https://www.faz.net/-gyl-8zo4s

Besondere Bauprojekte : Visionäre Meisterstücke

  • -Aktualisiert am

Wendelstein: Komplexer Prototyp

Komplex und herausfordernd war auch der Bau des Prestigeprojektes Wendelstein 7-X (W 7-X) am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald – allerdings auf einem ganz anderen Gebiet. Die Fusionsanlage des Typs „Stellarator“ ist ein Prototyp und die größte Anlage ihrer Art weltweit. Hier soll künftig getestet werden, wie tauglich eine solche Anlage für die Energiegewinnung sein kann. Die Annahme der Wissenschaftler: Ein Gramm Brennstoff könnte in einem solchen Kraftwerk 90.000 Kilowattstunden Energie erzeugen. Das entspräche einer Verbrennungswärme von elf Tonnen Kohle.

Der Traum von der Energiegewinnung durch Fusion ist ähnlich alt wie die Vorstellungen vom Durchbruch des Gotthard-Basistunnels. Die ersten konkreten Planungen zu W 7-X gab es allerdings erst etwas später – Anfang der 1980er Jahre. Der eigentliche Bau der Anlage startete dann 2005. 2015 konnte die Montage der Grundanlage fertiggestellt werden.

Die Gesamtanlage W 7-X setzt sich aus fünf Einzelmodulen zusammen. Arbeit in einem Einzelmodul.

Fragt man Lutz Wegener, den Leiter der Montagearbeiten in Greifswald, was bei der Umsetzung des Projektes besonders gelungen ist, spricht er vor allem vom stabilen Kosten- und Zeitplan: „Projekte wie Wendelstein lavieren an der Grenze des menschlich Machbaren.“ Wenn der Zeit- und Kostenplan am Ende mit dem notwendigen Anspruch an die Qualität und die Funktionalität der Maschine in Einklang gebracht werde, sei das der wesentliche Teil des Erfolgs.

Vor allem in zwei Aspekten unterscheidet sich aus Wegeners Sicht ein wissenschaftliches Projekt wie Wendelstein von Großprojekten in der freien Wirtschaft: Zum einen sei das die hohe Parallelität zwischen Konzeption, Konstruktion, Beschaffung und Bau. „Am Anfang ist keineswegs alles konzeptuell überlegt. Während etwa die Montageteile einer Hauptbaugruppe schon beschafft sind, wird eine benachbarte Gruppe gerade erst konzeptuell fertiggestellt“, erklärt er. Zum anderen sei die Montage eines solchen Prototyps in die wissenschaftliche Umgebung eingebettet. „Hier galt es zunächst, ein gemeinsames Arbeitsverständnis und eine Organisation zu entwickeln und zu implementieren, die die Arbeitswelten der Forschungsorganisation und den industrievergleichbaren Projektaufbau miteinander harmonisieren“, hält er fest.

Enge Abstimmungen nötig

Lutz Wegener, 60 Jahre alt und promovierter Ingenieur für Automatisierungstechnik, übernahm 2001 am IPP den Aufbau und später die Leitung des Bereichs Montage mit dessen gesamter Infra­struktur. In der zehnjährigen Montagezeit bestand sein Kernteam von rund 50 Mitarbeitern aus Ingenieuren, Technikern, Facharbeitern, Meistern, Vermessern und speziellen Prüfern. In Spitzenzeiten wurde das Montagepersonal auf bis zu 200 Mitarbeiter aufgestockt.

Eine Gruppe von Ingenieuren entwickelte technologische Montageverfahren, beschaffte die zugehörende Ausrüstung und betreute deren Einsatz und Optimierung vor Ort. „Die Abläufe verlaufen nicht immer wie geplant. Man muss sich beispielsweise um Nachbesserungen kümmern.“ Ein weiteres Team strukturierte die Arbeitsabläufe und behielt die Zeitabläufe im Blick: „Hier ging es darum, zu überblicken, wann welches Gewerk vor Ort gebraucht wird.“ Die beiden Teams nennt er die Problemlöser.

Weitere Themen

Topmeldungen

Spanien in der Corona-Krise : Warum die Zahlen in Spanien wieder ansteigen

Nirgendwo in Westeuropa gibt es so viele Neuinfektionen wie in Spanien – und das, obwohl nahezu überall Maskenpflicht herrscht und die Behörden wieder Ausgangssperren verhängen. Nun warnt das Auswärtige Amt auch vor Reisen nach Madrid.

Putins Corona-Politik : Der Impfstoff-Murks aus Moskau

Putin hat mit der Zulassung des weltweit ersten Corona-Impfstoffs vielleicht seinen Sputnik-Moment, doch Sektkorken knallen keine. Das rücksichtslose politische Manöver kann der Impfstoffentwicklung weltweit schaden.
Mike Pompeo und seine Frau Susan bei der Ankunft am Prager Flughafen am 11. August

Zum Auftakt der Europareise : Pompeo erhält eine deutliche Botschaft

Der amerikanische Außenminister besucht in dieser Woche vier europäische Länder. Es geht um Truppenstationierungen und um China. Gleich zu Beginn kommt aus Moskau deutliche Kritik: vom deutschen Außenminister.

Erster Meiler : Streit um ein Atomkraftwerk in Belarus

Minsk steckt in der größten politischen Krise seit der Unabhängigkeit. Ausgerechnet jetzt will das Land das erste Kernkraftwerk in Betrieb nehmen. Ein Nachbarland sieht eine Gefahr für die nationale Sicherheit.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.