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Vorstände in Deutschland : Frauenanteil wächst langsam

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Belén Garijo ist Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns Merck Bild: Röth, Frank

Die Schere schließt sich, aber langsam: Auch 2022 wuchs der Frauenanteil in den Vorständen der größten deutschen Unternehmen, aber die Dynamik von 2021 wiederholte sich nicht.

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          Im vergangenen Jahr sind die Frauenanteile in den Vorständen großer Unternehmen in Deutschland nicht mehr so stark gestiegen wie 2021. Das berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem an diesem Mittwoch veröffentlichten Managerinnenbarometer. Die Verlangsamung stellt sich ein, obgleich seit August 2022 eine gesetzliche Mindestbeteiligung von Frauen in Vorständen gilt – jedenfalls dann, wenn das Gremium vier oder mehr Mitglieder hat, börsennotiert und paritätisch mitbestimmt ist. Die Vorgabe gilt für Nachbesetzungen; aktiv von Männern im Vorstand trennen müssen sich betroffene Unternehmen nicht.

          Das Wirtschaftsforschungsinstitut geht davon aus, dass schon 2021 viele Unternehmen auf das nahende Gesetz reagierten und mehr Frauen beförderten; 2022 hat die Dynamik dann wieder nachgelassen. Insgesamt 62 Unternehmen müssen sich an die neuen gesetzlichen Vorgaben halten. 13 von ihnen haben bis heute keine einzige Frau im Vorstand.

          Zu Jahresende betrug der Frauenanteil in den Vorständen der Top-200-Unternehmen den Angaben zufolge rund 16 Prozent; in den Dax-40-Unternehmen, die allesamt vom Mindestbeteiligungsgebot betroffen sind, waren es mit rund 22 Prozent deutlich mehr. „Die Schere schließt sich“, sagte die DIW-Ökonomin Katharina Wrohlich mit Blick auf die Daten, aber: „Sie schließt sich langsam.“ Erstmals jedenfalls lag der Frauenanteil in deutschen Vorständen höher als im EU-Durchschnitt – das aber nur, wenn man die größten börsennotierten Unternehmen betrachtet.

          Auch in den Aufsichtsräten geht es voran. Die Top-200-Unternehmen kamen dort 2022 auf einen Frauenanteil von 31 Prozent. In den Dax-40-Unternehmen lag der Anteil sogar bei 37 Prozent Aufsichtsrätinnen. Auch hier lässt sich feststellen, dass Quoten durchaus wirken. Die Frauenanteile in denjenigen Unternehmen, die einer Geschlechterquote in den Aufsichtsräten unterliegen, sind deutlich höher als in Unternehmen ohne Geschlechterquote.

          Während der Vorstellung der Zahlen ging es auch um das Thema Herkunft von Managerinnen in Deutschen Vorständen. Forscherin Katharina Wrohlich sagte, es sei richtig, dass gerade auf den Vorstandsvorsitzendenpositionen auffällig viele Frauen aus dem Ausland sitzen. „Die sozialen Normen mit Blick auf Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern sind in anderen Ländern zum Teil anders“, führte sie zur Begründung an. So sei der Pool an Frauen, die aus der zweiten Ebene in eine CEO-Position befördert werden könnten im Ausland manchmal höher als in Deutschland.

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