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Serie Anders Arbeiten : Vorsicht, Home-Office!

Daimler will Flexi-Quote für alle Mitarbeiter schaffen

Beim Automobilhersteller Daimler zum Beispiel hat sich die IG Metall dafür starkgemacht, dass es seitens der 80.000 Beschäftigten in Deutschland keinen Begründungszwang mehr geben soll, damit eben nicht mehr private Angelegenheiten wie die Kinderbetreuung oder die Pflege kranker Angehöriger für die Genehmigung der Heimarbeit ins Feld geführt werden müssen. Auch Hierarchie und persönliche Gunst sollen dafür keine Rolle mehr spielen, vom „Nasenfaktor“ spricht der Betriebsratsvorsitzende aus Stuttgart. Einziger legitimer Ausschlussgrund soll nun das Wesen der jeweiligen Arbeitsaufgabe sein. Anders gesagt: Wer am Band Autos montiert, muss dafür auch in Zukunft ins Werk kommen. Wer Excel-Tabellen ausfüllt und E-Mails schreibt, darf das von wo auch immer tun. Unter den Daimler-Arbeitern wird sich die „Flexi“- Quote also kaum erhöhen, unter den Angestellten schon.

Denn die meisten Arbeitnehmer, das haben Umfragen des Fraunhofer-Instituts ergeben, halten das Arbeiten von zu Hause aus oder unterwegs grundsätzlich für erstrebenswert. Die Motive dafür sind vielschichtig, manche versprechen sich davon Produktivitäts- und Kreativitätsschübe, andere weniger Stress und mehr Freizeit, wieder andere haben es auf das neueste Smartphone und den schicken Tabletcomputer abgesehen, die Statussymbole der modernen Wanderarbeiter. An den Geräten macht sich aber nachher auch oft der Frust fest. „Wenn Beschwerden aufkommen, dann liegt es meistens an Schwierigkeiten mit der IT“, sagt Josephine Hofmann, die Fraunhofer-Forscherin.

Strikte Absprachen zwischen Home-Office und Zentrale

Noch anspruchsvoller als technische Detailfragen sei aber die Aufgabe, das Abc der Arbeit im Home-Office auch denjenigen Kollegen und vor allem den Vorgesetzten dauerhaft ins Bewusstsein zu bringen, die ihre Arbeitstage nicht zu Hause, sondern im Firmenbüro verbringen. Denn das Home-Office kann zwar eine ganze Reihe von Problemen lösen, aber es ist nicht bequem, sondern verlangt von allen Beteiligten Disziplin: Absprachen zu Erreichbarkeit und Anwesenheit müssen für alle verbindlich sein, gemeinsame Kalender müssen kontinuierlich gepflegt und beachtet werden.

Einer der Pioniere des mobilen Arbeitens ist der amerikanische Technologiekonzern IBM. Jeder fünfte IBM-Beschäftigte in Amerika erledigt den Angaben des Unternehmens zufolge seinen Job heute komplett von zu Hause aus. Im vergangenen Jahr aber kam für einige von ihnen aus der Konzernzentrale das Kommando zurück: Insgesamt 5000 Beschäftigte, erläutert der Personalvorstand, arbeiten nun wieder in einem Firmenbüro. „So wollen wir sie dazu bringen, schnell ihre Ideen miteinander zu teilen, voneinander zu lernen, Hürden für den Fortschritt abzubauen und die echte Befriedigung zu erleben, die effektive Zusammenarbeit mit sich bringt“, heißt es dazu.

Rückkehr zur Präsenz-Kultur ?

Diese Entscheidung gegen den Trend zu immer mehr Home-Office wurde in den Personalabteilungen vieler Unternehmen kontrovers diskutiert. Wenn IBM sich zu so einem Schritt durchringt, ist die Heimarbeit dann vielleicht doch nicht so produktiv? Hat die als altmodisch in Verruf gekommene „Präsenzkultur“ vielleicht doch ihr Gutes? „Man kann Organisationen auch überdehnen“, sagt Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut. IBM sei offenbar zu dem Schluss gekommen, dass dieser Fall eingetreten sei, und habe nun sehr dosiert darauf reagiert. Soll heißen: Wenn Daimler aus Versehen Arbeiter am Band ins Home-Office geschickt hätte, würde der Konzern diese Entscheidung auch irgendwann korrigieren wollen. „Man kann so etwas nicht einfach mit der Gießkanne einführen.“

Der Youtube-Star Robert Kelly hält übrigens an seinem Home-Office fest. Und auch an der Regel, dass die Kinder grundsätzlich Zugang dazu haben. Hinterher hätten sie selbst über die Szene lachen können, haben er und seine Frau in einem zweiten Interview der BBC anvertraut. „Meine größte Sorge war, dass Sie mich nie wieder anrufen würden“, scherzte Kelly mit dem Fernsehmoderator.

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