der Lufthansa steht. Auch Johannes Bußmann ist promovierter Ingenieur und als Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Technik AG heute Chef von weltweit über 21.000 Mitarbeitern. „Es ist sicherlich hilfreich, wenn man unter Ingenieuren die gleiche Sprache spricht. Aber auf meinen Werdegang innerhalb des Konzerns hatte es wenig Einfluss, dass ein Ingenieur an der Spitze der Lufthansa steht“, sagt er. Bußmann, der ebenso wie Norbert Alt an der RWTH Aachen studierte, hat sich – nach einer einjährigen Station bei ABB zu Berufsstart – seit 1999 bei der Lufthansa Technik emporgearbeitet. Er begann als Entwicklungsingenieur im Bereich Produktmanagement und -entwicklung, wurde 2001 Vertriebsleiter Asien und Australien. 2005 kehrte er als Hauptabteilungsleiter des Bereichs Marketing und Sales der Lufthansa Technik wieder nach Hamburg zurück. Im September 2012 übernahm er als Vorstand die Ressorts Personal, Engine und VIP-Service. Mit der Berufung zum Vorstandsvorsitzenden im April 2015 und mit der damit verbundenen Aufnahme in den obersten Führungszirkel des Luftfahrtkonzerns erreichte er einen vorläufigen Karrierehöhepunkt.

Gute Aufstiegschancen

Als Ingenieur habe man ziemlich gute Karten, an die Spitze zu kommen, erklärt Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Er analysiert regelmäßig die beruflichen Perspektiven von Ingenieuren und schätzt, dass rund ein Fünftel – um die 400.000 – aller im aktiven Berufsleben stehenden Ingenieure als Führungskraft im Rang eines Geschäftsführers oder Vorstands tätig sind, „und somit Entscheidungsbefugnis über Strategie, Budgets und Personal haben“, so Koppel.

Doch für den Sprung an die Spitze sind mehr als ingenieurtechnische Höchstleistungen gefragt. „Gerade mal 20 Prozent meiner Arbeitszeit kann ich mich noch mit rein technischen Themen beschäftigen“, resümiert Lufthansa-Technik-Chef Bußmann. „Aber ich gehe mindestens eine halbe Stunde pro Tag in die Werkstatt.“ Geschäftsführerkollege Alt von der FEV ergänzt: „Es gilt, als Führungskraft die Balance zu finden. Natürlich müssen wir als Chefs technische Innovationen der Zukunft rechtzeitig erkennen, aber ebenso wichtig ist es, zu wissen, wie man Innovationen kostengünstig an den Markt bringt.“ Ernst Wallis hatte grundsätzlich bei jeder seiner Stationen mit betriebswirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen. „Ob es um den Aufbau eines Neukundengeschäfts ging, weil die bisherigen Erträge weggefallen waren, eine Steigerung der Umsatzrendite von 6 auf 18 Prozent durch Straffung der Organisation oder durch die Integration eines Tochterunternehmens – all das musste ich im Rahmen meiner Geschäftsführerposition leisten können.“ Bei PUK strukturierte er die Abläufe neu, intensivierte den Innovationsprozess und ermöglichte kontinuierliche Weiterentwicklungen im Unternehmen. Und für Stefan Tiemann, der schon während seiner Studienzeit das Marketing im elterlichen Unternehmen aufbaute, gilt es nunmehr, das erfolgreiche Familienerbe weiterhin zukunftsorientiert im Markt zu etablieren.

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